Nachdem mit Expeditions: Conquistador die Eroberung Amerikas durch Europa abgehandelt wurde, wagt sich das dänische Studio Logi Artists mit Expeditions: Viking an eine etwas ältere Epoche heran: Die Wikinger. Wieder im Mix aus Strategie und Rollenspiel gehalten führt euch Expeditions: Vikings in die barbarische und harte Zeit der Wikinger, lässt euch selbst Teil eines Stammes werden und versucht einige Fehler der Vorgängers auszumerzen. Der Fokus auf den Rollenspiel-Teil wurde verstärkt, das Kampfsystem angepasst. Wir haben das Spiel in einer frühen Version angespielt und verraten euch, was wir davon halten.

Expeditions: Viking – Eine schwere Bürde

Expeditions: Viking geht gleich in die Vollen. Der Anführer eures Clans ist gestorben und nun braucht das Dorf eine neue Führung. Wie könnte es anders sein, natürlich übernehmt ihr diesen Posten! Als Sohn der einzigen Tochter des Anführers seid ihr zwar rechtmäßiger Erbe seines Posten, aber auch sehr jung. Und die Nachfolge betrachten einigen Dorfbewohnern mit Argwohn. So brechen auch direkt nach der Bestattung die ersten Machtkämpfe aus, in denen wir uns erproben dürfen. Doch Expeditions: Viking wäre kein Rollenspiel, wenn es nicht erst einmal die Charaktererstellung gäbe.

Expeditions: Viking

Wie gewohnt wählen wir Geschlecht und Aussehen und machen uns dann ans Eingemachte, die Charakter-Werte. Das Besondere: Ihr dürft keine Klasse für euren Helden wählen. Stattdessen verteilt ihr spärlich verfügbare Punkte auf Attribute wie Angriff (Axt, Schild, Speer), Offensiv (Beidhändigkeit etc.), Unterstützung (Heilen, Diplomatie) oder Nützlichkeit (Beispielsweise Camping-Fähigkeiten). Je nachdem wie ihr die Punkte verteilt, ergibt sich natürlich eine Spezialisierung, die das Spiel mit einem kurzen Text über euren zukünftigen Helden quittiert. Ist die Arbeit einmal geschafft, geht es dann auch wirklich los.

Expeditions: Viking – Vom Regen in die Traufe

Expeditions: VikingAls wären die Machtkämpfe zuhause nicht schon Stress genug, müsst ihr euch auch direkt gegen richtige Feinde behaupten. Die fiesen Norweger überfallen euch und greifen das Dorf gleich von zwei Seiten aus an. Ihr stellt euer Team zusammen (Was je nach Ausgang der anfänglichen Kämpfe schon individuell sein kann) und stellt euch den Angreifern an Nord- oder Südseite des Lagers. Hierbei fällt direkt der Wechsel von Echtzeit zu Rundenstrategie auf. Solange kein Kampf stattfindet, bewegt ihr euch in Echtzeit über die Karte und seid frei in eurem Bewegungsradius. Findet ein Feindkontakt statt, wechselt das Spiel automatisch in den Hexfeld-Rundenmodus, ohne die Karte zu ändern.

Einmal im Kampfmodus könnt ihr nicht mehr speichern und müsst den Kampf durchstehen. Das ist vor allem deswegen hart, weil gestorbene Kämpfer nicht zurückkommen können. Genretypisch habt ihr zwei Aktionspunkte pro Charakter pro Zug, könnt also beispielsweise Laufen und Angreifen (Die häufigste Kombination), zweimal Laufen (für große Distanzen) oder zweimal angreifen (Selten, meist nur per Fähigkeit). Zusätzlich unterstützt euch ein bekanntes Deckungssystem mit voller und halber Deckung gegen gegnerische Angriffe. Neben den gewöhnlichen Angriffen könnt ihr auch Spezialfertigkeiten einsetzen. Diese Fertigkeiten wie beispielsweise ein Doppelschuss für Fernkämpfer oder Heilfähigkeiten haben keine Abklingzeit, sondern eine maximale Nutzungsanzahl pro Kampf. So müsst ihr genau abwägen wann es sich lohnt gewisse Fähigkeiten einzusetzen.

Expeditions: Viking – Eine träge Maschine

Expeditions: VikingDie Erstellung des Charakters ging gut von der Hand und die ersten Kämpfe laufen flüssig ab. Dennoch stockt Expeditions: Viking immer wieder und lässt mich innehalten. Grund dafür ist die langsame Präsentation – nicht nur in den Kämpfen – die das Spiel keine Fahrt aufnehmen lässt. Mal verflogt die Kamera jeden einzelnen Pfeil, auch wenn er zehn Meter neben dem Gegner vorbeifliegt, mal verfolge ich langweilige Dialoge ohne viel Anteilnahme. Das Grundgerüst des Spiels wirkt stabil, aber am Anstrich und der Präsentation braucht es noch etwas Feinarbeit.


Ersteindruck:

Philipp Kleidt Expeditions: VikingExpeditions: Viking ist für Freunde des Vorgängers sicherlich gefundenes Fressen. Damit aber auch andere Spieler und vielleicht sogar Genre-fremde einen Blick riskieren muss noch einiges getan werden. Das Kampf- und Charakter-System scheint mir soweit in Ordnung, aber was die Präsentation und Handlung angeht muss noch gekurbelt werden. Gerade ein solches Spiel lebt auch von der Geschichte und den Charakteren. Zugegebenermaßen ist bei einer solch frühen Version kein abschließender Eindruck möglich, deswegen belasse ich es bei einer positiven Grundeinschätzung und der Hoffnung auf eine ordentliche Vollendung des Projekts.

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