God of War 3
Victory Awaits!
[SCREEN:0]God of War 3 fängt genau da an, wo God of War 2 vor rund 3 Jahren aufhörte – auf dem Rücken der Titanin Gaia, die zusammen mit anderen Titanen den Berg Olympus erklimmt, um den Krieg gegen die Götter zu gewinnen. Bis zu diesem Zeitpunkt hat Kratos so einiges durchgemacht – er stand im Dienste der Götter und meuchelte sich durch Griechenland, ermordete im Blutrausch seine eigene Familie, öffnete die Büchse der Pandora und tötete mit den ihr innewohnenden Kräften Ares, den Gott des Krieges, und nahm seinen Platz ein, wurde von den anderen Göttern verraten und getötet, stieg mit Hilfe der Titanen aus der Hölle empor, besiegte die Schwestern des Schicksals, veränderte mit Hilfe des Webstuhls des Schicksals den Verlauf der Geschichte, schnappte sich die Klinge des Olymps und bekämpfte Zeus. Doch bevor Kratos zum letzten Schlag ausholen konnte, warf sich Athena, die Göttin der Zivilisation, dazwischen und opferte sich für Zeus, der, wie sie Kratos in ihren letzten Sekunden offenbarte, der Vater des rachensuchenden Spartaners ist. Während sich der verwundete Göttervater zurückzog, verwendete Kratos erneut den Webstuhl, schnappte sich Gaia und die Titanen, um zusammen mit ihnen und der Klinge des Olymps diesen Krieg ein für alle mal zu beenden.
Und nun sind wir hier, auf dem bewaldeten Rücken eines gigantischen Titanen. Zum eigenen Schutz sammelt Zeus die restlichen Götter – darunter Poseidon, Helios und Hermes – um sich und will mit ihrer Hilfe Kratos und die Titanen stoppen. Doch nichts und niemand wird den Geist von Sparta von seiner Rache abhalten!
Warum ich hier einen großen Teil der Geschichte rund um eines der Sony-Zugpferde wiedergebe? Weil es nicht gerade unwichtig ist, ein bisschen Vorwissen mitzubringen! Zwar ist es auf keinen Fall unabdingar, die Vorgänger gespielt zu haben, um der Story folgen zu können – immerhin werden die wichtigsten Ereignisse in einem schicken Comic-ähnlichen Intro wiedergegeben und Rache sollte als allgemeines Motiv eigentlich reichen – doch es ist auf jedenfall hilfreich, sonst fragt man sich als Neuling der Reihe nicht selten „Huch, wer ist das jetzt? Kenn ich den?“ Doch gerade Fans der Reihe dürfen sich freuen – alte Bekannte treten natürlich wieder auf, es gibt neue Feinde, neue Verbündete, einige Fragen werden geklärt und die epische Saga rund um den blutrünstigen Rachefeldzug des verbitterten Antihelden erfährt ein wahrhaft würdiges Finale – versprochen!

Auf seinem Rachefeldzug trifft Kratos unter anderem erneut auf Hades, den Gott der Unterwelt
Größer, imposanter, blutiger!
Seit God of War 2 hat sich technisch viel getan – immerhin sind wir schon eine Konsolengeneration weiter – und ich sage euch: Das Warten hat sich gelohnt! Gleich zu Beginn wird klar, dass das Santa Monica Studio vor allem in Sachen Präsentation und Größe ordentlich draufgelegt haben. Wer sich ein paar Trailer und Videos angesehen hat, wird wissen wovon ich spreche. Allein schon die ersten zehn Minuten, in denen ihr direkt in einen Kampf mit Poseidon verwickelt werdet, haben es so richtig in sich!
So kämpft ihr zunächst auf Gaia’s Schulter gegen einige Fußsoldaten, bevor der Gott des Meeres dazwischenfunkt und mit Hilfe seiner Hippokampen die Titanen angreift. Rechts von uns stürzt einer der Riesen beim Versuch, den Berg zu erklimmen, in die Tiefe, von oben bewirft uns Helios, der Gott der Sonne, mit Feuerbällen und im Hintergrund sehen wir, wie sich die Hppokampen einen weiteren Titan schnappen, bevor auch Gaia von einem der Viecher durchbohrt wird. Und wie sollte es auch anders sein – schon haben wir nach rund 4-5 Minuten Gameplay unseren ersten Bosskampf gegen eines der Fabeltiere, die halb Pferd, halb Fisch sind.

Auf der Schulter der Titanin kämpfen wir gegen unseren ersten Mini-Boss: Ein Hippokamp
Doch wir bleiben nicht lange auf Gaias Schulter, rennen ihren Arm hinunter, hängen teilweise über dem schwindelerregenden Abgrund und kämpfen halt ohne festen Boden weiter. Wilde Kamerafahrten verstärken dieses Größe-Gefühl nur noch mehr und nicht selten ist Kratos nur ein winziger, mit Schwertern um sich wirbelnder Fleck auf dem gigantischen Körper der Titanin. Nach einigen Schwerthieben gibt Poseidons Tierchen nach und wir können es mit einem imposanten Finisher erledigen. Und spätestens als Kratos sich mit seinen kettenverstärkten Klingen am Unterkiefer des Pferdekopfes festkeilt und diesen dann mit einem kräftigen Ruck abreisst wissen wir – Ja, Kratos ist zurückgekehrt, und er wird noch eine lange Blutspur hinterlassen!
