Warhammer 40.000: Dawn of War III

Warhammer 40.000: Dawn of War III – Interview mit Caro Mastretta

  • Adam Smieja
  • 06/03/2017
  • 0

Während eines Events in London hatte ich die Möglichkeit, die Game Designerin von Warhammer 40.000: Dawn of War III zu sprechen. Dabei reden wir über die Progression der Helden und des Spielers sowie den Mehrspieler-Modus.

Spieletester.com: Bisher gibt es nur sehr wenige Informationen zur Progression im Singleplayer-Modus des Spiels. Wie werden Spieler und deren Einheiten mächtiger innerhalb der Kampagne?

Warhammer 40.000: Dawn of War III

Game Designerin bei Relic Entertainment: Caro Mastretta
Foto: Adam Smieja

Caro Mastretta: Wir haben uns sehr viele Gedanken um die Progression der Spieler in der Kampagne gemacht. Im Rahmen der Kampagne gibt es verschiedene Strategien freizuschalten. Um ein Beispiel zu nennen: Vor einer Mission kannst du aus verschiedenen Loadouts wählen bzw. diese auch selbst bestimmen. Dieser Loadout besteht aus Elite-Einheiten Armee-Doktrinen. Erstere haben darüber hinaus noch eine eigene Doktrin.

Und so gibt es zwei Ebenen in der Entwicklung des Spielers: 1.) Als Spieler spielst du die Kampagne und/oder den Mehrspieler-Modus und bekommst du die Ressource im Spiel. Damit kannst du dir wiederum neue Armee-Doktrinen und Elite-Einheiten kaufen. Dadurch erweiterst du auch zugleich die Menge an Strategien.

Auf der zweiten Ebene stehen die Elite-Einheiten. Wenn du also Spiele mit deinen Elite-Einheiten machst – egal ob Kampagne oder Mehrspieler – so bekommen sie Erfahrung. Mit jedem Level schaltest du dann verschiedene Boni frei, die aber keinerlei Power-Upgrades darstellen. Stattdessen bieten sie einfach nur Abwechslung in Form von Skins oder andere Doktrinen, die sie per se nicht mächtiger machen, sondern lediglich andere Effekte auf die Armee besitzen. Dadurch können wir eine zusätzliche spielerische Ebene schaffen, wodurch Spieler mehr taktische Freiheiten besitzen.

Ein Beispiel: Gabriel von den Space Marines schaltet auf Level 3 einen besonderen Drop-Pot frei, mit dem er Einheiten beim Aufschlag auch heilen kann.

Warhammer 40.000: Dawn of War III

Spieletester.com: Du bist Game Designerin, aber vielleicht kannst du ja die Frage zur Geschichte klären: Können wir mehr Infos zu den Blood Ravens erwarten? Diese sind ja neuerdings Kanon im 40K-Universum.

Caro Mastretta: [Lacht] Gut getroffen. Ja, es wir haben einige Neuheiten zu den Blood Raven, weil sie auch zu unserer Spezialität gehören. Schließlich gehört ihre Geschichte zu den Dingen, die wir erschaffen haben. Inwiefern wir sie integrieren, kann ich dir aber leider noch nicht sagen. Sorry. Aber so viel darf ich sagen: In der Kampagne der Space Marines spielen sie eine Rolle.

Spieletester.com: Spielen wir in der Singleplayer-Kampagne nur die Space Marines oder dürfen wir uns auch mit den Eldar und den Orks auseinandersetzen?

Antwort: Im Rahmen der Kampagne sind alle drei Rassen spielbar. Im Rahmen der Geschichte kommen die drei Armeen zusammen und kämpfen gemeinsam für ein Ziel. Dabei erzählen wir die Geschichte aus der Sicht jeder der drei Fraktionen und klären deren Motive und Sorgen. Zudem ist der Wechsel zwischen den Fraktionen von der Mission abhängig. Als Beispiel: In Mission 1 übernimmst du vielleicht noch die Kontrolle der Space Marines. In Mission 2 hingegen kommandierst du die Orks oder Eldar.

