Saboteur
Die Story des Spiels könnte fast nicht dramatischer inszeniert sein: Der Ire Sean Devlin und sein bester Kumpel Jules werden nach einer Schlägerei mit dem Nazi-Arzt gefangen genommen, wobei Sean gerade noch so mit dem Leben davon kommt und sein Kumpel leider das Zeitliche segnet. Daraufhin verkriecht er sich mit Jules Schwester und einem weiteren Freund namens Vittorio nach Paris, wo er auf den Anführer der Résistance trifft, Luc. Geschichtlich wird das Spiel oftmals in verschiedenen Stilen erzählt. Mal vor, mal zurück. Mal im Sin City-Stil, mal in Farbe.
Gerade der Sin City-Stil des Spiels hat es mir sehr angetan, wirkt er einfach wahnsinnig passend und untermalt die düstere Stimmung in Paris zur Zeit der deutschen Besatzung. Nebst surreal wirkender Gelbtöne bei angelassenem Licht innerhalb der Häuser und der markanten roten Farben der Naziflaggen (in der deutschen Version natürlich unkenntlich gemacht) gibt es immer mal wieder kleine Markierungen für interaktive Objekte – so gefällt es schon sehr. Auf diesen Stil trefft ihr immer dann, wenn der Stadtteil, den ihr gerade besucht, noch besetzt ist. Falls euch das alles aber so gar nicht interessiert: Extra ausgeschildert auf der Minimal im Spiel ist ein netter Nachtclub mit vielen halbnackten Mädels, für die sich Pandemic offensichtlich auch viel Zeit genommen hat. Da schaut man doch gerne mal vorbei!
Schicker Stil, mäßige Technik
Abseits des Sin City-Stils erwarten euch jedoch auch ganz normal in Farbe dargestellte Gebiete, nämlich die, die ihr auch schon von der Besatzung befreit habt. Die Menschen traben hier fröhlich durch die Straßen, überall sieht alles nach Friede, Freude und Eierkuchen aus. Die Welt verändert sich und das macht einen unheimlichen Reiz aus, denn man selbst bewirkt eine Veränderung der Spielwelt und die Idee dahinter ist definitiv lobenswert.
Doch längst nicht alles in Saboteur ist so schön wie es aussieht, denn wie die Medaille haut auch auch die technische Darbietung dieses Titels zwei Seiten. Die Texturen wirken oftmals sehr matschig, massives Kantenflimmern auf PS3 und Xbox 360 stören das Bild doch zum Teil erheblich und starke Performance-Probleme lassen selbst starke PCs (jedoch nur mit ATI-Grafikkarten) ins Schwitzen kommen. Zwar gibt es für letzteres bereits einen Hotfix, doch die Probleme scheinen nach wie vor zu bestehen. Auch sonst nerven diverse Kollisionsfehler, KI-Ungereimtheiten, schlecht gesetzte Speicherpunkte bzw. Checkpoints sowie eine eher hinderliche Menüführung beim Spielen. Da helfen auch imposante Explosionen (wie die eines Nazi-Zeppelins beispielsweise) nicht.

Eure Wahl
Dass Saboteur ein Open-World-Spiel ist, dürfte sich nun rumgesprochen haben und dass es ähnlich wie GTA funktioniert, ist ebenso bekannt. Rein vom spielerischen leisten sich die Entwickler aber hier und da ziemlich viele Designböcke, die abseits der wirklich gelungenen Missionen (Verfolgung im brennenden Zeppelin etwa) wirklich frustrieren können. Denn hierbei gilt „Schlecht geklaut ist auch schlecht“. Die Fahrzeuge steuern sich unglaublich träge – und zwar jedes einzelne. Eine konkrete und nachvollziehbare Fahrphysik kam einfach nicht auf, selbst nach einmaligem Durchspielen des Spiels nicht. Ebenso wirkte das Klettersystem, mit dem ihr einfach so an Häuserwänden hinaufklettert, etwas unausgegoren, da es genau so funktioniert wie in Assassin’s Creed, wobei hier nicht mal mehr logische Verbindungen vorherrschen müssen, um hochzukommen. Eine grobe Inkonsequenz ist auch, dass es oftmals zum unfreiwilligen Tod kommt, da die Steuerung ungeschickt gelöst wurde: Warum kann ich beispielsweise nicht auf eine Leiter rüberklettern, die in Ellbogenreichtweite steht, sondern muss mich erst fallen lassen, um dann mühsam wieder nach oben zu klettern? Unverständlich und absolut unnötig.