Ihr glaubt, nur der Anfang ist so umwerfend, wie es klingt? Weit gefehlt, denn God of War 3 gehört zu der selten Kategorie von Spielen, die großartig anfangen und dann von Stunde zu Stunde genialer werden! Ständig ist irgendetwas los, ob es nun ein Titan ist, der im Hintergrund am Olymp hinaufklettert, Seelen, die in der Hölle umherschwirren oder die Welt der Menschen in Stürmen und kompletter Finsternis unterzugehen scheint. Und blutig ist der Titel ohnehin, immerhin handelt es sich um ein GoW-Game. Hier quillen Gedärme aus den Bäuchen, Körper werden zerteilt, Köpfe oder Augen ab- bzw. herausgerissen und die literweiße Blut, die dabei entstehen, bleiben – als nettes grafisches Gimmick – für kurze Zeit an Kratos Körper kleben.
Wozu das Rad neu erfinden, wenn man es einfach runder machen kann?
Wer beim PS3-Debut der God of War-Reihe auf gameplaytechnische Innovationen hofft, dem können wir ganz schnell den Wind aus den Segeln nehmen – Neuerungen kann man hier wirklich an einer Hand abzählen. Noch immer könnt ihr mit Kratos leichte und schwere Angriffe ausführen und natürlich auch auf unterschiedliche Waffen – von den klassischen Kettenschwertern über gepanzerte Handschuhe bis hin zu einem Feuerbogen – zurückgreifen. Kleines Extra im dritten Teil: Nun könnt ihr fließend und sogar während des Kampfes zwischen euren Waffen wechseln. Ein paar Hiebe mit den Blades of Athena, gefolgt von ein paar saftigen Schlägen mit den Cestus-Handschuhen, der Gegner fliegt in die Luft, wir switchen zu einem anderen Paar Klingen, ziehen uns mit den Ketten an den Gegner heran, hauen oben noch ein paar mal drauf und schicken ihn dann mit einem per Kreis ausgeführten Griff zu Boden.
[SCREEN:2]Ansonsten bleibt alles beim Alten – nahezu tote Gegner werden wieder mit QTE-Finishing-Moves erledigt, die aber allesamt im Bereich des machbaren liegen und keine großartige Fingerakrobatik erfordern.
Hinzu kommen Kleinigkeiten wie Ausweichmanöver oder die Fähigkeit zu Blocken und zu Kontern, die den Kämpfen ein wenig den Charakter eines Hack’n’Slays nehmen und sie etwas anspruchsvoller machen – zumindest in den späteren Abschnitten und bei Bosskämpfen. Letztere erfordern natürlich neben ordentlich Draufgehaue auch immer eine gewisse Taktik, verhalten sich die verschiedenen Bosse – und auch die kleinen Subbosse – doch von Phase zu Phase verschieden. Beim Kampf gegen eine Chimäre habt ihr es beispielsweise erst mit dem giftspuckenden Schlangenkopf, dann mit dem wilden, feuerspuckenden Löwenkopf und anschließend mit dem aggressiven Kopf des Rammbocks zu tun.
Letztendlich fühlt es sich aber einfach wie ein God of War an und Fans werden sich sofort wohlfühlen. Und obwohl es sich gameplay technisch vielleicht eher um ein God of War 2.5 handelt, macht es einfach dennoch unglaublich viel Spaß, selbst wenn man die selbe Killanimation nun schon zum fünften Mal gesehen hat.
Truhen und Hebel
Doch natürlich kommt kein Spiel bloß mit ständigen Schlachten aus und auch ein God of War wäre nichts ohne die schlichten Truhen, die nach wie vor durch Halten von R1 geöffnet werden. Darin enthalten sind entweder drei Sorten von Seelen, oder drei verschiedene Relikte, die, sobald ihr drei einer Sorte gesammelt habt, eure Lebensenergie, die Magie oder euren Itembalken erweitern.
Zweitere wird verbraucht, wenn ihr eure Magieangriffe einsetzt – etwa ein Schildkrötenformation aus Soldaten, die euch für kurze Zeit beschützen, oder eine beschworene Seele, die eure Gegner beschäftigt. Der Itembalken hingegen ist für die Verwendung eurer Zweitwaffen und Items wichtig, also zum Beispiel den Bogen oder den Kopf von Helios, mit dem ihr dunkle Bereiche erleuchten und zudem Dinge sehen könnt, die sonst nur Götter sehen. Während sich dieser Balken auch selbstständig wieder regeneriert, benötigt ihr für euren Gesundheits- und Magievorrat die oben genannten Seelen. Zu den HP (rot)- und Magieseelen (blau) gibt es noch rote Seelen, die euer Erfahrungskonto füllen. Mit Hilfe dieser Erfahrung könnt ihr im Upgrade-Menü eure Waffen verbessern und so neue Angriffe und Techniken freischalten.

