Sacred 3
Adam Smieja
Die wichtigste Frage zuerst: Wer kam eigentlich auf die Idee dieses Spiel „Sacred 3“ zu nennen? Es hat nämlich so gar nichts damit zu tun. Ihr kennt Sacred 1 und 2? Erwartet einen ordentlichen Nachfolger? Dann könnt ihr auch gleich Gauntlet spielen gehen, denn Sacred 3 hätte Deep Silver auch gleich in Gauntlet 2014 umbenennen können. Und trotz all der Kritik: So übel ist Sacred 3 gar nicht mal. Zwar lange nicht perfekt, aber für eine kurze Session zwischendurch durchaus brauchbar.
Die Storyline ist alles andere als gut. Oder sie wird einfach nur miserabel in Szene gesetzt. Die göttlichen Wesen müssen sich mal wieder einer Armee von Typen annehmen, die irgendwelche Städte in Schutt und Asche legen wollen. Warum ich nach fünf Minuten nicht mehr zuhören wollte? Das liegt an der schrecklichen deutschen Vertonung. Die „Erzählerin“ des Spiels, Aria, die zudem über telepathische Fähigkeiten verfügt und ständig zu euch spricht, wird euch nach wenigen Minuten mit ihrem extrem trockenen Humor nerven. Vier von fünf „Witzen“ gehen dabei ins Leere und lassen mich die flache Hand vors Gesicht schlagen, während sie gelegentlich einen zur Situation passenden Spruch liefert. Der Bösewicht ist so einer, der ständig „Ich bin zwar verletzt, aber ich schick mehr Männer auf dich“ ruft. Von Situationskomik kann hier freilich nicht die Rede sein.
Den Vogel schießen aber letztlich die Schutzgeister ab, die ihr im Laufe des Spiels quasi freischaltet und die euch verschiedene Boosts geben. Mal sind spezielle Attacken gefährlicher, ein anderer verstärkt eure Heiltränke – und so weiter. Keine großartige Besonderheit. Der Kampfmagier kennt nur irgendwelche versauten Sprüche, die Fee entpuppt sich extrem blutrünstig und ein anderer Schutzgeist hält sich für den R’n’B-Gott schlechthin. Au weia.
Lineare Metzelei mit allerlei Balance-Problemen
Wie bei den meisten Action-RPGs dürft ihr auch in Sacred 3 eine von vier verschiedenen Klassen wählen. Zur Wahl stehen euch dabei die üblichen Verdächtigen von Magier über Schwertkämpfer bis hin zum Jäger-ähnlichen Charakter. Der Fokus liegt dabei auf dem kooperativen Spiel und dem Zusammenwirken der verschiedenen Fähigkeiten. PC-Spieler genießen den Vorteil, dass jeder Spieler seinen eigenen Bildschirm besitzt und ihr euch damit auf dem begrenzten Areal frei herumbewegen könnt. Grundsätzlich: Sacred 3 ist strikt linear. Keine Abzweigungen und nur sehr, sehr selten gibt es kleinere Geheimnisse zu entdecken.
Der gespielte Review-Build des Spiels hatte noch mit extremen Balance-Problemen zu kämpfen, denn schon in einem Team von zwei Spielern waren die Gegnermassen selbst auf dem höchsten Schwierigkeitsgrad überhaupt kein Problem. Doch damit nicht genug, selbst alleine stellen euch die Feinde vor keine wirkliche Herausforderung – vorausgesetzt, ihr frischt eure Heiltränke vor jeder Mission auf und begebt euch nicht unbedingt in Stages, die zwei bis drei Level über dem euren sind. Es ist schnell zu bemerken, dass sich Sacred 3 im Gegensatz zu Diablo III überhaupt nicht an die Anzahl der Spieler anpasst. Immerhin: Sobald ihr den Titel ein Mal durchgespielt habt, könnt ihr einen noch höheren Schwierigkeitsgrad auswählen, in dem sich die Gegner eurem Level anpassen. Dadurch wird die Wiederbelebung von Koop-Freunden zum mitunter wichtigsten Feature.
