Pandora’s Tower

  • Dustin Gerstenberger-Zange
  • 01/05/2012
  • 0

Pandora’s Tower

  • Adam Smieja
  • 16/02/2012
  • 0

Endlich ist es soweit, die Trilogie der großen drei JRPG’s, welche die Fangemeinde in den letzten Monaten aufgescheucht hat, findet nun mit dem Release von Pandoras Tower vorerst ein Ende. Wo Xenoblade Höchstwertungen einheimste und sich The Last Story auch noch recht gut schlug, tritt das neuste Werk aus dem Hause Ganbarion ein durchaus schweres Erbe an. Wie sich die Entwickler, welche eher für Versoftungen der bekannten Anime- und Mangaserie One Piece verantwortlich zeichneten, nun mit ihrem neuen Projekt schlagen, erfahrt ihr in unserem Test.

 

Von der Sängerin zum Monstrum

 

Eigentlich hätte es doch so schön werden können. Ein riesiges und im ganzen Land bekanntes Erntefest findet direkt im Herzen des Reichs statt und nur Helena allein gebührt die Ehre, dieses Jahr als Maid und gleichzeitig Aushängeschild des Festes, vor allen Besuchern ihre Stimme erklingen zu lassen. Doch gerade als der wie eine Prinzessin verehrten Schönheit die ersten Strophen über die Lippen kommen, passiert das Unfassbare. In einer Sekunde auf die nächste Verwandelt sich unsere Sängerin in ein schwer definierbares Ungetüm und macht sich drauf und dran den kompletten Festplatz in Stücke zu hauen, bis sie wie von der Tarantel gestochen in eine Gasse flüchtet, um dort in ihrer menschlichen Gestalt bewusstlos niederzusinken. Was genau geschehen ist weiß niemand, und das einzige Zeugnis dieser bösen Überraschung ist ein auf Helenas Rücken hinterlassenes Stigma. Doch für lange Erklärungsversuche ist gar keine Zeit, denn unser Held des Spiels und vermeintlicher Gefährte der bestialischen Grazie mit dem für japanische Spiele typischen, schon fast androgynen Aussehen aber dem eines Kämpfer angemessenen Namen Aeron, macht sich drauf und dran seinen Schützling aus der misslichen Lage zu verhelfen. Misslich fragt ihr euch? Nun, schon allein deswegen, weil ein entstelltes Monstrum bei der Stadtgarde nicht gerade auf sonderlich viel Gegenliebe stößt und sie sich aufgemacht haben, dieser Gefahr ein jähes Ende zu bereiten. Dass ausgerechnet eine kleine gemein aussehende Hexe namens Mawda mit ihrem noch verstörender ausschauenden Knochenfreund auf dem buckligen  Rücken den einzigen Weg raus aus diesem Schlamassel kennt, verwundert angesichts dieser Umstände schon niemanden mehr. Also macht sich das zusammengewürfelte Gespannt auf den Weg zur vermeintlichen Rettung. Zu den titelgebenden Türmen von Pandora.

Vom Veganer zum Fleischliebhaber

Dass die kleine Hexe aber anscheinend nicht nur zur falschen Zeit am falschen Ort war, stellt sich schnell heraus, als sie dem mit der Situation überforderten Paar offenbart, das die einzige Möglichkeit Helena von diesem Fluch zu befreien ist, die in jedem der 12 Türme hausenden „Meister“ zu besiegen und Helena dessen Fleisch zum Verzehr anzubieten. Eine undenkbare Situation, schließlich ist die zarte Schönheit strikte Anhängerin der Lehren von Aios, welche es verbieten Fleisch zu verzehren. Doch was tut man nicht alles um zu verhindern, dass aus der geliebten Sängerin eine tentakelbesetzte Bestie wird. Also macht sich Aeron schnurstracks auf den Weg in die Türme, um besagte Köstlichkeiten pünktlich aufzutischen.

