Call of Duty: Modern Warfare 3
Es geht wieder in den Kampf, denn seit wenigen Tagen steht auch der dritte Titel der Modern Warfare-Reihe in den Läden. Während sich Fans der Reihe auf ein actionbepacktes Hollywood-Spektakel freuen, ärgern sich Kritiker über das scheinbar kontinuierliche Spiel-Recycling der Entwickler. Aufgrund einiger Meinungsverschiedenheiten mit Publisher Activision verließen darüber hinaus eine Menge relevanter Mitarbeiter das Entwicklerstudio Infinity Ward. Lange rätselte die Spieleszene, ob dies tiefgreifende Folgen für den dritten Reihenableger mit sich bringen würde. Ist es nun den Entwicklern gelungen, mit Modern Warfare 3 wieder einen Volltreffer zu landen oder hat die Qualität dieser Ausgabe unter den Unstimmigkeiten beim Hersteller gelitten? Unser Testbericht gibt euch den gnadenlosen Durchblick!
Singleplayer
Modern Warfare 3 beginnt genau da, wo sein Vorgänger den Spieler mit unklarem Ausgang zurückgelassen hat. Captain Price und Captain „Soap“ MacTavish befinden sich noch immer in akuter Bedrohung im Himalaya-Gebirge, wo sie schwer verletzt um ihr Überleben kämpfen. Währenddessen versinkt die Welt im Chaos des Dritten Weltkrieges, welcher unbeirrt vom russischen Ultra-Nationalisten Vladimir Makarov und der geringfügigen Unterstützung eines korrupten US-Generals herbeigeführt wurde. Situationsanalyse: Russland überfällt mittels gewaltiger Invasionen nahezu alle Länder der Welt mit dem Ziel, Weltmachtstatus zu erlangen. Die Einzigen, die Makarovs Pläne zu vereiteln wissen, sind natürlich die Protagonisten aus MW2.Im Fortgang des Spiels bemüht man sich demnach die russischen Invasionen zu zerschlagen und Makarov, den Ursprung alles Bösen, zur Strecke zu bringen. In altbekannter „Call of Duty“-Manier geschieht dies aus der Sicht verschiedener Mitglieder von Spezialeinheiten, welche man abwechselnd in den unterschiedlichsten Einsätzen virtuell verkörpert. Diese Einsätze erfolgen dabei in zahlreichen Weltregionen: Von den Hauptstädten Europas bis hin zu diversen Szenarien in Sibirien und Ost-Afrika ist alles dabei. Die jeweiligen Schauplätze stehen dabei in enger Verbindung mit der Art des Einsatzes. Während man sich in den europäischen Metropolen meist durch epische Schlachten und Invasionen kämpft, infiltriert man in verdeckten Operationen allerhand Örtlichkeiten in Sibirien und Ost-Afrika. Dabei spielt man unter anderem als Scharfschütze oder Infanterist, bemannt verschiedene Boden- oder Luftfahrzeuge und Mörser oder übernimmt sogar die Kontrolle über ferngesteuerte Drohnen. An ausreichend Abwechslung fehlt es Modern Warfare 3 also sicherlich nicht. Auch wenn MW3s Story nur wenige Überraschungen mit sich bringt, wird diese konsistent, spannend und actiongeladen erzählt. Es mag widersprüchlich klingen, dass dies nicht zuletzt auf das konventionelle Missionsdesign der Modern Warfare-Reihe zurückzuführen ist.
Das grundsätzliche Design der Missionen hat sich nämlich kaum verändert. Die noch immer schlauchartigen Levels des Spiels führen den Spieler wie gewohnt mittels allerlei gescripteten Momenten von Checkpoint zu Checkpoint. Dies geschieht, wie man es von Call of Duty kennt, auf Kosten der spielerischen Unabhängigkeit. Das Fehlen von alternativen Laufwegen lässt sich daher nur mit Modern Warfares obligatorischer Art des Storytellings erklären. Diese ermöglicht es den Entwicklern, den Spieler durch eine atemberaubende und actionbepackte Geschichte zu führen, welche geradezu Hollywood-ähnlich inszeniert wurde und sich folglich eher wie ein interaktiver, fünf bis sechs Stunden langer Kinofilm spielt. Die spielerische Freiheit weicht daher zugunsten einer fesselnden Story-Abwicklung – für mich ein zweckmäßiger und durchaus vertretbarer Kompromiss!Spielerisch ist Modern Warfare 3 tatsächlich schneller und actionreicher als je zuvor. Die packende Action und eine beeindruckend umfangreiche Abwechslung verspricht dem Spieler Unterhaltung pur, wodurch die lineare Spielmechanik als Grund für Beanstandungen wegfällt. Auch Modern Warfare 3 hat übrigens seine eigene kleine Skandal-Szene bekommen. Man erinnere sich nur an den Medienskandal infolge der „Flughafen-Massaker-Szene“ aus dem Vorgänger, dank welchem Activision wohl eine Menge Marketingkosten gespart haben dürfte. MW3s Skandal-Szene charakterisiert sich dieses Mal in Form einer Amateur-Videoaufnahme einer Kleinfamilie samt Kind, dessen dokumentierter London-Urlaub brutal durch einen explodierenden Lastwagen samt Giftgasausstrom beendet wird. Wie aus MW2 geläufig, wird man allerdings zu Beginn des Spiels gefragt, ob man besagte „anstößige Mission“ ohne Einschränkung spielen möchte oder nicht.
