BioShock 2
2007 verzauberten uns die Entwickler von 2K mit einem Spiel, das Zeichen im Design setzte und allem voran mit einer spannenden Geschichte und einer faszinierenden Welt mit einer schauderlichen Klangkulisse imposant herausstach. Spieler und Kritiker waren sich einig und gaben dem geistigen Nachfolger von System Shock 2 Bestnoten mit dem Prädikat Spiel des Jahres 2007. Nun, knapp drei Jahre später, erschien vor wenigen Tagen der Nachfolger und will den Spieler ein weiteres Mal dazu anmuten, die versunkene Unterwassermetropole Rapture zu untersuchen. Wir sind demnach ein weiteres Mal in den Atlantik abgetaucht.
Der Anfang vom Ende
Jeder Fan und Spieler, der das Erstlingswerk durchgespielt hat, weiß, dass man nicht nur gegen die großen Big Daddys kämpfen, sondern sich zum Schluss auch in einen verwandeln musste, um überhaupt eine Chance zu besitzen, den Endboss zu besiegen. Das Ende war je nach Spielverhalten anders und die kreativen Köpfe haben genau drei davon implementiert, je nachdem, wie viele Little Sisters man gerettet beziehungsweise getötet hat.Im zweiten Teil schlüpft ihr diesmal von Anfang an in die Rolle eines Big Daddys, der anscheinend schon längst tot war, aus irgendeinem Grund aber wieder das Licht der Welt erblickt. Wer er ist, wie seine Vergangenheit aussah und warum er auf einmal wieder lebt, bleibt zunächst offen und wird erst sehr spät preisgegeben. Ist das vielleicht nur ein Alptraum? Eine Frage, die sich der Spieler mit Sicherheit stellen wird. Und obwohl der Anfang bei weitem nicht an die Klasse des Vorgängers herankommt, wird man schnell von der unheimlichen Metropole Rapture in ihren Bann gezogen.
Trotz des Verlusts einiger Kreativköpfe ist der Art Deco Stil der 50er und 60er Jahre nach wie vor genial in Szene gesetzt. Die komplette Welt, in der ihr mit Themen wie einem Verkaufsmarkt oder auch einem Museum konfrontiert werdet, wartet mit unzähligen Details auf. So lohnt es sich, jeden Winkel der im Großen und Ganzen geradlinigen Welt, die hin und wieder ausufernd werden kann, genauestens zu untersuchen und zu betrachten. Wer viel umherforscht, wird auch mit herumliegenden Tonbändern belohnt, die viel über die unterschiedlichen Persönlichkeiten von Rapture preisgeben und im Grunde auch die Story vorantreiben.
Erstaunlicherweise erzählt das Entwicklerteam die Geschichte rund um unseren Big Daddy nicht mehr so intensiv wie beim Vorgänger, zudem gibt es keine plötzlichen Wendungen oder ein unerwartetes Ende. Vielmehr wird hier Wert auf die Geschichte der Stadt und ihrer Personen gelegt, was den Fan auf jeden Fall tiefer in die Geheimnisse der mysteriösen Welt eintauchen lässt, die auch Antworten parat hält.

Kleine und große Schwestern
Musstet ihr 2007 noch durchgehend gegen die Big Daddys kämpfen und euch entscheiden, ob ihr die Little Sisters am Leben lasst oder nicht, läuft das ganz anders ab, wenn man selbst im Tauchanzug steckt. Natürlich müsst ihr nach wie vor gegen andere Big Daddys kämpfen, die eine Little Sister beschützen, könnt nach einem erfolgreichen Kampf aber die kleinen, süßen Dinger adoptieren, damit sie für euch Adam aus bestimmten Leichen in den Arealen saugen. Hier könnt ihr euch entscheiden, ob ihr sie sofort erledigt, diese maximal zwei Leichen aussaugen lasst und sie danach befreit oder tötet. Je nachdem, für welche Option ihr euch entscheidet, erhaltet ihr eine unterschiedliche Menge Adam. Geht man den bequemen Weg erspart man sich viele Kampfszenen mit den Splicern (Bürger von Rapture), aber man bekommt nur eine geringe Menge Adam. Möchte man aus den Vollen schöpfen, muss man die Little Sisters Leichen aussaugen lassen, bei diesen Aktionen aber auch mit vielen Feinden rechnen, die von allen Seiten angestürmt werden, weil sie sprichwörtlich von den kleinen Mädchen angezogen werden.