Während riesigen Rätseln muss natürlich auch der eine oder andere Liter Blut vergossen werden
Zusätzlich zum Öffnen von Truhen werdet ihr noch durch diverse, teilweise recht umfangreiche Rätsel von euren Bluttaten abgelenkt. Hier reicht die Bandbreite von simplen Schalter-öffnet-Tür-Rätseln über kleinere Portal-Hüpfereien bis hin zu komplizierteren Knobeleien, bei denen oft nichts ist, wie es scheint und ihr Dinge mit einem anderen Blickwinkel betrachten müsst... Solche Rätsel beschäftigen euch dann schonmal ein paar Spielminuten, aber nie zu lang, um langweilig zu werden. Davon abgesehen werden immer wieder ein paar Gegner dazwischengeschoben, damit euer Blutdurst gestillt wird. Und wer dann immernoch ein kleines Päuschen vom knallharten Halbgötter-Alltag braucht, der kann natürlich auch einen Abstecher in die Privatgemächer seiner Flamme machen und dort ein kleines Bett-Abenteuer inklusive Quicktime-Event erleben – das muss schließlich auch mal sein, im Endeffekt ist Kratos ja auch nur ein Mann. Zu guter Letzt gibt es nach dem Durchspielen noch einen extra harten Schwierigkeitsgrad sowie die Challenges, für alle, die eine Herausforderung suchen.
Schlichtweg episch
Ihr fandet God of War 2 zu seinen Zeiten atemberaubend? Das war es ja auch... damals... Heutzutage ist aber deutlich mehr drin, und der Schritt in die nächste Konsolengeneration hat Kratos mehr als nur gut getan. Nicht nur, dass sein Charakter-Modell überaus detailliert ist (die durch seinen Tod entstandene Narbe ist natürlich deutlich erkennbar) und die Effekte während der Kämpfe grandios aussehen, auch die weitsichtigen Hintergründe, in denen immer etwas los ist, und die Levelarchitektur können absolut überzeugen und zeigen abermals, wozu die PS3 fähig ist. „Mehr Polygone und bis zu 50 Gegner auf einmal“ hören sich in der Theorie „ganz toll“ an, sind im Endergebnis aber einfach nur mit dem Prädikat „Episch“ zu bezeichnen. Selten sahen Kämpfe so atemberaubend aus.

Jeder Kampf verwandelt sich in eine Symphonie aus herumwirbelnden Klingen und spritzendem Blut
Wenn man gerade einen guten Lauf hat und gegen eine kleine Armee kämpft, sich die Fußsoldaten auf euch stürzen und ihr mit einem lauten Schrei aus dem Menschenknäuel ausbrecht, nur um dann mit einem 360°-Angriff alle Gegner alle zu köpfen, woraufhin eine teuflische Bestie aus der Hölle emporsteigt, deren Angriffen ihr mit gekonnten Hechtsprüngen ausweicht, um dann in einem günstigen Moment zuzuschlagen und das Ungetüm letztendlich mit einem grandios inszenierten Quicktime-Event wieder zurück in die Unterwelt schickt, dann fällt es schwer, ein kleines „Yeeeeah!“ zu unterdrücken und das selbstzufriedene Grinsen zu unterdrücken.
Das vorhin erwähnte Gimmick, dass das Blut an Kratos haften bleibt, trägt zu dieser wirklich blutigen Inszenierung nur noch bei! Ebenfalls sehr gelungen sind die Flugsequenzen, in denen ihr mit hoher Geschwindigkeit einen vertikalen Tunnel hoch- oder runterfliegt und dabei Pfeilern, gewaltigen Feuerbällen und Trümmerteilen ausweichen müsst.
Auch beim Sound gibt es nichts zu meckern – die Sprecher sind, vor allem in der englischen Original-Sprachausgabe absolut überzeugend, doch auch die deutschen Sprecher machen ihren Job sehr gut. Der wirklich sehr gelungene Soundtrack vollendet dieses epische Gesamtpaket und untermalt besonders die Kämpfe auf eine einzigartige Art und Weise.
Kleine Kritik
Jetzt habe ich das Spiel auf 3 Seiten in alle Höhen gelobt, doch irgendwas muss God of War 3 doch auch falsch machen, irgendwo muss es doch etwas geben, dass es zu bemängeln gibt. Und in der Tat, wenn man darauf aus ist, findet man auch ein paar Kleinigkeiten. Beispielsweise gibt es immer wieder unsichtbare Wände, die zwar den eigenen Tod verhindern, aber trotzdem irgendwo die spielerische Freiheit rauben.
Testergebnis
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