Mittelalter-Fans sind mit Medieval 2: Total War eigentlich sehr gut bedient. Das AddOn hat fuer zusaetzlichen Spass gesorgt, der auch heute noch ziemlich gut ankommt. Nun schicken uns Atari und 1C Company erneut in das Mittelalter und lassen uns historisch korrekte Schlachten fuehren. Doch halt: Wo ist der Welteroberungsmodus?!
Obwohl 13th Century: Death or Glory satte 21 Voelker bietet, die von Weissrussland ueber Burgund, Schottland bis hin zu Aragon reichen, ist der Umfang doch recht beschraenkt, was unter anderem auch daran liegen mag, dass es keinen Welteroberungsmodus gibt. Seit Medieval 2 moechte ich solch ein Feature einfach nicht mehr missen! Die sechs Kampagnen sind kurz, sehr kurz und schon nach wenigen Stunden durchgegamet. So richtig bitter ist vor allem die Tatsache, dass die Geschichte zusammenhangslos erzaehlt wird. Chronologisch ist jedenfalls anders. Ausserdem ist es doch sehr schade, dass jede Schlacht ein Einheitenlimit besitzt, wodurch niemals auch nur annaehernd so viele Ritter und Reiter auf dem Feld stehen werden, wie sie es in Wirklichkeit wohl getan haben. Der 'Freie Modus' hilft ein wenig ab, weil man sich hier Schlachten selbst erstellen kann, wobei die Karten allesamt vorgegeben sind. Aber die Anzahl an Einheiten kann festgelegt werden.
Warum 13. Jahrhundert?
So manch einer mag sich fragen, warum die Entwickler gerade das 13. Jahrhundert gewaehlt haben. Nun, die Antwort darauf ist ganz leicht: Im 14. Jahrhundert wurde das Schwarzpulver und damit auch die Gewehre erfunden, weswegen ihr in 13th Century nur mit Rittern und Fussvolk sowie Bogenschuetzen fighten werdet, die selbst mit dem roemischen Heer maechtig Probleme gehabt haetten, da deren Ausruestung kaum besser gewesen ist als in der Antike. Einen Harnisch hatten schon die Roemer gehabt und Speere oder auch Lanzen waren den Griechen ein Begriff. Die Frage, die man sich jedoch stellen sollte, ist folgende: Wird das 13. Jahrhundert thematisch auch korrekt wiedergegeben? Jaein. An sich wissen die ganzen Elemente wie Burgen, Ritter und Flaggen zu gefallen, erschaffen sie ja ein Mittelaltergefuehl, das darueber hinweg taeuscht, dass kein Event zum anderen passt. Ausserdem mangelt es den Schlachten an Fuelle, an Effekthascherei und vor allem an Dynamik.
Starke KI, mangelnde Balance und Uebersicht
Kommen wir doch mal zu den Kaempfen an sich, denn hier ist Taktik das A und O. Die Gegner-KI ist teilweise wirklich sehr stark und nutzt alle Vorteile, die eine der grossen Karten so bietet, voll aus. Gibt es einen Huegel, platziert der Feind Bogenschuetzen, um euch in einen Hinterhalt zu locken - allerdings sind die Bogenschuetzen im Vergleich zu Medieval 2 unerwartet schwach. Waelder sind perfekt geeignet, um das Fussvolk vorteilhaft zu positionieren und Engpaesse koennen ueble Fallen ausloesen, wodurch ihr stetig viele Eventualitaeten beachten muesst. Oftmals wird der Gegner eine kleine Vorhut losschicken, um die Lage zu pruefen. Anschliessend wird an einer anderen Stelle vernichtend angegriffen, wodurch ihr staendig im Stress seid und wahrscheinlich mehrere Kampforte habt, die eure Praesenz erfordern. Happig, aber machbar.
Es gibt aber neben der starken KI auch noch ein anderes Problem: Die Balance. Es ist mir einfach unklar, warum ich ein Bataillon Soldaten mit Piken bewaffnet nicht mit meinen Soldaten, die Bogenschuetzen als Rueckendeckung haben, besiegen kann. Selbst die Boni, die durch eine geschlossene Formation erlangt werden koennen, helfen hier leider nicht so wirklich weiter. Ausserdem sind die Menues oftmals ueberladen und man geraet durcheinander - schlecht in der Hitze des Gefechts. Darueber hinaus muss sich 13th Century: Death or Glory den Kritikpunkt gefallen lassen, dass sich jede Schlacht irgendwie gleich gamet und vor allem gleich anfuehlt. Zwar kommt durch das Geschrei (bei tiefem Zoom) eine gewisse Kriegsatmosphaere auf, das taeuscht aber nicht ueber die mangelnde Abwechslung hinweg, die man seitens Medieval 2 nicht gewohnt ist.
Grafik
gut
Sound
gut
Umfang
befriedigend
Multiplayer
nicht getestet
Gesamt
Technisch besser als erwartet
Der erste Gedanke bei naeherem Betrachten der Grafik war: 'Wow, nicht schlecht, aber warum sehen die osteuropaeischen Laender besser aus als alle anderen?'. Die Antwort darauf ist leicht: 1C Company kommt aus Russland und weil alle ja sooo patriotisch sind, musste man denen natuerlich die schoenste Grafik spendieren. Auch sonst wissen die Einheiten zu gefallen und strotzen vor Details: Realitaetsnahe Gewaender, die echten Fahnen werden gehisst und die Soldaten tragen genau das, was man so in alten Buechern liesst oder im Geschichtsunterricht lernt. Die Umgebung wirkt zumeist trist und bietet leider nicht viel fuers Auge. Die Musik ist okay, haette aber einen Zacken mehr Biss verkraften koennen.
Anfangs war ich noch sehr ueberrascht und dachte wirklich, dass 13th Century: Death or Glory ernsthafte Konkurrenz zu Medieval 2 sein koennte, doch schon nach wenigen Stunden ueberzeugte mich das Game vom Gegenteil. Immer gleich ablaufende Schlachten, zu viele Balance-Fehler, keine Spezialangriffe, ein nerviges Einheitenlimit, viel zu kurz und viel zu wenig Abwechslung. Schade, aber das sind richtig ueble K.O.-Kriterien fuer ein Strategiegame. Unterm Strich bleibt zu sagen, dass 13th Century: Death or Glory nichts weiter als ein mittelklassiger Medieval 2-Klon ist, der nicht an das grosse Vorbild heranreicht.
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