Dadurch gestaltet sich auch das Spielgeschehen als etwas schwieriger, als noch beim Vorgänger. Man hat also viel mehr mit Gegnern zu tun und zudem gibt es auch noch eine starke neue Art von Feind, die den Weg in die Unterwassermetropole gefunden hat. Die Rede ist von den Big Sisters. Sie tragen ebenfalls einen Anzug wie die Big Daddys, sind aber noch hartnäckiger, da sie wesentlich wendiger sind. Im Grunde kann man sie als neue Wächter der Stadt sehen. Hin und wieder kann es also passieren, dass ihr auf einmal kreischende Geräusche hört und das Bild verzerrt wird. Genau dadurch macht sich der bevorstehende Kampf bemerkbar und um zu überleben, muss man wesentlich geschickter vorgehen und mit mehr taktischen Mitteln kämpfen.

Nebenher sei gesagt, das die Gegnervielfalt ein wenig zugelegt hat. So sehen diese unterschiedlicher aus und wurden zudem noch um ein paar weitere Splicer-Arten bereichert.
Elementare Gewichtung
Schon in der ersten Spielstunde wird deutlich, wie heruntergekommen die Stadt ist. Nicht nur an der Architektur macht sich das bemerkbar, sondern auch die erkrankten Bürger lassen erahnen, dass hier eine tödliche und heimtückische Welt „erstrahlt“.
Um sich also im Kampf zu behaupten, kann man als Big Daddy bekannte Mittel einsetzen und sammeln, die den Alltag erleichtern sollen. Neben Waffen wie einen überdimensionalen Bohrer, einer Nietenpistole, einem Maschinengewehr und einer Schrotflinte, lassen sich auch Elemente als Waffen missbrauchen. Die sogenannten Plasmide, die mit EVE gefüllt werden, können neben normaler Waffengewalt angewendet werden. Zu Anfang stehen euch nur wenige Plasmide zur Verfügung, doch schon mal gibt es neben dem „Electrobolt“ und „Abfackeln“ auch andere Elemente, die Gegner erfrieren lassen oder in die Luft wirbeln.
Das Prinzip wurde vom Vorgänger übernommen. Durch EVE-Spritzen könnt ihr eure Mana-Power auffüllen und an diversen Stationen lassen sich neue Kräfte kaufen. Auch Verkaufsautomaten, die Munition und Verbandskästen enthalten sind nach wie vor ein wichtiger Bestandteil des Spiels. Selbstverständlich ist auch das Kaufen neuer Slots möglich, um mehr Kräfte zu tragen und auch die getragenen Waffen lassen sich an den dafür bestimmten Stationen jeweils einmal verbessern.
Selbstverständlich darf auch das Hacken von Kameras, Geschützen und Automaten nicht fehlen. Mit Hilfe eines dafür bestimmten Werkzeugs, das ihr ziemlich am Anfang vom Spiel erhaltet, könnt ihr sogar aus der Entfernung das gewünscht Ziel hacken. Dabei bewegt sich eine Nadel in einem Feld, das aus grünen, roten und blauen Bereichen besteht, hin und her und muss per Knopfdruck gestoppt werden, wenn es eben auf einem grünen oder blauen Bereich zeigt. Je nach Schwierigkeit müssen mehrere Stufen gehackt werden. Trefft ihr das grüne Feld mit der Nadel, habt ihr erfolgreich gehackt, während bei blau sogar noch eine Belohnung auf euch wartet. Rot hingegen lässt fliegende Drohnen frei, die ihr im Kampf erledigen müsst.