Das pünktliche Servieren des Hauptganges ist durchaus wörtlich zu verstehen, da Helena nicht viel Zeit bleibt bis die allmählich voranschreitende Mutation in einer erneuten Verwandlung gipfelt. Nur das es dieses Mal kein Zurück zur normalen Gestalt gibt. Also seid ihr von Anfang an einem harten aber durchaus fairen Zeitdruck ausgesetzt, den Boss eines jeden Turms zu finden und ihn um einen saftigen Brocken seinen Lenden zu erleichtern. Dass es diese hektische Aufgabe in sich hat, wird schon auf dem Weg zu den Türmen verdeutlicht, die über einem riesigen Krater an insgesamt 13 Ketten hängen, welche nicht nur für den Halt der Bauwerke sorgen, sondern auch die Erde davor bewahren, dass der Riss nicht immer größer wird.

Wer sich nun fragt, was es denn mit allen diesen Kuriositäten wie dem Stigma, den Türmen und den dazugehörigen Meistern, aber vor allen Dingen dem unappetitlichem Verzehr des rohes Glibberfleisches auf sich hat, der wird in den ersten Stunden des Spiels damit klarkommen müssen, mit mehr Fragezeichen konfrontiert zu werden, als Antworten auf diese Umstände. Zwar scheint Mawda und ihr knochiger Gefährte deutlich mehr zu wissen, als sie preisgeben wollen, wobei sie im Gesamten Abenteuer die wohl interessantesten Charaktere darstellen, doch lässt sich das Spiel tendenziell etwas mehr Zeit seine Geschichte zu entfalten. Doch sich darauf einzulassen ist durchaus sinnvoll, da ihr mit der Zeit zwar nur häppchenweise Hintergründe näher beleuchtet, diese sich aber bis zum großen Finale zu einem sehr spannenden Puzzle zusammenfügen. Immer wieder werdet ihr alte Aufzeichnungen finden, die euch näheres über die Umstände, welche zur Erschaffung der Türme bis hin zu den Meistern geführt haben, liefern. Man merkt Pandoras Tower schon zu Beginn an, dass es kein Pauken und Trompeten Rollenspiel sein möchte, sondern seine eigenen, eher ruhigeren, dafür zum Teil aber deutlich intensiveren Wege beschreitet. Trotz des wortkargen und gerade zum Anfang des Spiels sehr austauschbar wirkendem Protagonisten und der eher typisch unbeholfenen und schutzbedürftigen Helena, wachsen einem über die Zeit hinweg, gerade diese Beiden Charaktere ans Herz und man möchte ihnen helfen. Man möchte rechtzeitig zurück sein, um Helena das rettende Stück Eiweiß zu bringen und sie schlussendlich von dem Fluch befreien. Nicht zuletzt dadurch, dass in den nach jedem besiegten Boss gezeigten Zwischensequenzen, auch immer ein Teil der gemeinsamen Vergangenheit thematisiert wird.

Vom Ritter zum Turmsteiger

 

Um aber überhaupt erst einmal in der Lage zu sein, einem der Meister gegenüber zu treten, bedarf es langen und oft sehr steilen Anstiegen. Denn alle Obermotze verstecken sich in der höchsten Kammer eines jeden Turms. Doch bevor es auf direktem Weg zum großen Portal des Turms geht, gilt es die Ketten, welche den Weg zum begehrten Meisterfleisch verschließen zu sprengen. Das ist leichter gesagt als getan, denn jedes Bauwerk stellt eine Art Dungeon dar, dessen Hindernisse und Gefahren zu allererst bewältigt werden wollen. Wenn man es auf das Wesentliche herunterbricht, kann man Pandoras Tower sehr gut mit vielen Elementen der Zelda Spiele vergleichen, nur dass es außer jedem Verlies keine Außenareale zu erkunden gilt. In diesem Fall ist das aber gar nicht mal so schlimm, da jeder der 12 Türme einem entsprechenden Element gewidmet ist. Mal schlagt ihr euch durch Wälder ähnelnden Korridoren, versucht in einem mit Lava überfüllten Kesselraum euch in luftiger Höhe von Absatz zu Absatz zu hangeln oder versucht ein riesiges Wasserrad zum Laufen zu bringen, um neue Etage zu erklimmen.

