Tales of the Abyss
Geschrieben von: Adam Smieja am 21.12.2011
Bisher gab es kein vernünftiges Rollenspiel für den Nintendo 3DS, weswegen sich Spieler jenen Genres nur auf den Nintendo DS verlassen konnten. Das jedoch hat ein Ende, denn mit Tales of the Abyss erschien nun ein waschechtes JRPG für den 3D-Handheld von Nintendo. Zwar handelt es sich hierbei „nur“ um die Portierung eines sechs Jahre alten PS2-Titels, allerdings ist dieser nie in Europa erschienen. Und gerade letzteres finde ich sehr schade, denn eigentlich feiert Namco Bandai auch hierzulande mit Spielen wie Tales of Symphonia und Tales of Vesperia große Erfolge. Hoffen wir doch mal, dass es auch der 3DS-Auftritt zu solchen schafft...Die Vorteile der 3DS-Version gegenüber der PS2-Fassung liegen auf der Hand: Immens kürzere Ladezeiten, einige Extras und 3D. Dieser jedoch ist eigentlich nur sehr lasch und kann für Augen- bzw. Kopfschmerzen sorgen, da oftmals unruhige Kamerafahrten durchgeführt werden. Selbst in 2D lässt die Bildrate zu wünschen übrig, denn selbst dort gibt es nicht mehr als die üblichen 30 FPS. Ach, und eine deutsche Übersetzung oder gar Sprachausgabe sind nicht vorhanden. Das dürfte allen voran jüngere Spieler enttäuschen, die des Englischen noch nicht allzu mächtig sind.
Eine lange Reise
Ist die Sprachblockade kein Problem für euch, so reist ihr mit Protagonist Luke durch die Welt und versucht herauszufinden, warum genau er aus Sicherheitsgründen von der Außenwelt abgeschottet im herzoglichen Anwesen seiner Eltern haust. Der an Amnesie leidende Junge möchte unbedingt die freie Welt erkunden, doch seine königlichen Eltern verbieten dies. Einzig das Training mit seinem Lehrmeister Van helfen ihm, die Langeweile Tag ein Tag aus zu bewältigen. Eines Tages erscheint eine Attentäterin, die Van umbringen will, doch eine magische Kuppel teleportiert sie und Luke ganz wo anders hin – und nun geht die Reise los. Fortan stellen sich nicht nur Luke viele Fragen, was richtig und was falsch ist, warum das Militär und religiöse Fanatiker sowie skrupellose Wissenschaftler die Welt so langsam aber sicher den Bach runtergehen lassen.All diese Fragen dienen natürlich dem übergeordneten Sinn, den Spieler möglichst früh an die Geschichte heranzuführen und zu binden, sodass einige Überraschungen übrig bleiben. Niemals kann man mit Sicherheit sagen, wem zu trauen ist und wer gerade ein richtig mieses Spiel spielt. Trotz all jener ernster Themata auf dem Weg zum großen Finale darf der Serien-typische Humor nicht fehlen. Diejenigen unter euch, die die Tales of-Reihe schon kennen, wissen, wie diese ablaufen. Für alle anderen: Auf Buttondruck wechselt das Spiel zu mehreren Portrait-Abbildungen der redenden Charaktere und präsentiert so Schnipsel an Story, Spaß und dergleichen. Die englische Sprachausgabe dabei ist durchweg sehr gelungen, wodurch die Charaktere einen menschlichen Touch erhalten.