Technisch tritt Modern Warfare 3 allerdings zweigeteilt auf. Die musikalische Inszenierung des Spiels wurde wirklich überragend umgesetzt. Je nach Situation werden rockige Arien oder heroische Streichstücke eingespielt, um das Gewicht der jeweiligen Lage noch ausdrucksvoller zu vermitteln. Zu meinem Bedauern steht dies im Kontrast zu der deutschen Synchronisation. Diese wirkt, aufgrund von fehlender Begeisterung und Leidenschaft, häufig fehl am Platz und unpassend. Schade eigentlich, denn dieses Manko trübt dann doch die sonst epische Hollywood-Inszenierung. Die Soundkulisse auf dem Schlachtfeld (Explosionen, Waffensounds, etc.) bewegt sich dabei im besseren Mittelfeld, reicht allerdings insgesamt nicht an die des Branchen-Konkurrenten Battlefield 3 heran.

Visuell präsentiert sich MW3 mit herkömmlicher IW-Engine, welche erstmals in Call of Duty 2 im Jahre 2005 eingesetzt wurde. Diese sieht, ungeachtet einiger Verbesserungen, allerdings stark veraltet und verbraucht aus, vergleicht man diese nur einmal mit anderen, gegenwärtigen Spielen wie Battlefield 3. Beinahe alles erinnert an den Reihen-Vorläufer MW2, wenn nicht sogar an Modern Warfare 1. Texturen scheinen ungeschärft, Effekte eindruckslos und Schatten und Beleuchtung ungeschliffen. Optische Höhepunkte fehlen in MW3 ergo gänzlich.
Multiplayer
Hat man erst einmal die ca. 6 Stunden lange Solo-Kampagne beendet, bietet MW3 wie schon die Vorgänger weiteren stundenlangen Spielspaß im Multiplayer. Obwohl dieser beinahe schon der Schwerpunkt des Spiels ist, hat sich im Vergleich zu den Vorläufern nur wenig verändert. Auf gegenwärtig 16 hauptsächlich kleinen Karten können sich bis zu 18 Spieler in rasanten Schusswechseln duellieren. Zentraler Ansporn ist noch immer das vertraute Ranking-System mit all seinen freischaltbaren Waffen, Verbesserungen und Spezialfähigkeiten. Während sich Rivale Battlefield auf große, taktische Gefechte konzentriert, ist MW3s Leitspruch klar: Es gibt nur ein Gas: Vollgas! Schnelle Action ohne Atempause.Nicht zuletzt ist dies auf die Größe und Konzeption der durchweg an der Solo-Kampagne orientierten Maps zurückzuführen, welche durch ihre überraschend stark verwinkelten Schauplätze zu geringfügiger Raffinesse und äußerster Action ermutigen. Eine weitere Konsequenz ist die geringere Rolle der Scharfschützen-Klasse, welche infolge der vielen Map-Verzweigungen kaum noch Vorzüge bietet. Ein Großteil der Multiplayer-Modi wurde von vorangegangenen Titeln der Reihe übernommen. Zur Auswahl stehen alte Bekannte wie (Team-) Deathmatch, Herrschaft, Hauptquartier und Sprengkommando, allerdings auch neu eingeführte Spielvarianten, wie zum Beispiel der Modus „Abschuss-Bestätigt“. Im Grunde verleiht dieser der konventionellen Team-Deathmatch Variante eine erfrischende taktische Richtung, indem die Abschüsse nur dann zählen, wenn ein Mitglied des Teams die Hundemarke des zuvor eliminierten Gegners einsammelt. Besonders positiv an diesem Modus ist, dass er häufig frustrierendes Camping verhindert.
