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Lost Odyssey

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Kategorie/Genre
 Rollenspiel

Anfang 1 2 3 » Fazit

Mistwalker hat sich bislang nicht wirklich mit Ruhm bekleckert. Blue Dragon war einfach ein Kindergarten der besonders unausgegorenen Art. Zu infantil, zu konservativ, keine gute Story und die Charaktere konnte man einfach nicht ernst nehmen. Mit Lost Odyssey zeigt Mistwalker, das Team um den Geschichtenerzähler und Gründer von Final Fantasy Hironobu Sakaguchi sowie Nobuo Uematsu, dem Komponist aller grandiosen Musikstücke von Final Fantasy und nun auch Lost Odyssey, warum dieses Spiel so extrem ernst und warum die Zukunft vielleicht gar nicht so rosig ist. Und eines wird in diesem Spiel noch viel deutlicher: Unsterblichkeit ist ein Fluch.

Sein Name ist Kaim und er hat sein Gedächtnis verloren. Kaim ist weitaus älter als 1000 Jahre, sieht aber immer noch sportlich fit und gut gebaut aus. Das liegt daran, dass er zur Spezies der „Unsterblichen“ gehört, die nicht altern und nicht sterben können. Seine Erfahrungen haben ihn gezeichnet, er ist ein seelisches Wrack und legt eine Lebensmüdigkeit zu Tage, die selbst ein Emo nicht aufbringen kann. Es ist ja schon schlimm genug, dass sein Leben nur aus Tod, Leid, Mord und Schmerz bestand, nun leidet er auch noch unter zahlreichen Déjà-vus, die ihn von Zeit zu Zeit plagen und den Spieler oftmals tief schluchzen oder mindestens schlucken lassen.

Kaims Träume werden spielerisch in mehr als 30 Teilen der „Thousand Years of Dreams“ festgehalten. Nicht mit beweglichen Bildern oder mit Vertonung. Hier sagen einzelne Standbilder gepaart mit einfachen Worten alles aus. Leid, Schmerz und Trauer, die mich als Spieler tief berührt haben. Ich muss ehrlich zugeben, dass mir des Öfteren eine Träne über die Wangen lief, weil die Übersetzer eine solch brillante Arbeit geleistet haben, die tollen Mementos zu übersetzen. Außerdem werden diese extrem kunstvoll auf den Bildschirm gebracht. Im zweiten Traum geht es um den Wind und die Buchstaben werden quasi auf den Bildschirm ganz sanft geschoben, als wenn sie vom Wind getragen würden. Diese Sequenzen dauern meistens zwischen zehn und 20 Minuten an und erschaffen weitaus mehr Drama und Emotionen als die beste CG, die jemals erschaffen worden ist.

Eine starke, charismatische Truppe

Einen Oskar verdient unter anderem auch die tolle Crew um Kaim, der zusammen mit weiteren Unsterblichen Freunden Intrigen und Legenden aufdeckt. Auch sterbliche befinden sich in der Truppe und werden euch des Öfteren sehr nützlich sein. Mistwalker macht schon zu Anfang des Spiels sofort klar, dass der einstige Kindergarten aus Blue Dragon der Vergangenheit angehört, als der Charakter Jansen eingeführt wird. Dieser Streuner ist ein Gauner, der für Geld alles tun würde, sogar seine eigene Mutter verraten. Sobald die Situation auch nur wieder im entferntesten droht, ernst zu werden, kommt er an und liefert einen pathetisch trockenen Spruch ab, der die Situation durchaus auflockert. Ansonsten könnt ihr euch auf toughe Charaktere wie die Ex-Piratin Seth freuen, die sich allem Anschein nach direkt in unseren Kaim verliebt hat.

Nach einigen verpatzten Liebesszenen, bei denen man sich fragt, wo der Herr Sakaguchi seine Fantasie hat liegen lassen, geht es doch wieder sehr niveauvoll weiter und die Geschichte wird auf einem erschreckend grandiosen Level fortgeführt, weil schon wieder eine dieser äußerst mitreißenden Traumsequenzen erscheint, die unbedingt noch durchgelesen werden wollen – ich konnte einfach nicht aufhören diese zu sehen, sie sind zu schön; zu traurig.

Good old tunes

Der konservative Charakter des Spiels, welcher vom Herrn Sakaguchi an den Tag gelegt wird, zeichnet sich leider auch beim Gameplay an sich ab. Alles habt ihr schon irgendwo gesehen, höchstwahrscheinlich aber bei Final Fantasy. Zwar überspielen die tollen Charaktere mit deren mitreißenden Stories all die Mängel, wie Kämpfe auf einem Zug oder der obligatorischen Flucht aus einem Verlies, ein fader Nachgeschmack bleibt dennoch vorhanden.

Ähnlich altmodisch gibt sich auch das Kampfsystem, auch wenn das auf den ersten Blick durchaus neuwertig wirkt. Und in der Tat hat es etwas an sich, was es so noch nicht gegeben hat, allerdings kann man sehen, dass Final Fantasy des Öfteren als Vorbild herlangen musste. Das fällt schon alleine daran auf, dass es Zufallskämpfe gibt, die genau so aufgebaut sind wie in FFX. Ihr seht keine ATB-Leiste, dafür entscheiden die Initialwerte eurer Helden die Reihenfolger aller Angriffe, welche sich auf Standardangriff, Magie, Fähigkeiten, Gegenstand und Verteidigung beschränken.
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