Ebenso sorgte der Verdachtsradius des Öfteren verwunderte Blicke bei mir, denn ähnlich wie in GTA habt ihr einen gewissen Radius, in dem euch die Nazis verfolgen, wobei „verfolgen“ eher damit gleichgestellt ist, dass sie es versuchen. Meistens entwischt ihr schon nach wenigen Sekunden oder spätestens im gesicherten Gebiet. Während sich bei den ersten Alarmstufen nur ein paar Besatzer in den Weg stellen, gibt es bei höheren Stufen Panzerfahrzeuge und sogar Zeppeline. Das ist dann schon um eine ganze Ecke kerniger, wenn auch noch immer relativ simpel zu lösen mit einem Raketenwerfer.
Um aber in all diese Situationen zu kommen, braucht ihr natürlich zunächst Aufgaben, die ihr euch in gleich zwei Arten holen könnt. Auf der Minimap gibt es gelb markierte Auftraggeber, mit der ihr die Geschichte des Spiels vorantreibt, welche da ziemlich schwer klischeebehaftet ist. Der Ire hat einen sehr trockenen Humor, die Franzosen einen schwach synchronisierten Akzent und Luc versprüht so viel Hass, sodass er schon fast unglaubwürdig wirkt. Aber sei es drum, denn die Missionen sind allesamt sehr spannend aufgemacht (mit oben genannten Speicherpunkt-Problemen) und wissen in Punkto Design zu gefallen, scheitern jedoch oftmals am absolut nicht nachvollziehbaren Verhalten der Gegner- wie auch Kameraden-KI.
Die weißen Markierungen auf der Map hingegen signalisieren euch Nebenaufgaben, die zwar nicht immer wirklich stringent einer Linie folgen, aber durchaus zu gefallen wissen. Hierbei gilt es beispielsweise Wachtürme zu sprengen, einen Attentat auszuführen oder auch mal gerne einige Objekte einzusammeln, die für die Nazis von großer Bedeutung sind. Der Job des Saboteurs wird gerade hierbei sehr deutlich und angenehm in Szene gesetzt ohne dabei plump zu wirken. Einziger Kritikpunkt hierbei ist, dass sich diese Missionen zu schnell wiederholen, obgleich ihr die meisten davon durch neu gewonnene Kollegen aus den Hauptmissionen erlangt. Unwichtig sind sie aber dennoch nicht, denn sie spülen Geld in eure Kassen, welches ihr bei den Schwarzhändlern für schicke Waffen und Munition für diese ausgeben könnt.
Und davon gibt es reichlich, denn nebst Pistole und Panzerschreck steht euch eine Garage zur Verfügung, in der ihr geklaute Autos ein klein wenig tunen könnt, um noch schneller aus dem Verdachtsradius zu kommen. Da ihr aber nur zwei Waffen tragen könnt, sollte eure Wahl sehr gut überlegt sein, denn manchmal ist das Scharfschützengewehr die leichteste Lösung (mit Schalldämpfung versteht sich), um nicht sofort aufzufallen. Stealth-Fertigkeiten und Kleidung der Nazis sollen ebenfalls bei der Infiltration der feindlichen Basen behilflich sein – muss ja schließlich nicht immer mit dem Kopf durch die Wand gehen.
Testergebnis
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