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Eure Wertung:
17 votes
6.9

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Anno 2070
Release: erschienen
Genre: Aufbau- und Wirtschaftsstrategie
System: PC
Hersteller: Blue Byte/Related Designs
Vertrieb: Ubisoft
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Anno 2070

Geschrieben von: am 30.11.2011
Seit nunmehr 13 Jahren gibt es die Anno-Reihe und ich kann mich zu denjenigen dazuzählen, die von Anfang an auf der Euphorie-Welle des Erstlings geschwommen sind. Das „Es gibt immer etwas zu tun“-Gefühl, die zahlreichen Bedürfnisse der Bürger im „late-game“ des Endlosspieles sowie die allgemeine Spieltiefe haben es mir seit jeher angetan. Mit Anno 2070 kommt aber ein kleiner stilistischer Bruch, denn erstmals in der Reihe geht es in die Zukunft! Das bedeutet natürlich auch, dass es zahllose neue Gebäude, Einheiten und so weiter und so fort gibt. Die Jungs von Blue Byte und Related Designs haben definitiv kreative Ergüsse gehabt, doch passen diese auch zusammen?

Generell müsste ich die Frage mit einem „Ja“ beantworten, doch dann wiederum erschließen sich mir einige Dinge so gar nicht, doch alles der Reihe nach. Im Prinzip macht ihr dasselbe wie auch schon in den grandiosen Vorgängern – ihr deckt die Bedürfnisse eurer Bewohner ab, um so das nötige Wachstum der Stadt zu gewährleisten, versucht dabei aber auch gleichzeitig, das eigene Wohlhaben in Form von Gold zu steigern, denn immerhin müssen die ganzen Waren zum Teil importiert werden und diverse Gebäude bauen sich nicht nur mit Materialien, sondern auch das entsprechende Kleingeld wird benötigt. Gelegentlich dürft ihr auch einen militärischen Konflikt lösen, doch das passiert eher selten und läuft genau so – leider – unbequem ab wie in den Ablegern zuvor.

Erneut gibt es eine Kampagne in Anno 2070, wie auch schon im vorangegangenen Spiel, und wieder einmal haben es die Entwicklerjungs und –mädels nicht geschafft, das Tutorial weniger als gefühlt 10 Missionen bestehen zu lassen. Von den insgesamt elf Missionen spielt sich just genannte Nummer wie eine Hand-in-Hand-Führung durch die verschiedenen Elemente des Spiels, worin der Sinn besteht, euch ständig hin und her zu schicken. Spannend wird es erst, wenn die künstliche Intelligenz „versehentlich“ im HAL-900-Modus gestartet wird. Nichtsdestoweniger: Der Lerneffekt des Spiels trifft definitiv zu, wie ich anhand einiger Kollegen feststellen durfte, die zuvor noch nie mit Anno in Berührung kamen. Die Kampagne dauert übrigens mit rund 15 Stunden ganz ordentlich an. Die Neuerungen werden nämlich erst im Endlosspiel sichtbar.

Ecos und Tycoons – die ungeliebten Kinder

Die Ecos und Tycoons divergieren nicht nur auf philosophischer, sondern auch industrieller Ebene. Dummerweise besteht eure Aufgabe darin, die beiden Partien miteinander in Einklang zu bringen, was sich oftmals als nicht allzu leichtes Unterfangen herausstellt. Es kann beim Fehlschlag nämlich so weit gehen, dass ganze Waren- und Handelskreisläufe zum Erliegen kommen, wodurch wiederum eure Bürger nicht allzu amüsiert sein werden und ihr mit massiven Problemen kämpfen müsst. Doch das alles passiert nicht bis zur dritten Bevölkerungsstufe – die ersten zwei sind also lediglich zum Warmwerden da. Ein kleines Beispiel für den Twist zwischen Ecos und Tycoons: Ein Atomkraftwerk sorgt für wahnsinnig viel Strom und kann locker riesige Bevölkerungsschichten abdecken, ist aber unglaublich unbeliebt bei den Ecos. Diese bevorzugen Windräder, die jedoch über die ganze Insel sehr unpraktisch gestellt werden müssen, zudem gehen sie bedeutend mehr ins Geld als so ein Atomkraftwerk. Die Balance zu finden, um die Bedürfnisse beider Fraktionen zu befriedigen, ist das große Ziel des Spiels und macht es eben deswegen so unberechenbar.

Während ihr also schon bei der dritten Bevölkerungsstufe diverse Probleme erwarten dürft wie bereits beschrieben, gibt es auf der fünften und damit letzten Stufe mit den Techs eine weitere Partei, die euch das Leben erst recht schwer machen dürfte. Cooles Feature hierbei: Ihr dürft auch auf dem Meeresboden weiterbauen! Um dorthin zu gelangen, bedarf es lediglich des Zoomens unter die Wasseroberfläche und schwups erwartet euch ein schicker visueller Effekt und noch mehr bebaubares „Land“. Obgleich die philosophische Schere zwischen den Techs und den bisher bestehenden Fraktionen nicht so weit auseinander geht, wie unterhalb der Ecos und Tycoons, so erweitert die finale Fraktion das Geschehen dennoch maßgeblich um wichtige Gebäude. Darunter gibt es Perks, Akademien und wichtige Forschungseinrichtungen, die allen voran in fortgeschrittenen Partien und im Mehrspieler-Modus unglaublich facettenreich ausfallen, da ihr etwa mit der Arche – ein mobiles Kommandobot – permanente Boni für das nächste Spiel abgreifen könnt.

