WiiSports Resort
Ich falle mit der Tür ins Haus, statt drum herum zureden: Wer meint, Wii Sports Resort sei eine reine Tech-Demo für die Fernbedienungserweiterung, ist ignorant und von Vorurteilen geleitet. Bei Nintendos neuem Streich handelt es sich um eine umfangreiche, spaßige Sammlung zwölf (darunter 9 wirklich neuer) toller, unkomplizierter und intuitiver Spiele, die dieses Mal sogar eine ganze Zeit lang allein im Einzelspieler Spaß machen. Das neue Zubehör ist dabei dafür zuständig,
Bewegungen 1:1 zu verarbeiten und auf diese Weise sogar schnelle dreidimensionale Bewegungen in Echtzeit ins Spiel zu übersetzen. Die benötigte controllertechnische Ausrüstung variiert dabei von Spiel zu Spiel; mal reicht eine Wiimote zum Weitergeben, mal benötigt jeder eine, mal benötigen alle zusätzlich ein Nunchuk. Eines ist jedoch im ganzen Spiel Pflicht: Die Wii MotionPlus-Erweiterung an jeder angeschlossenen Fernbedienung ist durchgehend notwendig, deshalb wird das Spiel auch direkt zusammen mit dem Zubehör inklusive neuer passender Gummihülle ausgeliefert – zum Normalpreis. Da es sich bei Wii Sports Resort um eine Sammlung von Spielen handelt, testen wir dieses Mal etwas anders als gewohnt: Die technischen Details und das ganze Drumherum werden zuerst geklärt, danach gehen wir auf die Spiele im Einzelnen ein.Willkommen auf Wuhu Island!
Nein, ich bin nicht betrunken, das heißt so. Der erste Start des Spiels zeigt schon, dass Wii Sports Resort einen Schritt in eine neue Richtung wagen und sich mit nichts vergleichen lassen möchte. Nach einem Einführungsvideo, welches zeigt, wie WM+ anzubringen und zu entfernen ist, steht euer Standard-Mii in einem Flugzeug und wartet auf das OK des Piloten um Herausspringen zu dürfen. Sofort übernehmt ihr das Ruder, euer Mii verschmilzt mit der Wiimote, indem jede Bewegung mit der Hand seinen Körper entsprechend bewegt. Auf dem Weg nach unten kann man versuchen, zahlreiche andere Miis mit der Hand zu erwischen. Dies wird sich später noch als tatsächliches Minispiel der Sammlung herausstellen. Habt ihr euch im freien Fall Wuhu Island – der Insel, auf der alle Minispiele stattfinden und dabei clever eingebunden sind – genug genähert, öffnet sich der Fallschirm und die Kamera schwenkt über ihn. So kann man erkennen, was groß auf dem Fallschirm steht: Wii Sports Resort. Willkommen in der Welt der revolutionären Steuerung, willkommen auf Wuhu Island – willkommen im Hauptmenü.
Die Qual der Wahl
Hier steht man nun vor der Qual der Minispielwahl. Da sich jede Disziplin abermals in Variationen mit unterschiedlichen Strecken, Levels, Multi- und Singleplayermodi aufteilt, fühlt man sich anfangs von den Möglichkeiten schon fast überfordert, freut sich aber riesig darauf, alle Spiele auszuprobieren. Dies wird vor allem dadurch verstärkt, dass es nun Achievements, also kleine Ziele gibt, die vor allem Einzelspieler motivieren sollen, sich nicht nur durch die Highscoreliste anzuspornen, sondern die Spiele immer wieder deshalb zu spielen, um knackige Herausforderungen nach dem Schema „Hole auf jeder Strecke 170 Punkte“ zu schaffen. Dass es beim Tischtennis sogar die Herausforderung „Ins Gesicht!“ gibt, lasse ich einmal unkommentiert und gebe somit Sozialpädagogen die Möglichkeit sich mit dieser ethischen Problematik auseinanderzusetzen. Spaß beiseite, etwas störend ist, dass alle geschafften Herausforderungen mit einer Nachricht im Wii-Nachrichtenkanal dokumentiert werden – es reicht doch, dass man dies im Spiel nachschlagen kann. Ein mit 10 Nachrichten vollgespammter Postkorb ist nun mal kein schöner Anblick.Technisch astrein
