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Operation Flashpoint: Dragon Rising
Release: bereits erschienen
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Operation Flashpoint: Dragon Rising

Geschrieben von: am 21.10.2009
Im Juni 2001 schickten uns Entwickler Bohemia Interactive und Publisher Codemasters erstmals auf das virtuelle Schlachtfeld und ließen uns im legendären Taktik-Shooter Operation Flashpoint: Cold War Crisis um die drei großen Inseln Everon, Malden und Kolgujev kämpfen. Nun erscheint mit Operation Flashpoint: Dragon Rising das "offizielle Sequel" zum preisgekrönten und erfolgreichen Erstling, das aber eigentlich kein Sequel ist. Oder doch? Verwirrung pur! Die Auflösung gibt's im Test!

"What matters is the game, not the name!"

Eine kurze Aufklärung: Bohemia Interactive besitzt die Rechte am ursprünglichen Operation Flashpoint-Spiel, Codemasters hatte neben den Vertriebsrechten lediglich die Rechte am Namen "Operation Flashpoint" - Engine, Idee und so weiter gehören jedoch nach wie vor Bohemia. Diese veröffentlichten in den vergangenen Jahren zwei weitere Spiele, ArmA: Armed Assault sowie ArmA 2, die - zumindest aus der Sicht von Bohemia - die wahren Sequels zu Operation Flashpoint sind, basieren sie doch auf der selben, wenn auch überarbeiteren Engine, und bieten ähnlich umfangreiche Modding-Funktionen, die schon bei Operation Flashpoint zu einer riesigen Modding-Community führten.

Mit der Ankündigung von Operation Flashpoint: Dragon Rising als das offizielle Sequel brach dann Verwirrung und Streit aus. Laut Bohemia sei es nicht richtig, Dragon Rising als offizielles Sequel zu promoten, da sie die alleinigen Rechte zur Entwicklung eines Sequels haben, an den Arbeiten zu Dragon Rising jedoch nicht beteiligt waren. Dieses stammt nämlich zu 100% von internen Entwicklungsteams bei Codemasters und basiert auch auf einer hauseignenen Engine.

Da Codemasters jedoch die Rechte am Namen besitzt, können sie im Prinzip tun und lassen, was sie wollen. Bohemia betonte jedoch damals, dass das Spiel und nicht der Name entscheidend sei. Ob es nun korrekt ist, Dragon Rising als "offizielles Sequel" zu bezeichnen oder nicht, sei dahingestellt. Um euch nicht noch mehr zu verwirren, sprechen wir hier im Sinne der Verständlichkeit aber einfach vom Nachfolger, zweiten Teil oder eben Sequel - ob nun offizell oder nicht.

Dragon Rising

Anders als im Vorgänger spielt Operation Flashpoint: Dragon Rising im 21. Jahrhundert, genauer gesagt im Jahre 2010. Die Finanzkrise hat tiefe Wunden in der Wirtschaft zahlreicher Nationen hinterlassen - vor allem China wurde hart getroffen und muss sich nun umorientieren: Öl wird immer begehrter, da kommt es wie gelegen, dass auf der russichen Insel Skira Island, die übrigens der realen Insel Kiska in Alaska nachempfunden ist, ein großes Ölvorkommen gefunden wurde. In einem Verzweiflungsakt mobilisiert China seine Truppen an der russischen Grenze und besetzt gleichzeitig Skira Island, woraufhin auch die Russen schwere Geschütze auffahren. Ein Krieg steht unmittelbar bevor. Um nicht vollkommen auf sich allein gestellt an zwei Fronten zu kämpfen, bitten die Russen die USA um Hilfe, die mit einem Stoßtrupp auf Skira Island landen und versuchen, einen Brückenkopf zu errichten, um die chinesischen Besatzer mit aller Kraft zu vertreiben.