Wenig Übersicht – sehr tiefgründig

Insgesamt sorgt die „Holy Trinity“ an Fraktionen für einen bisher nie dagewesenen Tiefgang der Serie und das ist auch gut so! Leider aber haben die Entwickler es aber verpasst, der Komplexität auch ein anständiges HUB zu verpassen, sodass die Übersicht gewahrt wird. Das Baumenü könnte kaum unübersichtlicher ausfallen und so ist es mir oft genug passiert, dass ich die ganzen Sub-Menüs nach nur einem Gebäude durchforstet habe, da die Icons sich zu oft gleichen. Auch wenn ich den grafischen Stil des Spiels wirklich gutheiße und den modernen, wenn auch weniger charmanten, weil ernsteren Weg, Look des Spiels mag, so vermisse ich den Blick auf die Produktionsvorgänge innerhalb der Gebäude. Während ich zum Beispiel früher der Schmiede noch dabei zusehen konnte, was dort passiert ist, kann ich das heute nicht mehr. Die riesigen Gebäude aus Glas und Stahl sind sehr steril und zeigen kaum, was sich im Inneren verbirgt. Übrigens: Wenn ihr hin und wieder eine Produktion stoppen wollt, müsst ihr aufgrund der gleichen Looks vieler Gebäude sehr genau hinsehen, was ihr da gerade anklickt.


Dass die Entwicklerjungs und –mädels es aber dennoch können und ein tolles Menü hinzaubern, beweisen sie mit der Kommandozentrale, quasi dem Hauptmenü des Spiels, wo ihr nicht nur neue Spiele startet, sondern auch neue Sub-Aufgaben bekommt oder neue Missionen für die Kampagne aus dem Internet herunterladen könnt. Zum Zeitpunkt des Tests (28.11 und davor) ist auch schon der erste „DLC“ erschienen, derzeit kostenlos. Ob das auch so in Zukunft bleibt, ist ungewiss, aber schön wäre es. Zudem gibt es ein nettes Social-Feature, bei dem alle mit dem Netz verbundenen Anno-Spieler an Senats- und Weltrats-Wahlen teilnehmen können, um größere Änderungen am Spiel zu bestimmen bzw. abzulehnen. Im Prinzip könnt ihr hier also Balancing-Änderungen seitens der Entwickler vor der Implementierung verhindern, sollten diese nicht dem Gusto der allgemeinen Spielerschaft entsprechen. Auch beim Militär gibt es nun mehr Übersicht, wenngleich diese dadurch erkauft wurde, dass es nun keinerlei Bodeneinheiten mehr gibt. Zudem wurden zahlreiche Schritte automatisiert und die Wegfindung der Einheiten ist weniger absurd als in den Titeln zuvor. Nichtsdestoweniger ist dem Spiel spürbar anzusehen, dass der Fokus ganz eindeutig auf Siedlungen, Städtebau und Diplomatie liegt.
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Kommentar

Ich war schon sehr gespannt auf das futuristische Anno, hatte aber auch berechtigte Zweifel, ob der Settingwechsel dem Spielstil gut tun würde. Und ehrlich gesagt war ich im Nachhinein ein klein wenig wehmütig, denn das sehr sterile und saubere Getue des Spiels passt irgendwie nicht zum Namen „Anno“, welches für mich auch heute noch für mittelalterliche bzw. Renaissance-übliche Gebäude sowie Straßen steht. Nichtsdestoweniger kann der Titel in Punkto Komplexität und Konsorten vollends überzeugen und liefert durch die drei verschiedenen Fraktionen genug Stoff, um das Endlosspiel auch bei der letzten Zivilisationsstufe gehörig aufzupeppen. Im Endeffekt wird also jeder glücklich – alte Anno-Hasen, Neulinge oder jene, die ohnehin schon gerne Aufbau- und Wirtschaftsstragiespiele mögen.

Tops

  • Zukunftsszenario wirkt authentisch
  • Extrem hohe Langzeitmotivation
  • Szenariomodus ganz nett aufgerollt
  • Grafik-Design gefällt
  • Mehrspieler-Modus
  • Produktionsketten sinnvoll
  • Unterwasserwelt erweitert das gesamte Spektrum an Möglichkeiten
  • Komplexer als je zuvor
  • Hauptmenü wirkt übersichtlich und ungemein schick
  • Sehr einsteigerfreundlich trotz vieler Neuerungen
  • Entschlacktes und damit bedeutend leichter zu handhabendes Militärsystem
  • Tolle Hintergrundmusik

Flops

  • Kampagne ist nur ein Tutorial mit schwacher Story
  • Eintönige Missionen
  • Baumenüs für alle Fraktionen sehr unübersichtlich

Bewertung

Grafik 14
 Punkte
Sound 14
 Punkte
Gameplay 13
 Punkte
Steuerung 13
 Punkte
Mehrspieler 13 Punkte

Gesamtwertung

89 Prozent

Spiel der Woche


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