Paradise (Tests)
Jeder Adventure- und Comic-Fan kennt ihn: Benôit Sokal. Er ist ein Meister seines Fachs, versetzte mit Amerzone und Syberia Spieler auf der ganzen Welt ins Staunen. Syberia hat bei mir heute noch einen Ehreplatz. Mit bezaubernden Welten, einer tollen Story und knackigen Rätseln gilt es heute noch als eines der besten Adventures. Nun kehrt B. Sokal mit einem neuen Projekt zurück, das aus seiner eigens gegründeten Entwicklerschmiede White Birds kommt. Die Rede ist von Paradise. Ein typisches Adventure, mit vielversprechenden Ansätzen und einer interessanten Story. Da konnte ich, als begeisterter Adventure Liebhaber, es kaum erwarten, als es bei mir ankam, es zu spielen. Reicht es für einen Award? Ist Paradise der erhoffte „Point & Click“ Hit? Das alles erfahrt ihr in unserem Test.
In einem fernen Land Kommen wir erst einmal zur Geschichte des Spiels. Ihr spielt die Rolle von Ann Smith, welche die Tochter des Königs Rodon in Mauranien ist. Da das Mädchen seit Ewigkeiten in Europa lebt und so ihren Vater die letzten Jahre nicht zu Gesicht bekam, haben beide Seiten sich allmählich auseinandergelebt. Doch das wunderschöne Land Mauranien ist im Krieg gegen die Rebellen, die den König und dessen Regierung stürzen wollen, um das Land zu regieren. Da König Rodon sein Volk kaum im Griff hat, weil er sich altersbedingt zurückgezogen hat, ist es für die Rebellen ein gefundenes Fressen. Mit seinem schwimmenden Schiff, ein Koloss aus Stahl und Waffen, verweilt er auf den Flüssen Mauraniens. Er bittet seine Tochter Ann Smith, zu ihm zu kommen, doch das Flugzeug kommt nie an. Es wurde abgeschossen und stürzte in der Wüste ab. Doch Ann Smith überlebt, hat aber ihr Gedächtnis verloren. Sie wird von einem Prinzen in seinen Harem gebracht und aufgepäppelt. So liegt es an euch, mit ihr herauszufinden, wer sie wirklich ist, warum sie nach Afrika flog, und welche Geheimnisse in dieser Idylle auf euch warten. Eure Reise beginnt somit im Harem des Prinzen. Doch dieser lässt euch so schnell nicht gehen. Er bittet euch, einen schwarzen Leoparden mitzunehmen, um diesen zu seinem Geburtsort zu führen. Von Anfang an wird euch bewusst, dass es eine Verbindung zwischen dem Raubtier und der hübschen Tochter gibt. Doch um was es sich hierbei handelt, gilt nach und nach herauszufinden. In der Tat verspricht die Geschichte viel. Sie ist mit vielen Überraschungen und Wendungen gewürzt, welches der Motivation der Spieler nur zu Gute kommt und somit Spannung erzeugt. Typisches Adventure Von Paradise muss man keine Innovation erwarten, aber das braucht es auch nicht. Die Entwickler präsentieren ein reinrassiges Adventure in typischer Point & Click Manier, das sich dadurch simpel spielt und leicht von der Hand geht. So durchstreift ihr vorgerenderte Areale und Abschnitte, sucht nach Hinweisen, verbindet Gegenstände und sucht nach Lösungswegen. Das Spiel glänzt mit einer riesigen Rätselpracht und nahezu durchgehend muss man nachdenken, wie es weitergeht, was man machen muss und wie es abläuft. So sprecht ihr mit unterschiedlichen Menschen, die euch Tipps geben und über den Krieg aufklären. Ihr steuert die Figur wie üblich nur per Maus. So klickt ihr auf einen bestimmten Punkt und die Protagonistin läuft bzw. geht dahin. Schade nur, dass das ach so einfache Spielprinzip durch ungenaue Wegpunkte nervig werden kann. So läuft das Mädchen nicht immer dahin, wo ihr sie gerne hattet. Oft passiert es auch, dass ihr an Ecken und Kanten stecken bleibt. Da hätten die Entwickler doch nachbessern sollen. Wenn Ann Smith nachts schläft, dürft ihr mit eurem schwarzen Leoparden die Gegend unsicher machen. Doch stellt sich dieses Gameplay als noch nerviger heraus. So klickt ihr nicht auf einen bestimmten Punkt, wohin dieser läuft, sondern