Facettenreiche Auseinandersetzungen
Ein Rollenspiel lebt natürlich davon, dass die Charaktere nicht nur durch die Geschichte wachsen, sondern auch in zahllosen Kämpfen mächtiger werden. Und auch Tales of the Abyss verzichtet nicht auf jene Schlachten. Auf dem Schlachtfeld geht es jedoch nicht total stumm zu, die Charaktere reden miteinander, sodass die Auseinandersetzungen durchaus lebendig wirken. Wie üblich übernehmt ihr nur die Rolle des Hauptcharakters, sprich Luke. Während im PS2-Titel Freunde in die virtuelle Haut der anderen schlüpfen konnten, musste dieses Feature gestrichen werden. Dafür gibt es aber fest vorgelegte Verhaltensstrukturen der KI-Streiter, die deutlich besser agieren als noch vor sechs Jahren.Auch der Fakt, dass es auf dem 3DS weniger Tasten gibt als noch auf der PS2, ist kein Problem – der Touchscreen regelt dieses Problem mühelos. Im Übrigen könnt ihr eure Truppe automatisch kämpfen lassen und selbst nur eingreifen, wenn es gerade sehr knapp wird. Das ist natürlich für die leichteren Schlachten sehr angenehm und erspart euch Fummelarbeit. Neue Zauber, Angriffe, aktive wie auch passive Fähigkeiten lernt ihr dann über Zeit, sodass das Kampfsystem nicht von Anfang an total überladen wirkt. Behutsam führt euch das Spiel an die neuen Möglichkeiten heran und wird dabei immer facettenreicher. Spannender wird es, wenn ihr sogenannte Elementarmagie dazu nutzen könnt, ein hohes Maß an Energiekonzentration auf dem Schlachtfeld zu erzeugen, um so mächtige Angriffe auszulösen, die die meisten Gegner extrem schnell auslöschen. Darüber hinaus lassen sich so gut wie alle Fähigkeiten mit Bonuseffekten ausstatten, sodass noch mehr Schaden/Heilung herüberkommt. Durch häufigere Anwendung könnt ihr die Effekte zudem noch gezielt verbessern. Übrigens: Ihr könnt den meisten Kämpfen aus dem Weg gehen, da ihr eure Feinde vorher sehen könnt (vgl. Final Fantasy X-2, XII und XIII). Mit bestimmten Gegenständen könnt ihr die Gegner vorher ablenken und so leichter vorbeigehen, ohne gleich einen Kampf zu starten.
Gereist wird ganz klassisch über eine zum Teil leider sehr stark ruckelnde Weltkarte. Diese lässt sich am Anfang zwar nur per pedes erkunden, doch schon bald stehen euch nicht nur Schiffe, sondern auch einige Luftschiffe zur Auswahl. Damit steigt natürlich auch der Entdeckerdrang, denn es gibt massig Objekte zu entdecken! Die vielen Schauplätze und Gegenden sind fantastisch und besitzen ein zum Teil auch heute noch brillantes Leveldesign. Euer loyaler Begleiter Mieu wird euch dabei sehr gern behilflich sein, denn er kann Hindernisse aus dem Weg räumen, schwierige Rätsel für euch lösen, Fässer mit seinem Feueratem in Brand setzen und im Dunkeln liegende Schalter umkippen. Natürlich kann das Schlappohr auch Wachen betäuben bzw. ablenken.Und es gibt noch mehr!
Da sich Mieus Helfermöglichkeiten erst nach und nach so richtig entfalten, lohnt es sich oftmals, an bereits besuchte Orte zurückzukehren. Zwar wirken die Gegenden sehr kompakt, doch mit den richtigen Möglichkeiten und vor allem Helferoptionen ergeben sich zahlreiche Verzweigungen und Gebiete. Eine Kartenfunktion wäre zwar wünschenswert gewesen, doch die sehr fair verteilten Speicherpunkte werden euch davor bewahren, zu viele Laufwege zu beschreiten, wenn ihr denn mal gefallen seid. Auch der Schwierigkeitsgrad lässt sich während des Zockens individuell hoch- bzw. runterregeln. Insgesamt müsst ihr für die Story mindestens 50 Stunden einplanen – eine ganze Menge, die für heutige Verhältnisse eine klare Überlänge besitzt. Das waren noch Rollenspielzeiten vor sechs Jahren! Und mit der Story ist es natürlich längst nicht getan, denn es gibt noch so viele Nebenbeschäftigungen – eine Karriere im Kolosseum etwa oder ein Besuch im Casino, das Leben als Schmied, Koch oder Kellner und so weiter und so fort. Zudem könnt ihr geheime Angriffe lernen, legendäre Waffen aufspüren (und verwenden) und und und. Die Liste ist sehr lang.
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