Technisch – vor allem optisch – hat sich im Vergleich zum einfachen Wii Sports einiges getan. Wuhu Island sieht schick aus, die Miis glänzen durch flüssige 1:1-Animationen, bei Nacht zischen Sternschnuppen über den Himmel. Der Sound gestaltet sich sehr abwechslungsreich, weiß durch mal spannende, mal entspannende Klänge zu gefallen und passt zur Vielfalt wie zum Urlaubsflair des Spiels. Die wirkliche technische Besonderheit stellt natürlich die Wii MotionPlus-Steuerung dar, auf die ich in der Beschreibung der einzelnen Spiele eingehe. Für alle Spiele gilt: Habt ihr das Gefühl, dass eure Bewegungen nicht mehr richtig erkannt werden, drückt ihr einfach den Plusknopf und könnt das Zubehör kalibrieren, indem ihr die Wiimote nur kurz auf eine flache, gerade Unterlage legt. Dies ist in der Regel nur einmal pro Anmeldung einer Fernbedienung notwendig. Eine andere Art von Kalibrierung gibt es z.B. beim Schwertkampf, denn hier muss vor jedem Versuch einmal kurz auf den Bildschirm gezeigt und A gedrückt werden – kein großer Aufwand angesichts der Tatsache, dass die Erkennung extrem zuverlässig und genau funktioniert. Nun haben wir uns aber genug mit den Randbedingungen beschäftigt und halten fest, dass alles wunderbar funktioniert und kein Wii-Spieler von der gebotenen, ladezeitenfreien Technik enttäuscht sein wird.
Wenden wir uns endlich den Spielen zu!
Lasst uns mit der einzelnen Betrachtung der Minispiele abschließen:
Schwertkampf:
Diese Disziplin ist gleich eine der spaßigsten – und eine der besten Demonstrationsmöglichkeiten für WM+ obendrein. Ihr haltet die Wiimote wie ein Schwert und stellt euch ganzen drei Disziplinen: Dem Duell (auf einer Plattform steht ihr einem anderen Mii gegenüber und versucht ihn durch Blocken und Schlagen von dieser zu befördern), einem Schwertmarathon (euer Mii rennt durch verschiedene Levels und begegnet Gegnerhorden, die ihn ebenfalls mit Schwertern angreifen und immer schneller schlagen und blocken können) und dem Schnittfest, bei welchem zwei Miis gegeneinander antreten und diverse Gegenstände schneller als der Gegner und in richtiger Richtung zersäbeln müssen.
Wakeboard:
Ein Boot zieht euch übers Meer, während ihr auf einem Wakeboard steht und die Wiimote nach links und rechts neigt, um das vom Boot erzeugte Kielwasser (= wake) als Sprungschanze zu nutzen, indem ihr die Wiimote im richtigen Moment nach oben reißt. Je nach Höhe, vollführt euer Mii dabei unterschiedlich spektakuläre Tricks in der Luft – anschließend ist es an euch, ihn wieder so auszutarieren, dass er gerade auf dem Wasser landet, ansonsten gibt es keine Punkte für den Sprung. Das Spiel ist zwar nicht das Highlight der Sammlung, aber durchaus unterhaltsam. Wie bei allen Minispielen dieser Art ist hier, bevor es ernst wird, ein freies Training möglich.Frisbee®:
Das Frisbeewerfen funktioniert klasse: Hier gilt es, die Frisbee so zu werfen, dass ein süßer Hund sie an der richtigen Stelle (nah an einem vorher angezeigten Punkt) fangen muss. Auf höherer Stufe können auf dem Weg sogar Bonusballons zum Platzen gebracht werden. Weiterhin steht ein Frisbee-Golf – sehr ähnlich wie bei Tiger Woods PGA Tour 10 – zur Verfügung, das genau so herrlich funktioniert.
Bogenschießen:
Genial! Ihr haltet die Wiimote senkrecht vor euch, zieht mit dem Nunchuk und gedrückter Z-Taste die Sehne zurück, atmet durch, zielt mit euren Armen wie mit einem echten Bogen, haltet die Luft an und lasst die Z-Taste los, wodurch der Pfeil in Richtung Zielscheibe schnellt und dabei Wind und Entfernung überwinden muss; und zwar auf vier unterschiedlichen Anlagen. Egal ob allein oder mit mehreren Spielern nacheinander, kommt hier garantiert Freude auf!