Und an dieser Stelle setzt ihr ein! Als Anführer eines Stroßtrupps gehört ihr zu den ersten amerikanischen Soldaten, die Skira Island betreten und müsst direkt in der ersten Mission Verteidigungsstellungen und Flugabwehrgeschütze der Chinesen vernichten, um eine sichere Invasion zu gewährleisten. Diese erlebt ihr dann im Anschluss in 10 weiteren Missionen und führt dabei Spähtrupps bei Nacht durch feindliches Gebiet, jagt Panzerwagen, die euren Konvoi bedrohen, oder rennt als die Speerspitze der Invasion auf feindlichen Stellungen zu.

Keine Zeit für Briefings

Einer der größten Kritikpunkte fällt schon beim ersten Start des Spiels auf – so interessant und im Grunde auch real die Story auch klingt, so lustlos und unspektakulär wird sie nach dem Intro des Spiels präsentiert. Statt einer als Cutscene verpackte Missionsbeschreibung oder sogar einem interaktiven Briefing, wärend man im Hubschrauber oder Boot zum Einsatzort gebracht wird, startet jede Mission gleich: Mit einem schwarzen Bildschirm, der langsam euren Vier-Mann-Trupp enthüllt, und einer schnellen Beschreibung des allgemeinen Ziels via Funk. Zwar kann man sich vor jeder anstehenden Mission ein etwas umfangreicheres Briefing durchlesen, doch hier wäre zumindest eine Vertonung angemessen gewesen, um den Spieler wenigstens ein bisschen zu unterhalten, bevor die eigentliche Mission beginnt.


Auch innerhalb der Missionen gibt es keine Kamerafahrten oder sonstiges – vielleicht gewollt aufgrund des dadurch höheren Realismusgrades – und Missionsupdates werden euch ebenfalls nur über Funk mitgeteilt. Keine plötzlichen und dramatisch eingeleiteten Zwischenziele, weil euch der Kommandant eines Fahrzeugs zu euch ruft und euch die Zerstörung eines Panzers befiehlt und auch keine Sondereinsätze auf den Sitzen eines stählernen Ungetüms. Dragon Rising bleibt im Missionsdesign recht berechenbar und geradlinig. Ziele per Funk erhalten, dort hin rennen, Ziel erledigen/zerstören, neues Ziel per Funk erhalten, zum Ziel rennen, Ziel erledigen und so weiter…

Immerhin wirken die einzelnen Aufträge nicht wie aus der Luft gegriffen, sondern schildern nach und nach die verschiedenen Schritte einer militärischen Invasion. Erst wird ein kleiner Trupp bei Nacht entsandt, um wichtige Stellungen auszuschalten, dann kommt am nächsten Morgen die große Landeoperation, gefolgt vom gezielten Vorrücken ins Inland, während Stoßtrupps hinter der Front bereits kommende Bedrohungen ausschalten, Versorgungslinien des Feindes abschneiden oder Kriegsgefangenen aus den eigenen Reihen retten.

Squadleader

Dabei übernehmt ihr stets die Rolle des Squadleaders eines vierköpfigen Teams, das ihr entweder via Radialmenü on the fly oder über die nützliche Übersichtskarte befehligen könnt. So könnt ihr nicht nur die Formation und den Abstand innerhalb dieser verändern, sondern auch typische Befehle wie „Dorthin laufen“ oder „Das Ziel angreifen“ geben, stellenweise Artillerieschläge anfordern, das Feuerverhalten festlegen (von „Nicht feuern“ über „Zurückschießen“ bis hin zu „Feuern nach eigenem Ermessen“), Rückzüge anordern oder einen Sanitäter rufen, solltet ihr mal getroffen worden sein.

Den Kerl mit dem Roten Kreuz auf dem Helm werdet ihr übrigens recht oft herbitten müssen, denn auch in Operation Flashpoint: Dragon Rising gilt wie im Vorgänger: Jeder Schuss kann tödlich sein. Realismus-Fans wird das natürlich wahnsinnig freuen – diese können sogar noch den Hardcore-Mode einschalten und so sogar noch auf Hilfsanzeigen und Tooltips verzichten – normale Shooter-Spieler müssen sich jedoch erstmal an die Taktik-Komponente und das langsame, vorsichtige und bedachte Vorrücken gewöhnen, um nicht hinter dem nächsten Busch von einer Kugel im Kopf begrüßt zu werden.