Die wesentlichste Innovation ist wohl das renovierte und aufgearbeitete Killstrak-System (nun Pointstreak-System). In MW3s Multiplayer gibt es nun, neben simplen Abschüssen, auch Punkte für Team-unterstützende Aktionen, wie zum Beispiel das Erobern oder Beschützen der eigenen Basis oder Flagge. Weiterhin kann man nun aus drei verschiedenen Belohnungs-Systemen wählen: Das Sturm-Paket kommt dem alten offensiveren Killstreak-System wohl am nächsten und gewährt dem Spieler Zugang zu Angriffshelikoptern oder sogar einem Juggernaut-Anzug. Das Unterstützungspaket ermöglicht dem Spieler hingegen seinen Kollegen intensiv zur Seite zu stehen. Beispielsweise kann der Spieler sein Team mit Schutzwesten ausrüsten, welche dem einzelnen Spieler noch mehr Panzerung gewähren, oder Boden-Luft-Raketenstellungen als Verteidigungsmaßnahme errichten. Dieses System setzt zudem den Kill-Count nach einem Tod nicht wieder auf Null zurück, sodass auch Neulinge die Erfahrung von Belohnungen machen können. Last but not least kann man im Spezialisten-Paket seinen Soldaten mit weiteren, über die herkömmlichen Perks hinaus reichenden Spezialfähigkeiten aufrüsten. Im Gegensatz zu den herkömmlichen Belohnungen erhält man so auch einen deutlichen Vorteil gegenüber seinen Kontrahenten, allerdings wird beim Tod auch wieder alles zurückgesetzt.Auch im dritten Teil der Modern Warfare-Reihe setzt Activision auf das automatische Matchmaking der Vorgänger. Die Spieler werden also wieder mit zusammengewürfelten und sporadischen Team-Matches verbunden, während der Spieler mit der besten Internetleitung automatisch als Host agiert. Geht der Host einmal verloren, wird das Spiel nach einer kleinen Unterbrechung einfach zum nächst Besseren migriert. Nachteilig an diesem automatisierten Matchmaking ist allerdings, dass man vor dem Spiel keinen Einfluss auf den Mapcycle hat. Nach jedem Spiel werden zufällig zwei mögliche Folge-Karten vorgestellt, für die von den Mitspielern gevotet werden können. Die Karte mit den meisten Votes gewinnt und wird als nächstes gespielt. So kann es sogar ärgerlicherweise passieren, dass man zwei Mal hintereinander dieselbe Map spielt.
Reichen einem die spieleigenen Modi nicht aus, kann man auch mit ein paar Freunden an einem privaten Match teilnehmen. In diesen kann man individuell die Einstellungen und Variationen des Spiels verändern, wodurch sich durchaus unterhaltsame Alternativen wie Black Ops Gun Game ergeben können. Diese privaten Sitzungen gelten allerdings alle als unranked, sprich: man bekommt keine Ranglisten-Punkte und Aufstiege. Leider gibt es für private Matches keine Spielervermittlung, wodurch man schon eine Hand voll Freunde auftreiben muss, um eine lebhafte Sitzung zu etablieren. Erneutes Highlight ist der wiederkehrende Koop-Modus, welcher sich nun über zwei verschiedene Modi erstreckt. Der altbekannte SpecOps-Modus erlaubt es zwei Spielern online sowie lokal auf 16 kurzweiligen aber durchaus herausfordernden Leveln ihr Können unter Beweis zu stellen. Diese Einsätze orientieren sich zwar ausnahmslos an der Solo-Kampagne, lassen den Spieler allerdings die verschiedenen Situationen aus einer anderen Sichtweise wiedererleben. Neu hinzugekommen ist der allemal vergnügliche aber ebenfalls kurzweilige Modus „Überleben“. In diesem muss man sich gemeinsam auf den üblichen Mehrspieler-Karten gegen immer stärker werdende Gegnerwellen durchsetzen - Gears' Horde-Mode lässt grüßen. Dieser Modus hat von den Entwicklern sogar ein eigenes Level-System spendiert bekommen, mit dem man vergleichbar wie im gewöhnlichen Multiplayer allerhand Waffen, Ausrüstungen und Spezialfähigkeiten freischalten kann. Bis September diesen Jahres ist kontinuierlicher Map-Nachschub für Call of Duty: Modern Warfare 3 garantiert, doch das hinter Infinity Ward nicht daran, bereits über den vierten Teil der Reihe zu sprechen. Er bestätigt Modern Warfare 4 in der aktuellen Ausgabe des UK-Play-Magazines. “Wir wollen mindestens zwanzig Inhalte für Modern Warfare 3 entwickeln. Und mit den [...]
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“It doesn’t take the most powerful nations on Earth to create the next global conflict. Just the will of a single man.” – Vladimir Makarov in MW3 Es geht wieder in den Kampf, denn seit wenigen Tagen steht auch der dritte Titel der Modern Warfare-Reihe in den Läden. Während sich Fans der Reihe auf ein [...]
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