Spieletester.com: Inzwischen sind stolze 10 Jahre seit dem letzten Ableger vergangen. Fünf, wenn man das letzte Addon zählt. Wie wollt ihr erreichen, dass die Spieler weiterhin ein Interesse an der Reihe haben und nicht zur superschnellen und actionreichen Konkurrenz wechseln?

Caro Mastretta: Wir haben uns ganz schön viel Zeit gelassen, nicht wahr? [lacht] Wir lieben unsere Franchise und hüten sie sehr sorgsam. Was die Spieler also erwarten können: Wir haben uns genau angeschaut, was Dawn of War in erster Linie zu dem gemacht hat, wofür es bekannt war und ist. In Dawn of War 1 haben wir beispielsweise den Basenbau zurückgebracht und die Möglichkeit, große Armeen zu erschaffen. In Dawn of War 2 drehte sich alles um die Helden, was von vielen Spielern und auch von uns mit Begeisterung aufgenommen wurde. Und genau diese beiden Elemente verbinden wir in Warhammer 40.000: Dawn of War III.

Warhammer 40.000: Dawn of War III

Doch das hat uns nicht gereicht. Wir wollen eine einzigartige und etwas andere Spielerfahrung erschaffen. Deswegen haben wir uns Wege überlegt, wie wir es schaffen können, dass diese zwei Elemente nicht einfach nur separat für sich stehen, sondern in Einklang miteinander harmonieren. Wir wollen, dass Warhammer 40.000: Dawn of War III eine Symphonie des Krieges ist, in der man als Spieler das Kommando über eine riesige Armee hat.

Spieletester.com: Ich habe vor dem Interview bereits erste Erfahrungen mit Halo Wars 2 gemacht. Und mehr als je zuvor fiel es mir auf: Das RTS-Genre hat sich echt kaum verändert im Vergleich zu früher. Das Problem habt ihr auch sicherlich bei der Entwicklung gehabt, oder?

Caro Mastretta: Zum Teil, ja. Ich gebe dir definitiv Recht, wenn es um den Kern von RTS geht. Wir steuern schließlich stets eine vorgegebene Menge an Einheiten aus einer Draufsicht. Ich denke, dass sich das Genre im Detail durchaus entwickelt hat und es auch nach wie vor tut. Als Beispiel möchte ich einfach auf die Möglichkeiten eingehen, die Spieler heutzutage mit einzelnen Einheiten haben, die es früher nicht gab. Auch Synergieeffekte zwischen Truppen oder Spielerfähigkeiten.

Etwas, was für uns in Dawn of War III wichtig ist: Wie interagieren Spieler mit den befreundeten Truppen eines Mitspielers? Ihr seid in 2vs2 oder 3vs3 schließlich nicht alleine und könnt euch auf den anderen hoffentlich verlassen. Der Mehrspieler-Modus ist auf Zusammenarbeit ausgelegt.

Doch am Ende denke ich, dass du schon recht hast. Vieles im RTS-Genre basiert auf Erwartungen von Spielern und was diese unbedingt sehen wollen. Und das schränkt an der einen oder anderen Stelle durchaus ein. Aber trotzdem schrecken wir nicht davor zurück, diese Erwartungen zu erfüllen oder gar eigene Ideen einzubringen, die das bekannte Gerüst durchbrechen. Wir wollen das Genre nämlich weiterbringen.

Warhammer 40.000: Dawn of War III

Spieletester.com: Verglichen mit Starcraft II und vor allem Legacy of the Void fühlt sich Dawn of War III ziemlich langsam an. Ist es nicht eine Bürde, gegen so pfeilschnelle Titel antreten zu müssen?

Caro Mastretta: Ich weiß ganz genau was du meinst, aber ich denke, dass der Ansatz nicht der Richtige ist. Für uns ist es wichtig, dass die Spieler zu jeder Zeit alle benötigten Informationen erhalten, um ihre Strategie auszuspielen. Wir wollen, dass die Spieler stets im Bilde gehalten werden. Dennoch: Dawn of War III kann schon mit anderen, flotten Mehrspieler-RTS-Spielen mithalten, wenn man denn seine Strategie darauf auslegt. Es kommt darauf an, wie man Schnelligkeit in einem RTS misst. Wenn es nur das Aufstellen von Gebäuden oder Einheiten betrifft, dann stehen wir anderen Spielen in nichts nach.