Solltet ihr Glück im Unglück haben und „nur“ am Arm, Torso oder Bein verwundet werden, könnt ihr, wenn gerade wirklich viel los ist, die Blutung zur Not auch vorerst selber verbinden, der Sani muss die Schmerzen dennoch mit einer gehörigen Spritze Morphium unterdrücken, denn sonst könnt ihr nicht mehr sprinten (bei einem Beintreffer) oder schlechter zielen (Arm-Treffer).

Das kleine Erste-Hilfe-Päckchen könnt ihr natürlich auch bei verwundeten Kameraden verwenden. Dieses ist einfach über das kleine Inventar aufrufbar, in dem sich auch die zwei Primärwaffen sowie die Pistole und natürlich diverse Granaten, Sprengsätze und sonstige Gegenstände wie das Fernglas finden. Das Waffenarsenal kann sich übrigens durchaus sehen lassen und besteht aus zahlreichen amerikanischen und chinesischen Waffen, die teilweise mit Granatwerfern, Zielfernrohr oder Schalldämpfern modifiziert sind. Leider könnt ihr vor dem Einsatz nicht entscheiden, welche Waffen ihr mitnehmt, sodass ihr euch vorerst mit der vorgeschriebenen Ausrüstung zufrieden geben müsst.

Auch das Setup eurer Mitstreiter könnt ihr leider nicht verändert. Immerhin stellen sich diese recht vernünftig an, was auch für die Gegner gilt, die euch oft einkreisen, doch häufige KI-Aussetzer, vor allem in Verbindung mit Fahrzeugen, sorgen des Öfteren für Frustmomente.

Abgespeckte Konsolen-Version

Früher habe ich Operation Flashpoint ewig lange gespielt, ich habe es geliebt, vor allem, weil ich mir auf dem PC mit dem Editor jedes x-beliebige Szenario zusammenbasteln konnte. Ich hatte sogar einen ganzen Stehordner voll mit Befehlen und Anleitungen für dieses Mords-Tool – so umfangreich war es! Auch in Operation Flashpoint: Dragon Rising liegt ein Editor bei, der ähnlich umfangreich ausfällt, doch leider ist dieser ausschließlich in der PC-Version enthalten!

PS3- und Xbox 360-Besitzer müssen also mit den 11 Hauptmissionen und 6 freischaltbaren Zusatzmissionen auskommen, die sich eher wie die Werke eines talentierten Fans als die eines bezahlten Entwicklerteams spielen. Auch im Mehrspieler-Bereich müssen Konsolenspieler Abstriche hinnehmen – und das gleich in mehreren Bereichen.

Als wäre es schon unschön genug, dass die maximale Spieleranzahl von 16 (PC-Version) auf 8 reduziert wurde, ist der Online-Part auch noch unspielbar. Während der Testzeit haben wir mehrmals versucht mit einem Kollegen aus einer anderen Redaktion zu zocken. Mal waren die Server offline, mal war es dank Lags unspielbar und mal wurde einfach die Verbindung getrennt. Außer dem Coop-Modus, den wir dann tatsächlich auch mal kurz spielen konnten und der wirklich Spaß macht, da ihr statt mit 3 KI-Kollegen nun mit 3 menschlichen Spielern die Kampagne durchspielen könnt, haben wir aber nicht viel verpasst, denn mit nur zwei Modi und jeweils 2 Maps fällt der Umfang nicht gerade bombastisch aus.

Außen hui, innen pfui?