Basketball:
Die Essenz liegt hier im Hochreißen der Wiimote (= Sprung), um auf den Zeitpunkt zu warten, an dem der Mii die größte Höhe erreicht hat. Dann ist eine neue Bewegung notwendig, um den Ball gerade in den Korb zu befördern. Da das Spiel eigentlich auch ohne WM+ möglich gewesen wäre, ist es zwar kein Paradebeispiel für das neue Zubehör, aber ein spaßiges Minispiel allemal. Neben Freiwürfen gibt es auch ein Teamspiel, bei welchem zusätzlich noch richtig gepasst werden muss und der Ball beim gegnerischen Angriff durch richtig getimtes Schütteln der Wiimote zurückerobert werden kann.
Tischtennis:
Stark verbessert präsentiert sich das bereits aus Wii Play bekannte Tischtennis: Dank WM+ können Bälle nun angeschnitten werden, Vor- und Rückhand werden 1:1 und zuverlässig erkannt. Neben einem Duell gibt es auch ein Annahmespiel, bei dem man möglichst viele Bälle zurückspielen muss. Interessant ist, dass es das Spiel mit recht einfachen Mitteln schafft, ordentlich Suchtpotenzial aufzubauen.
Golf:
Ebenfalls bereits bekannt (aus Wii Sports) zeigt sich auch Golf stark erweitert: Der Schwung ist jetzt nicht nur viel direkter und genauer, der Umfang hat auch stark zugelegt: Mehrere Plätze laden zum tagelangen Golfen ein, um die Herausforderungen zu meistern. Leicht ist übrigens was anderes! Die Herausforderungen werden nicht an einem Tag geknackt sein. Der Spaßfaktor ist im Single- und Multiplayer ungemein groß.Bowling:
Genauso wenig neu, aber ebenfalls verbessert gibt sich das Bowling. Die Möglichkeit, genauer zu werfen und der Kugel einen Drall zu verpassen macht diese Disziplin eigentlich erst jetzt richtig spannend.
Jetboot:
Der Wahnsinn, eine echte Spielspaßgranate, die mich laut „Bitte, bitte macht ein neues Wave Race“ aufschreien lässt. Ihr haltet Wiimote und Nunchuk wie einen Motorradlenker, gebt durch eine ebensolche Drehbewegung der Wiimote zusätzlichen Schub und manövriert euch per Kippen des „Lenkers“ schnell durch Ringe. (Nur) gegen andere Spieler ist auch ein VS.-Rennen möglich.
Kanufahren:
Ebenfalls eine nette Idee! Hier gilt es in vorgegebener Zeit möglichst weit auf dem abgesteckten Kurs zu kommen. Fehlerfrei funktioniert dabei die Lenkung, die davon abhängt, ob ihr den Paddel links oder rechts „vom Boot“ ins Wasser stecht. Schnell sein und gut durch den Kurs kommen heißt hier die Devise. Auch hier kann man sich im VS.-Modus messen.
Radfahren:
Die wohl schwächste Disziplin. Das Prinzip ist zwar nicht schlecht umgesetzt, kann aber trotzdem nicht motivieren. Wiimote und Nunchuk werden abwechselnd zum Trampeln bewegt und zur Lenkung benutzt. Der Windschatten anderer Fahrer ist dabei auszunutzen und die Ausdauer zu beachten.
Luftsport:
Ein weiterer Geniestreich. Dieser lässt mich „Jetzt macht endlich ein Pilotwings für Wii“ brüllen. Das Flugzeug ist zwar insgesamt etwas langsam, trotzdem macht es Spaß, Orte zu entdecken (Rundflug), dafür Punkte zu bekommen, neue Herausforderungen freizuschalten, sich im Multiplayer Dogfights zu liefern und, und, und. Die Wiimote kann man dabei in der Hand halten wie einen Papierflieger, das Gefühl ist perfekt, die Steuerung wahnsinnig präzise. Unter Luftsport findet man auch das anfängliche Fallschirmspringen wieder, bei dem man Formationen in der Luft bilden und sich mit möglichst vielen anderen Miis fotografieren lassen muss.
Testergebnis
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