Doch das ist für uns gar nicht mal so wichtig. Vielmehr kommt es darauf an, wie die Spieler die Map zu ihren Gunsten ausnutzen oder wie die Spieler ihre Ressourcen dazu nutzen, die Armee weiterzubringen und über sich selbst hinauswachsen zu lassen. Und an der Spitze des Eisberges wartet dann die Geduld und das Können, alle Einheiten so clever zu nutzen, um die feindlichen Truppen optimal und mit viel Mikromanagement zu besiegen.

Ein Beispiel dazu. Wenn du eine Schar von Assault Space Marines hast, dann willst du natürlich, dass sie am Gegner dran sind, weil sie sehr mächtig im Nahkampf agieren. Doch was ist, wenn der Weg dorthin zu lang ist? Dann nutzt du ihre Sprung-Fähigkeit, um an entfernte Ziele ranzukommen. Es sind also solche Entscheidungen, die sofort getroffen werden müssen, weil sie im Zweifel einen Truppenverband auslöschen können.

Spieletester.com: Ich habe ja zuvor einige Partien im Mehrspieler-Modus gespielt. Dabei fiel mir auf: Wenn ich eine Elite-Einheit verloren habe, dann hatte das einen richtig großen Einfluss auf den Spielverlauf. Ich fühlte mich zum Teil sehr hilflos. Welche Catch-up-Mechaniken verwendet ihr, damit eine Partie nicht sofort als verloren gilt, wenn ein Elite draufgeht?

Warhammer 40.000: Dawn of War IIICaro Mastretta: Wir haben mehrere Systeme, die zusammenwirken, damit Spieler nicht den Eindruck eines ‚dead man walking‘ erhalten, in dem sie das Spiel wegen eines kleinen Fehlers zu Beginn sofort beenden können, weil sie keine Möglichkeit mehr haben, zurückzukommen. Wir achten hier sehr stark auf eine gute Balance, damit der Gewinner einer Schlacht nicht das Gefühl bekommt, der Sieg wäre fruchtlos gewesen.

Elite-Einheiten sind dazu gemacht, einen wesentlichen Einfluss auf den Kampf zu nehmen. Dafür aber ist ihr Cooldown ziemlich groß, wenn sie sterben. Zudem erhöht sich der Cooldown einer Elite-Einheit, wenn diese erneut stirbt.

Ein anderes System hilft bei der Ökonomie des Spiels. Wenn du deine Armee in einer frühen Phase „Escalation“des Spiels verloren hast, dann bekommst du einen Großteil der verbrauchten Ressourcen zurück. Damit kannst du dir wieder eine Armee errichten, die sich verteidigen kann. Je länger das Spiel andauert und je weiter die Phasen gehen, desto geringer ist die Rückerstattung bis sie schlussendlich 0 Prozent beträgt. Eine „Escalation“-Phase dauert zehn Minuten. Um die fehlende Rückerstattung aber wieder aufzufangen, gibt es Ressource-Points, mit denen unter anderem die Superwaffe oder eben auch Elite-Einheiten verwenden lassen.

Spieletester.com: Wie erschafft ihr eigentlich die Missionen für Warhammer 40.000: Dawn of War III?

Warhammer 40.000: Dawn of War IIICaro Mastretta: Ich selbst bin zwar nicht im Mission Designer-Team, aber ich weiß, wie die Jungs das angehen. Sie haben ein narratives Ziel und sie fragen sich: ‚Wie wollen wir dieses anhand von Gameplay erzählen? Wie sollen die Helden und Einheiten herausgefordert werden?‘ Auf Basis dessen erstellen sie dann die Missionsziele. Anschließend gibt es einen ersten Draft der Mission, die in einer sogenannten „Whitebox“ entsteht, wo die Map in einer sehr rauen Art dargestellt wird.