Operation Flashpoint war unter anderem auch aufgrund des großen Fuhrparks sowie der großen Spielwelt beliebt. Auch in Dragon Rising trifft beides zu – zumindest auf dem Blatt. Die rund 220km² große Insel ist komplett begehbar – im Editor, und den gibt es nur auf dem PC. Auch stehen euch zahlreiche verschiedene Fahr- und Flugzeuge zur Verfügung – 90% davon aber nur im Editor, und den gibt es nur auf dem PC, und im Mehrspieler-Modus, aber zu dem müssen wir ja nichts mehr sagen. Vieles, was anfangs also wirklich umwerfend klingt, ist es im Endeffekt gar nicht, denn Missionen sind zwar weitläufig, haben aber auch ihre Grenzen.

Eines muss man dem Team von Codemasters jedoch eingestehen: Sie haben eine wirkliche atmosphärische und teilweise atemberaubende Kulisse erschaffen! Nicht nur, dass der Tag- und Nachtwechsel sowohl für taktische als auch optische Feinheiten sorgt, auch die enorme Weitsicht sowie der grandios aussehende volumetrische Rauch wissen definitiv zu gefallen. Wenn nach einem Artillerieschlag ein (von Zivilisten natürlich verlassenes!) Dorf in Trümmern liegt und schwarze Rauchschwaden gen Himmel steigen, die man noch nach einem längeren Fußmarsch am Horizont sieht, dann kann man die Entwickler und die verwendete EGO-Engine nur loben.


Soundtechnisch sieht es zwar nicht ganz so prächtig aus, doch auch hier kann Dragon Rising teilweise punkten. Die Sprachausgabe beschränkt sich auf relativ unspektakuläre Funksprüche und diverse Ausrufe, wenn Gegner gesichtet wurden, und der Musik darf man nur im Hauptmenü lauschen. Immerhin sind die Soundeffekte ziemlich wuchtig und mit dem richtigen System fühlt sich ein Artillerieschlag auch wie ein solcher an.
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Kommentar

Als eingefleischter Fan des ersten Teil muss ich sagen: Ich bin enttäuscht! Dragon Rising ist einfach kein Operation Flashpoint, da greif ich lieber zum Erstling, wenn ich Lust auf einen taktischen Shooter bzw. eine Militärsimulation habe, denn die wunderschöne Grafik können nicht über die Schwächen von Dragon Rising hinwegttäuschen.

Das heißt aber nicht, dass Codemasters einen schlechten Job gemacht hat. Operation Flashpoint: Dragon Rising ist ein solider Shooter mit einer atemberaubenden Optik und eine gern gesehene Abwechslung im von Baller-Action beherrschten Genre. Wer eine Herausforderung sucht, wird hier auf jeden Fall glücklich werden und auch wer einen taktisch angehauchten Shooter spielen möchte, kann hier bedenkenlos zugreifen - oder es sich zumindest mal ausleihen.

Wer jedoch auf ein zweites Operation Flashpoint gewartet hat, wird es hier leider nicht finden. Dafür hinkt Dragon Rising in einigen Bereichen - vor allem in der Präsentation, und ich spreche nicht von der Grafik, sondern der Art und Weise, wie das Spiel präsentiert, fortgeführt und dem Spieler näher gebracht wird - dem ersten Teil einfach zu sehr hinterher.


Tops

  • teilweise realistisch...
  • tolle Weitsicht und Raucheffekte
  • toller Missions-Editor für den PC...
  • spaßiger Koop-Modus
  • Tag/Nacht-Wechsel
  • Hardcore-Modus als echte Herausforderung
  • wuchtige Soundeffekte

Flops

  • ...teilweise aber auch nicht (Sprinten hat keine Auswirkungen auf Zielgenauigkeit z.B.)
  • schlampige Präsentation der Story
  • ...nicht jedoch für Konsolen
  • relativ kurz und abwechslungsarm
  • Konsolen-Multiplayer relativ schwach...
  • ...und kaum spielbar

Bewertung

Grafik 13
 Punkte
Sound 10
 Punkte
Gameplay 09
 Punkte
Steuerung 10
 Punkte
Mehrspieler 07 Punkte

Gesamtwertung

72 Prozent

Spiel der Woche


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