Argo Online
Dritter Weltkrieg? Pff!
Albert Einstein hat einmal gesagt „Ich weiß nicht, mit welchen Waffen der Dritte Weltkrieg ausgetragen wird, aber im vierten kämpfen wir mit Stöckern und Steinen.“ Wenn es nach den Machern von Argo Online geht, dann hat sich der Begründer der Relativitätstheorie in dieser Angelegenheit ein wenig verkalkuliert, denn das Spiel ist im 23. Jahrhundert angesiedelt und erzählt die Geschichte von zwei Fraktionen, die nach dem Vierten Weltkrieg – der letztendlich wirklich mit Nuklearwaffen ausfechtet wurde – um die Ressource Earthdium und eine völlig veränderte Erde kämpfen. Da wären auf der einen Seite die Noblian, die sich zu Beginn des Krieges in unterirdische Bunker zurückgezogen haben und die neue Welt nun mit ihrer hochentwickelten Technologie zurückerobern wollen. Demgegenüber stehen die Floresslah, die auf der Oberfläche blieben und den atomaren Winter irgendwie überlebt haben – auch wenn sie sich optisch ein klein wenig verändert haben. Gleichzeitig haben sie gelernt, die Natur zu schätzen und mir ihr im Einklang zu leben, sodass sie nun auch über magische Kräfte verfügen. Technologie-Freaks gegen Naturliebhaber, Steampunkt gegen Fantasy – das kann nicht gut gehen und so entsteht natürlich erneut ein Konflikt, in den ihr, wie sollte es auch anders sein, hineingeworfen werdet.
Typisch für jedes MMORPG folgt auf die Fraktionsauswahl die Charaktererstellung, wobei sich Argo Online hier ein paar Eigenheiten erlaubt und im F2P-Bereich vor allem mit einer großen Fülle an Einstellungen und Klassen aufwarten kann. Auf Seiten der Noblian stehen euch die Klassen Warrior, Protector, Bomber, Chaser, Paladin und Priest zur Verfügung, während ihr bei den Floresslah aus Taurus, Elementarist, Warlock, Shaman, Defender, Saggitarius, Rogue und Druid wählen dürft – jeweils acht Klassen pro Fraktion also. Generell füllen diese die typischen Rollen eines MMORPGs ein, also Tanks, Heiler und Damage-Dealer (Nah- und Fernkampf). Ein eher fragwürdige Entscheidung war es jedoch, das Geschlecht der Klassen im Vorhinein festzulegen – einen weiblichen Bomber werdet ihr dementsprechend wohl nie sein.

MMORPG oder Action-Spiel?
Habt ihr euch dann für eine Klasse entschieden, geht es nach dem Fraktionsintro auch schon direkt in die Spielwelt. Zu Beginn startet ihr auf einer speziell für die ersten Level angepassten Insel, auf der ihr eure ersten Schritte lernt und euch viele Aspekte des Spiels über diverse, schön gestaltete Quests beigebracht werden. Wer in seinem Leben schonmal ein MMORPG oder ein einfaches Rollenspiel gespielt hat, dürfte sich hier schnell zurechtfinden. Wirklich neu ist zunächst nur der Zusatznutzen des Rucksacks, denn dieser hält nicht nur als virtuelle Sammeltonne für alle möglichen Gegenstände her, die ihr so findet und bekommt, sondern kann auch aufgeladen werden, sodass dann per Klick etwa eure Angriffswerte erhöht werden oder ihr dank Flügeln höhere Ebenen erreichen oder Hindernisse überspringen könnt.
Letzteres ist ganz nützlich, da ihr so auch ein Stück schneller vorankommt. Später im Spiel erhaltet ihr natürlich noch Mounts, die ihr sogar trainieren und auf denen ihr kämpfen könnt! Ein weiteres Feature, das es so vermutlich noch in keinem anderen größeren MMORPG gegeben hat, ist der TPS (Third-Person-Shooter)-Modus, durch den ihr von der klassischen „Gegner anklicken und über Kürzel Angriffe ausführen“-Methode abweicht und euer Spiel in einen Action-Titel verwandelt. Hier müsst ihr dann genau zielen, um euren Feinden auch Schaden zuzufügen und entsprechend ausweichen, wenn es mal brenzlig wird – ein netter Zusatz, der für einige Stunden ganz spaßig ist, allerdings trieb mich die Macht der Gewohnheit dann doch wieder zum normalen Modus zurück.Noch mehr Mixups!
Habt ihr dann eure ersten paar Aufträge abgeschlossen, lässt man euch früher oder später auf die große weite Welt los. Hier warten dann ganz klassisch Gruppenquests, Dungeons, Raid-Instanzen und natürlich auch der Kampf gegen andere Spieler, der in Argo Online recht umfangreich ausfällt und in vielen Varianten daherkommt. So könnt ihr euch nicht nur einfach unterwegs vermöbeln, sondern auch auf speziellen Schlachtfeldern gegeneinander antreten. Hier warten einige nette Modi – etwa der große Field War, in dem insgesamt 200 Spieler (100vs100) gegeneinander antreten. Wer nicht ganz so viele Feinde haben will, kann sich auch mit maximal 9 Mitspielern im RTS-Modus austoben. Ja, richtig gelesen, das Online-Rollenspiel bietet nicht nur eine zusätzliche TPS-Steuerung, sondern obendrein noch einen Echtzeitstrategie-Modus, bei dem ihr gegen andere Spieler um Ressourcen kämpft, Einheiten produziert und versucht, die gegnerische Basis zu vernichten. Das ist eine gelungene Abwechslung zum sonstigen MMORPG-Alltag und weiß durchaus zu gefallen.
Hinzu kommt noch eine weitere Neuheit – PvP-Dungeons! Hier treten zwei Parteien in einem Wettstreit gegeneinander an und prügeln sich am Ende um die Beute des Bossgegners. Durch die Verbindung von PvE und PvP hat man also nicht nur mit normalen Monstern zu tun, sondern auch noch mit gierigen Spielern der anderen Fraktion – coole Sache!
Steampunk vs. Fantasy
Bei der Präsentation wandert Argo Online auf einer zweischneidigen Klinge. Wirklich großartig ist das Charakter- und vor allem das Monster-Design – hier kämpft ihr gegen so absurde und groteske, gleichzeitig aber liebevoll gestaltete Viecher und auch die Charaktere machen dem Steampunk- bzw. Fantasy-Look alle Ehre. Schaut man sich aber den Rest des Spiels an, dann kommen Grafik-Enthusiasten ein klein wenig die Tränen ob der matschigen Texturen, tristen Umgebungen und polygonarmen Modelle. Auch soundtechnisch ist das Spiel bis auf die ganz nette Musikuntermalung recht schwach auf der Brust und vor allem die deutsche Lokalisierung (Texte) steckt noch ganz tief in den Kinderschuhen – hier muss auf jeden Fall schnell nachgearbeitet werden, um die deutsche Community nicht zu verscheuchen.
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