Bei diesen Action-Adventure-Einlagen macht Pandoras Tower eine durchaus gute Figur. Zwar sind viele Rätsel auf die Betätigung von verschiedenen Schaltern spezialisiert, doch sind die Wege hin zu besagten Hebeln sehr abwechslungsreich. Ein Grund dafür sind die gerade im späteren Verlauf die zunehmende Verschachtelung der Verliese, aber auch die die unzähligen Kämpfe gegen unterschiedliche Gegner.

Vom Krieger zum Kettenschwinger

Auch wenn die Anzahl an verschiedenen Gegnern eher überschaubar bleibt, so warten doch viele mit speziellen Taktiken auf, um sie effektiv besiegen zu können. Ihr könnt natürlich versuchen mit eurem Schwert oder den weiteren, im Verlauf gefundenen Waffen auf eure Feinde einzuschlagen, doch macht sich ein Utensil was gleichzeitig das wichtigste in eurem Repertoire darstellt, besonders gut. Mit der langen Orakelkette ist es euch nicht nur möglich Feinde aus weiter Entfernung anzugreifen, sondern sie auch zu fesseln, aneinander oder anderen Gegenständen und mit einem aufladbaren Schlag euren Widersachern im Nu den Gar aus zu machen. Zwar ist die Kette eine nette und durchaus nützliche Erweiterung in den immer anspruchsvoller werdenden Auseinandersetzungen, gerade gegen mehrere Feinde auf einmal, doch während der Konfrontation eines Meisters sind sie unerlässlich.

Einer der Höhepunkte von Pandoras Tower stellen mit Sicherheit die Bosskämpfe dar, da sie nur mit einer speziellen Taktik und dem geschickten Einsatz eurer Kette zu meistern sind. Da muss ein Meister per Kette an eine Säule gebunden werden, um ihn vom heilenden Licht fern zu halten und anschließend mit dem Schwert zu traktieren oder ein anderer unter Zuhilfenahme der Kette mit Felsblöcken beworfen werden, um ihn für kurze Zeit zu paralysieren und auf seinen Rücken zu klettern. Doch die wohl wichtigste Aufgabe im Zusammenhang mit den Kämpfen, ist die Möglichkeit, nicht nur den Meistern, sondern auch anderen Feinden per Kette von ihrem Fleisch zu trennen. Da ihr permanent unter Zeitdruck steht, und Helena Fleisch bringen müsst, seid ihr praktisch gezwungen immer wieder in Kämpfen Feindes das Fleisch zu entreißen und es Helena rechtzeitig zu bringen. Wie viel Zeit euch dazu noch bleibt, verdeutlicht eine Anzeige in der unteren linken Ecke. Doch rauft euch nicht die Haare, bei dem Wort Zeitdruck. Der Counter ist durchaus fair gesetzt und auch wenn ihr somit des Öfteren zum Backtracking gezwungen seid, was mitunter etwas nerven kann, belohnt euch das Spiel immer mal wieder mit aufschlussreichen Gesprächen oder übersetzten Texten zu den Hintergründen der Charaktere und Handlung. Ein wirkliches Ärgernis, gerade wenn es um die Kämpfe oder gut getimten Aktionen geht, ist die mitunter störrische Kamera. Da ihr sie nie beeinflussen könnt, kann es durchaus vorkommen, dass ihr Feinde aus den Augen verliert und verheerende Attacken nicht kommen seht, oder einen Sprung zur vollkommen falschen Zeit angeht, weil ihr die nächste Ecke nicht richtig einsehen könnt. Zudem kann euch auch die Steuerung einen Strich durch die Rechnung machen, da es keine Lock-On Funktion gibt und Schläge gern mal ins Leere fallen oder aber Kettenaktionen auch mit Wiimote-Steuerung öfters mal nicht präzise genug ausgeführt werden können. Wir können generell empfehlen auf die Steuerung via Classic-Controller zurück zu greifen, da ihr somit nicht den ständigen Ruckbewegungen mit der Wiimote beim Entreißen des Fleisches ausgeliefert seid.