lasst die Maustaste gedrückt und zieht den Richtungspfeil über den Boden. Doch dies ist leichter gesagt als getan. Oft bleibt der Leopard hängen, bleibt stehen und reagiert nicht und sprintet nicht in die gewünschte Richtung. Zum Glück ist diese Spielerei bei Nacht nur ein nettes Gimmick für zwischendurch, welches sich jederzeit beenden lässt und nicht allzu oft vorkommt. Im Großen und Ganzen lässt sich aber sagen, dass die Steuerung passabel und schnell von Statten geht. Das Inventar ist leicht zugänglich und lässt euch schnell die benötigten Gegenstände brauchbar machen. Tolles Design mit kleinen Schönheitsfehlern Benôit Sokal hat es mit seinem Entwicklerteam durchaus geschafft, eine fantasievolle und atmosphärische Geschichte aufzubauen. Dies gelingt besonders durch das hervorragende Leveldesign, das mit vielen Details glänzt. Vögel fliegen durch die Lüfte, Mücken und Fliegenschwärme beleben das Bild. Nahezu überall gibt es was zu bestaunen. Man merkt, dass hier mit viel Liebe gearbeitet und designt wurde. Schade nur, dass die Welten ein wenig unbelebt aussehen, da des Öfteren nur ein oder zwei Personen in einer Ecke stehen. Auch die Bewegungsabläufe sehen leicht unbeholfen aus. So wirken manche Figuren zu hölzern. Die netten Rendermovies, die die Geschichte weitererzählen, machen diese kleinen Makel wieder weg, denn diese gestalten sich als nahezu Filmreif und bringen die Story weiter in Fahrt. Auch die Musik und der Sound wirken paradiesisch. Orchestrale Hintergrundmusik und eine tolle deutsche Synchronisation erfreuen den Spieler durch und durch. Die Dialoge werden toll erzählt und sind nie zu lang, um so den Spieler zu langweilen. Hier wurde gute Arbeit geleistet. Am Ende bleibt zu sagen, dass mir das Design durchweg gefallen hat. Ob der Sound oder die Locations, alles in allem wunderschön integriert. Auch wenn Paradise kleinere Fehler vorzuweisen hat, ist dies für ein Adventure nicht weiter tragisch. Gelungenes Abenteuer Das Spiel überzeugt auf der ganzen Linie. Die tolle Sprachausgabe, die einfache Steuerung und die tolle Geschichte lassen so schnell keine Langeweile aufkommen. Die zahlreich vorhandenen Rätsel sind fordernd, aber nie unfair. So wirken diese mehr als kleine Denkherausforderung und lassen die angestaubten Gehirnzellen wieder aufleben. Die wunderschön gestalteten Level-Abschnitte, die das typische Afrika perfekt auf den Bildschirm zaubern, bringen richtig Freude ins Spiel. Natürlich hat Paradise auch seine negativen Seiten. So ist die Steuerung zu hakelig und die Figuren laufen oft nicht in die gewünschte Richtung. Zudem wirken die Charaktere zu hölzern. Auch die Bewegungsabläufe sehen nicht immer sauber aus. Auch die Spielzeit ist etwas zu kurz geraten, dennoch hat Entwickler White Birds ein tolles Abenteuer auf den Markt gebracht, das mich als Fan durchweg überzeugt hat. Für Fans dieses Genres ist es auf jedenfall eine Empfehlung, alle anderen sollten eventuell Probespielen.
Kommentar (CK) : Paradise erfindet das Adventure Genre nicht neu, aber das will es auch nicht. Es verpackt altbekanntes in eine gelungene und atmosphärische Geschichte. Typisches Gameplay, fordernde Rätsel und eine spannende Handlung machen das Spiel aus. Es kommt zwar nicht an die Klasse eines Syberia heran, überzeugt dennoch. Schade nur, dass die Steuerung oft nervenaufreibend ist und somit Punkte im ansonsten soliden Gameplay verloren gehen. Auch kleine Grafikfehler und die leblosen Areale tun ihr Übriges. Da es zu wenig Neuerungen gibt und es an innovativen Ideen mangelt, kann ich dem Spiel nicht die Wertung geben, wie ich es mir erhofft habe. Dennoch sollte man das Spiel im Auge behalten! Geschrieben von: Adam Smieja am 06.08.2006 |
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