Metal Gear Solid 4: Guns of the Patriots (Tests)
Snake ist alt geworden, vielleicht schon zu alt für seinen letzten Job. Konami hat die Fans lange genug hingehalten, wir haben uns das Spiel ein Mal komplett gegönnt und waren schlichtweg begeistert. Was die Japaner da auf die Mattscheibe zaubern, wird es wahrscheinlich so nicht mehr geben. Willkommen im Krieg, willkommen bei Snakes letztem Einsatz und Hideo Kojimas letzten Metal Gear Solid – ihr werdet keine Spoiler lesen und fast nur Infos über das Spiel finden. Wäre auch etwas asozial von uns, wenn wir euch dieses Epos spoilen würden. Nun, vor elf Jahren hatte Metal Gear Solid 1 sein Debüt gefeiert auf der PlayStation 1. Als Remake angesetzt, standen die Zeichen verdammt schlecht, dass sich solch ein Spiel überhaupt durchsetzen könnte, da komplexe Stories nur bei Rollenspielen und Adventures gefragt waren. Stealth-Spiele waren ein Unwort und erst durch MGS konnte das geändert werden, weil sich das Spiel fabelhaft verkauft hat.
Zurück in die Zukunft Wer es chronologisch richtig will, muss die Metal Gear Solid-Reihe folgendermaßen ansetzen: MGS3, MGS 1, MGS2, MGS4, denn Teil vier setzt kurz nach Teil 2 an und wird euch zahlreiche bekannte Gesichter vorstellen. Natürlich dabei sind Raiden, Otacon, Vamp und viele weitere Charaktere aus den vergangenen Episoden. In der Story des Spiels spielt ihr nicht nur in dem rauen Osten, sondern auch noch in anderen Gebieten, wobei wir die für euch nicht unnötig spoilern wollen, weil sie wohlmöglich wichtige Storyelemente verraten würden. Da Teil 2 so viele Fragen hinterlassen und eigentlich mehr Fragen aufgeworfen hat als Antworten genannt wurden, will ich euch nun sagen: MGS 4 schafft es in der Tat, alle Fragen zu beantworten. Ihr erfahrt, wer oder was hinter Outer Heaven steckt, wer oder was die Patriots sind und noch einiges mehr. Ihr möchtet wissen, warum Snake urplötzlich so schnell gealtert ist? Er hat sich einen Virus gefangen und hat nur noch zwölf Monate zu leben. In diesen letzten zwölf Monaten muss er unbedingt seinen Erzfeind Liquid Snake finden, der sich im Körper von Ocelot befindet. Dazu zieht er in den Nahen Osten, um dort undercover als UN-Beauftragter nach Infos zu sammeln. Noch eine Sache: Ihr spielt nur Snake – von Anfang bis Ende. Es gibt zwar die „Rat Patrol“-Gruppe, zu der Meryl gehört, aber die sind nur für die Story wichtig. Nicht unwichtig ist auch die Frage: Kann man das Spiel auch ohne Vorkenntnisse spielen? Nein. Es gibt so verdammt viele Anspielungen auf die vorherigen Teile – zum Teil sogar werden Gedanken der PSP-Titel aufgegriffen! – dass man gezwungen ist, sich mit der Materie auszukennen. Man merkt richtig, dass MGS 4 für Fans gemacht wurde, was an sich auch gar nicht mal so falsch ist, weil man nur so wirklich allen ein befriedigendes Erlebnis bieten kann. Wundervoll ist auch das Ende – es ist lang (wobei die Zwischensequenzen oftmals ganz schön lang sind, aber keine davon wirklich 90 Minuten) –, denn hier wird so viel erklärt und so viele Emotionen sind drin. Seit Jahren warte ich auf ein Spiel, das mich persönlich berührt, MGS 4 hat es tatsächlich geschafft. Derzeit gibt es kein Spiel, das es storytechnisch auch nur im Ansatz mit Metal Gear Solid 4 aufnehmen kann – und das wird sich so schnell wohl auch nicht ändern. War has changed Wie schon im ersten Trailer des Spiels, muss auch ich nochmal das Zitat aufgreifen: „War has changed“. In der Tat. Das trifft nicht nur auf die Realität, sondern auch auf MGS4 zu, denn was der Titel so alles in der Story verpackt und beim Gameplay macht, ist eine große Veränderung zu bisherigen Teilen der Serie. In der Story lässt es sich Mastermind Kojima nicht nehmen, Themen wie Kriegstraumata oder Korruption in der Politik aufzugreifen. Selbst das Thema Brutalität in Videospielen wird im Spiel genannt! Manch einer wird sich denken: Zu viel Inhalt für ein Spiel, aber dem ist nicht so. Jeder Gedankengang wird logisch und nachvollziehbar – sofern man die Vorgänger eben kennt – erklärt. Der Krieg in der Zukunft wird mit Nanotechnologien geführt – statt normalen Menschen räumen riesige Maschinen die Felder leer oder diejenigen menschlichen Wesen, die kämpfen, haben auch Nanochips inplantiert, damit jede Waffe nur bei ihm funktioniert. Im Krieg geht es nicht mehr um Würde, Gerechtigkeit, Frieden oder dergleichen – es geht um Geld. Entsprechend gering ist der Wert eines Menschenlebens, entsprechend hoch ist der Sieg über den Feind und noch viel höher ist der Preis für moderne Kampfmaschinen.
Geschrieben von: Adam Smieja am 13.06.2008
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