Vom Kämpfer zum Sammler

Natürlich wäre Pandoras Tower kein Rollenspiel, wenn es kein Erfahrungspunktesystem gäbe. Doch dieses fällt eher bescheiden aus. Zwar erhaltet ihr für jeden besiegten Gegner Erfahrung und steigt somit im Level auf, doch habt ihr keinen Einfluss auf die Verteilung der Statuswerte. Generell spielt das Aufleveln eures Charakters nur eine untergeordnete Rolle, da es in den Konfrontationen vorrangig darum geht, geschickt eure Angriffe einzusetzen und im richtigen Augenblick die Kette fliegen zu lassen oder auszuweichen. Die Orakloskette dient aber nicht allein zum Kampf und chirurgischen Eingriffen, sondern erfüllt eine prima Aufgabe beim Lösen von Rätseln oder Sammeln von Gegenständen. Ganz in Zelda-Manier könnt ihr die Kette als Enterhaken verwenden und euch an entfernte Orte ziehen, müsst mit ihr weit entferte Schalter umlegen oder werft Steine mit gezielten Aktionen in steile Wände, um euch später daran hochziehen zu können. Von den mit Hilfe der Kette zu sammelnden Gegenständen gibt es hingegen ein umfangreiches Angebot. Die Palette reicht von einfachen Heilitems über Bomben oder Gifte bis hin zu verschiedensten Herstellmaterialien. Vielen der Gegenstände, welche ihr von erlegten Feindes erhaltet, auf dem Weg findet oder per Kette aus weit entfernten Nischen ergattert, können dazu eingesetzt werden bei Mawda neue und vor allen Dingen bessere Gegenstände herzustellen. So bastelt ihr euch nach und nach immer bessere Ausrüstung, nützliche Accessoires oder stärkere Heilmittel. An unterschiedlichen Möglichkeiten der Kombination von solchen Gegenständen mangelt es jedenfalls nicht und wenn ihr sogar ein paar Materialien oder etwas Gold übrig habt, könnt ihr bei Mawda Geschenke für Helena basteln oder erwerben. Diese verbessern langfristig die Beziehung zu eurer Angebeteten was euch als Ergebnis nützliche und seltene Items  als Belohnung beschert.

Vom Spielspaß zum Flimmerkasten

Auch wenn die Hardware der Wii bekannter Maßen schon als etwas betagt gilt, konnte nicht zuletzt Xenoblade eindrucksvoll beweisen, was mit etwas Entwicklergeschick noch aus dem weißen Kasten heraus zu zaubern ist. Zwar kann auch Pandoras Tower mit durchaus imposanten Bildern aufwarten, gerade beim Anblick der riesigen Türme, welche an gigantischen Ketten über einer überdimensionalen Schlucht hängen, doch stört das das mitunter extreme Kantenflimmern und die mitunter sehr detailarmen Texturen den Gesamteindruck. Wenn nicht gerade die imposante Architektur der Türme einen gefangen nimmt, kann es durchaus vorkommen, dass man sich an Zeiten der guten alten Playstation 2 zurückerinnert fühlt. Überraschen tut es uns hingegen nicht sonderlich, galten doch auch die Umsetzungen zu One Piece nicht gerade als Grafikdemo, welche stellvertretend für die Leistung der Wii steht. Schade, das haben wir leider schon deutlich besser gesehen. Immerhin macht der hervorragende Sound und die über weite Strecken überzeugende englische Sprachausgabe eine gute Figur.

Dustin Gerstenberger-Zange

... ist seit Februar 2011 freier Redakteur bei Spieletester.com. Er liebt Nintendo-Produkte und besitzt auch privat eine Wii U sowie einen 3DS. Vor allem Donkey Kong, Kirby und Co haben es ihm so richtig angetan.


Pandora’s Tower (Wii)

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