Taktik? Nun, die braucht ihr allerhöchstens im „New Game+“, ansonsten aber wisst ihr nach den ersten Missionen, wie der Hase läuft. Die großen Gegner mit ihren besonderen Schildern macht ihr am besten zuerst, kontert dabei weitere Feinde locker aus und fegt sie dann mit euren Flächenzaubern bzw. Flächenangriffen weg. Sacred 3 ist am Ende vom Tag eben nur ein 2-Button-Actionspiel mit zwei bis drei Extra-Tasten. Der Umfang des Spiels ist recht moderat: Insgesamt warten 25 kleinere Abschnitte auf euch, die zum Teil weniger als fünf Minuten in Anspruch nehmen und ca. ein Dutzend Story-Level, die manchmal eine Stunde dauern. Kurzum: Nach etwa 15 Stunden habt ihr den Titel durch.
„Rollenspiel“
Wer Sacred kennt oder bereits mit Diablo vertraut ist, wird wissen, dass neue Ausrüstung immer wieder ein großer Anreiz ist, ein Spiel zu spielen. Sacred 3 hingegen verzichtet grundsätzlich auf Loot-Drops. Yup, richtig gelesen. Keine Itemspirale. Wie in einem der langweiligen Shooter heutzutage (nehmen wir doch einfach Call of Duty als perfektes Beispiel) schaltet ihr nach und nach neue Ausrüstungsgegenstände frei. Insgesamt stehen euch drei Waffen mit unterschiedlichen Boni zur Verfügung, die ihr je nach Goldbestand mit verschiedenen (vorgegebenen) Fähigkeiten modifizieren könnt. Zudem könnt ihr aus einem der Buff-Geister wählen und zuletzt in einem eigenen Fertigkeitenbaum neue Zauber oder Moves lernen. Und nun kommt der Knackpunkt: Egal, was ihr macht, euer Charakter wird sich auf Level 30 nicht wirklich anders anfühlen als auf Level 1. Vielleicht sollte ich an dieser Stelle von einem Action-Spiel sprechen, und nicht von einem Action-RPG.
Kommen wir abschließend zur Technik: Als PC-Spieler werdet ihr sofort merken, dass Sacred 3 für Konsolen entwickelt wurde, denn die Steuerung mit Maus und Tastatur ist grauenvoll. Selbst nach dem ersten Durchlauf konnte ich mich nicht daran gewöhnen. Mit dem Xbox-Controller (übrigens: Der Xbox One-Controller wird nicht unterstützt!) seid ihr am besten beraten. Apropos Konsolen: Während der Titel auf dem heimischen Rechenknecht bei passender Hardware nicht nur am besten aussieht, so macht es auch die beste Performance. Die PS3/X360-Fassungen hingegen haben mit sichtbar weniger Details und Effekten sowie einer sehr ungesunden Bildrate von zum Teil 20-24 FPS zu kämpfen. Manchmal rutscht es auch darunter und wird fast unspielbar.
Fazit:
Sacred 3 ist kein Sacred. Es ist daher auch der schlechteste Ableger dieser Reihe. Keine Items, keine offene Spielwelt, keine Quests. Stattdessen gibt es ein „Best-of“ (und das ist im höchsten Maße sarkastisch gemeint) von Call of Duty. Kurzum: Strikt lineare Level, Einheitsbrei bei Missionen, oberflächliches Skill-System, miserable Spielbalance und so weiter und so fort. Von RPG kann hier freilich nicht mehr die Rede sein. Wenn Sacred 3 „Random Action Game“ hieße, würde ich vielleicht ein Auge zudrücken, doch der unsägliche Humor und die zum Teil dämlichen Kommentare sind Grund genug, mir den Spaß zu verderben. So pulverisiert man Diamanten.
Wertung:
Adam Smieja
Abwechslungsreiche Level
Schicke Effekte
Gelungener Koop-Modus
Sehr einsteigerfreundlich
Einige coole Bosskämpfe
Mieser Humor
Nervige Sprecher
Leveldesign strikt linear
Fehlende Motivation ohne Loot
Skill-System auf ein Minimum reduziert
Charakterentwicklung quasi nicht vorhanden
Geringer Umfang für die Sacred-Reihe
Keine eigenen Ideen
PC-Steuerung ohne Gamepad misslungen
Grundsätzlich zu leicht






































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