In unserem 15 Mann/Frau großen Team spielen wir jeden Dienstag die Missionen, die uns gegeben werden. Dabei handelt es sich um Prototypen genauso wie bereits Missionen, die fertig und bereit für das finale Spiel sind. Wir geben den zuständigen Teams dann das Feedback, die das umsetzen. Und zum Schluss geht das Ganze an unser hochtalentiertes Art Team, die dann die herausragenden Karten erstellen.

Spieletester.com: Wo du gerade über interne Tests gesprochen hast. Wie geht ihr eigentlich Tests mit Spielern an, die sich eben nicht auskennen mit dem RTS-Genre?

Caro Mastretta: Das ist ein in der Tat sehr interessanter Prozess für uns. Es ist für echte Newbies ein Paradigmen-Wechsel sondergleichen. Wenn du beispielsweise Dawn of War jemandem zeigst, der nur Shooter spielt, dann muss er sich zuerst daran gewöhnen, das Geschehen von oben zu erleben und nicht mehr aus der Ich-Perspektive oder hinter der Schulter eines Protagonisten. Und dann kommen Fragen wie ‚Ich kommandiere nicht eine Einheit? Hunderte? Was?‘ – Es ist definitiv herausfordernd für uns, auch solchen Spielern einen Zugang zu verschaffen.

Genau deswegen setzen wir, wie vorhin bereits gesagt, auf eine sehr gute Übersichtlichkeit und geben den Spielern die richtigen Informationen zur richtigen Zeit. Außerdem haben wir viele aussagekräftige Tutorials erstellt, damit Neueinsteiger nicht im Stich gelassen werden. Dort lernen sie die Grundzüge eines RTS und lernen bereits erste Kniffe mit unseren Einheiten.

Für uns ist es sehr wichtig, dass die Spieler nicht das Gefühl bekommen, dass RTS so komplex und schwierig sind, dass sie dieses Genre nie anfassen wollen. Gleichzeitig aber ist Dawn of War III nicht leicht, aber wir tun unser Bestes, um auch Genre-fremden Spielern einen sanften Einstieg zu ermöglichen. Am Ende sollen es einfach alle genießen können.

Spieletester.com: Wie steht es um Post-Launch-DLC? Dawn of War II hatte beispielsweise neue Rassen in seinen DLCs. Können wir etwas ähnliches für Dawn of War III erwarten?

Caro Mastretta: Wir haben noch keine Informationen zu den Inhalten nach Launch. Aber ich kann ein klein Wenig aus dem Nähkästchen plaudern. Du hast ja unsere Demo bereits gespielt und gesehen, dass es noch freie Slots bei der Auswahl an Elite-Einheiten gibt. Und genau da setzen unsere Post-Launch-DLCs an – es wird mehr Elite-Einheiten geben.

Und ich kann mir die nächste Frage schon denken, daher beantworte ich sie gleich mit: Diese Einheiten lassen sich mithilfe der Ingame-Währung „Skulls“ freischalten. Neben neuen Elite-Einheiten planen wir auch weitere Doktrinen und Skins für diese.

Warhammer 40.000: Dawn of War III

Spieletester.com: Da hast du meine nächste Frage ja scharfsinnig antizipiert! Es gibt also keine Mikrotransaktionen im Spiel?

Caro Mastretta: [lacht] Jaein. Skulls gibt es nicht für echtes Geld. Diese Währung lässt sich nur mit Zeit im Spiel selbst erhalten. Für Mehrspieler-Partien oder die Kampagne. Wir wollen mit Pay-to-Win überhaupt nichts zu tun haben, deswegen verzichten wir auf derlei Mikrotransaktionen.

Was man sich aber kaufen kann, sind verschiedene Skins.

Spieletester.com: Zum Schluss die vielleicht wichtigste Frage: Wird es eine Beta geben?

Caro Mastretta: Dazu kann ich dir leider noch keine konkrete Aussage geben. So viel kann ich verraten: Dazu gibt es in Kürze mehr Informationen!

Adam Smieja

... ist Chefredakteur bei Spieletester.com und seit der Gründung 2003 mit dabei. Am liebsten spielt er Strategiespiele wie StarCraft II oder Rollenspiele.
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