Get Even

Get Even (PS4) Vorschau

  • Adam Smieja
  • 15/02/2017
  • 0

Get Even ist verwirrend und irgendwie doch spannend zugleich. Was zum Teufel geht hier vor und warum kann sich Cole Black, der Protagonist des Spiels, an nichts so richtig erinnern? Was zum Geier hat das am Stuhl gefesselte Mädchen mit alledem zu tun? Und eine Bombe gibt’s da auch noch? Okay, okay. Der Reihe nach … oder so.

Ich konnte Get Even gleich von Beginn an zocken. Cole Black befindet sich auf einer Mission. Er muss ein Mädchen finden und befreien. Dabei greift er auf diverse Gadgets zurück. Einerseits hat er sein Multifunktions-Handy, mit dem er Dinge scannen und von einer KI analysieren lassen kann. Damit lassen sich etwaige DNA-Spuren ausfindig machen, die Personen identifizieren. Zudem besitzt das Handy einen Wärme-Sensor und UV-A (Schwarzlicht), um Blutspuren zu erkennen. Vier Anzeigen am linken Display (das Handy wird waagerecht gehalten) weisen darauf hin, wie nah ihr euch an einem interessanten Objekt befindet. Und wenn euch nun Flashbacks an Outlast kommen: Ja, Get Even hat sichtlich viele Gemeinsamkeiten. Doch der Titel befindet sich seit vielen Jahren in Entwicklung und wurde bereits 2014 angekündigt. Kurzum: Es ist reiner Zufall, dass es solche Überschneidungen gibt.

Get Even

Get Even – Durch die Zeit und Erinnerungen

Schon recht früh stellte ich mir die Frage: Was ist eigentlich das Alleinstellungsmerkmal von Get Even? Denn es bedient sich so vieler Konzepte, das es teilweise sehr inkohärent anfühlt. Der Outlast-Vergleich ist nicht einmal alles. Das Spiel von The Farm 51 besitzt auch Ansätze von „Murdered: Soul Suspect“ oder Life is Strange oder Black oder, oder, oder. Und wie das alles irgendwie zusammenpasst, ist mir auch nach der rund einen Stunde an Spielzeit noch schleierhaft. Macht es Spaß, die Örtlichkeiten zu erkunden und mehr zur Story zu erfahren? Auf jeden Fall.

Get EvenDas große Problem ist, dass ich dem Spiel keine eigene Identität zuweisen kann. Ist das Absicht? Wenn ja, dann herzlichen Glückwunsch. Der Mindfuck ist ein voller Erfolg. Vielleicht ist es aber auch nur der Anfang, der so unglaublich wirr wirkt. Um euch ein Bisschen an Perspektive zu geben. Zu Beginn des Spiels sucht ihr nach besagtem Mädchen, findet sie und die Bombe geht hoch, weil ihr den Code nicht kennt. Und direkt danach wacht Black irgendwo vor einer Anstalt auf. Dort muss er reingehen, weil ihm das irgendein Typ namens „Red“ so sagt. Okay, bro.

Dort drin atmet er irgendwann mal Schlafgas ein, weil er Red auf den Leim gegangen ist. Nachdem Black aufwacht, hat er eine VR-Maske an, mit der er später zu Erinnerungen aus der Vergangenheit (?) reisen kann. Zudem, ähnlich wie in Life is Strange, kann er über Fotos in alte Erinnerungen hineintauchen und dort den Ausgang verändern.

Wie all das zusammenspielt? Ich habe keine Ahnung. Der anwesende Entwickler wollte natürlich nicht verraten, wie all das ineinandergreift, weil – und ich zitiere – „das den wichtigsten Plottwist des Spiels vorwegnehmen würde“.

Get Even – Solide Shooter-Mechanik

Neben dem Erkunden und Herausfinden neuer Details ist Get Even auch ein Shooter. Doch die Anteile an Geballer scheinen recht gering zu sein, da die Entwickler vielmehr auf einen Psycho-Thriller abzielen. Dabei soll das Geschehen von den angespannten Momenten und Jumpscares getragen werden.

Get EvenNichtsdestoweniger sind die Gefechte ganz nett gemacht. Allen voran die Gadgets, die zur Verfügung stehen, machen Laune. Neben einer schallgedämpften Pistole hatte ich auch ein dickes Maschinengewehr im Gepäck, das ich mit einem „um die Ecke“-Ansatz modifizieren konnte. Und wie der Name verrät, lässt es sich damit eben um Ecken gucken. Ausgestattet mit einer Kamera sehe ich praktischerweise auch meine Gegner über die Wärmebildkamera. Leider aber hat die Bildrate extrem gelitten, wenn ich um die Ecke geblickt habe. Da es sich hierbei noch um eine frühe Version handelt, sollte das bis zum Release gefixt werden.

Neben den Shootouts und der Erkundung bietet der Titel auch mehrere Ansätze zur Lösung einige Aufgaben. In der Anstalt etwa stehen mir gleich mehrere Wege zur Auswahl, um eine verschlossene Tür zu öffnen. Red sagt, ich solle mir Zeit lassen und alle Möglichkeiten in Betracht ziehen. Wenn ich das Schloss einfach aufschieße, mokiert er meine Brutalität und zeigt sich überrascht, dass ich wenig kognitiven Geist hätte. Ob und inwiefern diese Entscheidungen einen Einfluss auf den Spielverlauf haben, lässt sich schwer sagen. Optisch ist Get Even eher mittelprächtig, wo hingegen der Sound maßgeblich zur Stimmung beiträgt.


Ersteindruck:

Nach rund einer Stunde mit Get Even weiß ich noch immer nicht, woran ich wirklich bin. Will es wirklich so verwirrend sein? Warum versucht es so ungemein viele Ideen zu verwursten? Und vor allem: Wieso muss Cole in jedem zweiten Satz einen Kraftausdruck benutzen? Irgendwann fängt es auch an zu nerven.

Nichtsdestoweniger sehe ich sehr viel Potenzial in Get Even. Wenn nämlich die Rechnung am Ende aufgeht und der Mindfuck der Entwickler genauso beabsichtigt ist, das Endergebnis also ein kohärentes Spiel ergibt, dann gratuliere ich zu einem Meisterwerk. Ich bin nämlich der letzte, der solche Ideen sofort ad acta legt. Filme wie Inception, Shutter Island und Co. sind nicht umsonst so berühmt. Vielleicht gehört ja Get Even im Spielesektor bald auch dazu.

Adam Smieja

... ist Chefredakteur bei Spieletester.com und seit der Gründung 2003 mit dabei. Am liebsten spielt er Strategiespiele wie StarCraft II oder Rollenspiele.

Get Even (Adam Smieja)

Will es wirklich so verwirrend sein? Wenn die Rechnung am Ende aufgeht und der Mindfuck der Entwickler genauso beabsichtigt ist, das Endergebnis also ein kohärentes Spiel ergibt, dann gratuliere ich zu einem Meisterwerk.
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