Überall im Spiel können zudem die Leichen nach Inhalten untersucht werden. Doch auch Kühlschränke, Kisten, Schubladen und Tresore bieten Gegenstände wie Geld, Bandagen, Verbandskästen oder Munition. Da Munition und Geld rar gesät sind, ist es wichtig, damit sparsam umzugehen.
Da Bioshock 2 aber den Spieler genau so viel Freiheit schenkt wie beim ersten Teil, ist es möglich, seiner eigenen Taktik nachzugehen. Verbrennt man die Splicer mit einem Feuerschuss, weil diese sich gerade in einer Öllache befinden oder wende ich pure Gewalt mit meiner Wumme an? Entscheidungen die ihr selbst tragen könnt, was nach wie vor ein guter Pluspunkt für das Spiel ist. Ab und zu müsst ihr sogar moralische Entscheidungen treffen, die das Spielerlebnis ändern werden, je nachdem, wie ihr euch entscheidet.Neuerdings seid ihr übrigens nicht nur in den Hallen der Stadt unterwegs, sondern müsst auch auf dem Grund des Ozeans umherirren, da viele Bereiche nur von außerhalb erreichbar sind.
Leise Schreie
Über jeden Zweifel erhaben ist nach wie vor die technische Unterstützung des Spiels. Allem voran die Sounduntermalung ist grandios. Allein durch die beklemmenden und orchestralen Untertöne und Musikstücke kommt ein intensives Spielgefühl auf. Man schleicht regelrecht durch die verlassenen Gänge und wartet nur darauf, das gleich ein Gegner aus der Ecke hervorspringt und mit seinem Rohr auf einen einschlägt.
Überall hört man das knartzen von Blech und Stahl, hier erklingen Wassertropfen, dahinten unterhalten sich zwei Splicer, der Big Daddy gibt aus der Ferne fürchterliche Geräusche von sich. Darüber hinaus ist auch die deutsche Synchronisation exzellent in Szene gesetzt und die Sprecher machen ihren Job überaus professionell.
Das Visuelle zeigt sich dafür nicht mehr ganz so pompös wie noch beim Vorgänger. Zwar ist der Art Deco Stil nach wie vor perfekt in Szene gesetzt und auch die Grafik selbst sieht immer noch gut aus, aber begeistert einfach nicht mehr so ganz wie früher. Zudem bemerkt man hin und wieder nachladende Texturen, die teilweise unschön anzusehen sind. Auch die stellenweise langen Ladezeiten können ein wenig nervig sein.
Bürgerkriege
Neben dem Singleplayer, der euch locker über zehn Stunden beschäftigen wird, bietet Bioshock 2 neuerdings auch einen Multiplayerpart, der von den Arkane Studios entwickelt wurde, die schon Erfahrung mit den Unreal Tournament-Spielen machen konnten. Neben bekannten Deathmatch-Varianten gibt es auch einen Modus, in dem ihr eine Little Sister beschützen müsst.
Bevor ihr euch in den Multiplayer einklinkt, muss zunächst ein eigener Charakter erstellt werden, den ihr nach euren Belieben ausrüsten könnt. Da das Spiel über ein Levelsystem verfügt, stehen euch zu Anfang nur eine einfache Pistole und eine Schrotflinte zur Verfügung. Erst nachdem ihr Erfahrungspunkte gesammelt habt und einen höheren Rang erreicht, werden auch neue Waffe und Plasmide freigeschaltet. Der Clou im Multiplayer liegt darin, dass man sich auch in einen Big Daddy verwandeln und somit viel Schaden austeilen kann. Da sich immer nur ein Spieler in dieses Monster verwandeln kann, wird jedes Match zu einer kleinen Herausforderung und einem Wettrennen nach dem Anzug.

Schade nur, das es teilweise lange dauert, bis ein Server voll ist und es hin und wieder zu kleineren Lags kommt. Es bleibt zu sagen, dass der Mehrspielerpart keineswegs schlecht ist, aber auch nur als Mittel zum Zweck dient und eigentlich der Singleplayer das Hauptaugenmerk bildet.
Testergebnis
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