Kommentar – Web 2.0 und seine Gefahren

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Wir kennen sie ja alle. MySpace, MyVideo, YouTube und so weiter. Was ist so herausragend an den Seiten außer ihrem Riesenansturm, den unzähligen Userzahlen und den fast unmessbaren Seitenaufrufen? Sie sind alles so genannte „Web 2.0“-Seiten. Web 2.0, ein Stichwort, das mittlerweile so ziemlich jeder User kennt, aber weiß auch wirklich jeder, was dahintersteckt? Ja und Nein. Mittlerweile geht dieser Wahn nach „Web 2.0“ über in ein „Schwachsinn 2.0“.

Doch vor ab gilt es zu klären, was Web 2.0 wirklich ist. „Wie viele andere wichtige Konzepte, hat Web 2.0 keine genauen Begrenzungen, sondern vielmehr ein Gravitationszentrum. Man kann Web 2.0 als eine Ansammlung von Prinzipien und Praktiken visualisieren, die ein regelrechtes Sonnensystem von Seiten zusammenhalten, die einige oder alle dieser Prinzipien in unterschiedlicher Entfernung vom Zentrum demonstrieren.“

Typische Beispiele für eben diese Web 2.0-Websiten sind Blogs, Wikis, Selbstdarstellung oder Darstellung anderer durch Videos (YouTube) oder für Marketing- und PR-Strategen die CPC (cost-per-click) sowie GoogleAdSense statt Double Click (bei „Web 1.0“). Gegründet wurde dieses ominöse Web 2.0 durch Tim O'Reilly im Jahre 2005. Bei den Links unter dem Artikel und rechts in unserer praktischen Infobox findet ihr weitere Informationen rund um die Möglichkeiten, die das „Web 2.0“ bietet, darunter Ajax, CPC, weitere Gedankengänge uvw. Worum es hier geht, ist die Kritik an diesem System und die extrem rasche Entwicklung, die schon bald ins „Web 3.0“ mündet.

Das Web 2.0, die Anforderungen an eine Website, die Zwänge dazu, allen Usern etwas exklusives zu bieten, damit die eigene Site überhaupt erfolgreich wird, werden immer größer. Klar, der größte Vorteil des Web 2.0 ist, dass man wirklich alles machen kann. Aber wo hat es seine Grenzen? Wenn man jetzt Verschwörungstheoretiker sein möchte, dann könnte man sagen, dass man dadurch den „gläsernen User“ erschafft, denn ein Blogger schreibt meistens das, was ihn am Tage berührt, was er erlebt, was ihn tangiert und was ihn aufregt. Meistens werden dann noch persönliche Daten hinterlassen – ein Freifahrtschein für Hacker, für illegale Machenschaften. Noch ist keine Untat in der Hinsicht bekannt, aber es gibt sie irgendwo ganz sicher. Es gibt auch schon erste pornographische Seiten, die auf YouTube-Basis sind. Fängt erst jetzt die Perversion, die abartige „Spielerei“ mit dem einst so netten, freundlichen und unverfänglichen Möglichkeiten an? Ich befürchte, ja.

Mal ganz davon abgesehen. Wie viele großartige Websites sind untergegangen, haben zahlreiche User verloren, weil sie einfach keine Neuheiten mehr boten, auf der Stelle traten? Klar, eine Weiterentwicklung ist immer gut, aber das „Web 2.0“ zwingt die Websitebetreiber quasi dazu, sich anzupassen. Frei nach dem Motto: Friss oder stirb. Auch wir bei Spieletester.com beugen uns dem allgemeinen Wahn nach Web 2.0 und werden demnächst typische Features dieser Seuche einführen, damit auch wir ihr nicht zum Opfer fallen. Selbst noch größere Online-Magazine als wir rüsten gerade um, damit sie in das Web 2.0 passen. Ich bin kein Feind von den ganzen Möglichkeiten, die mir das Web seit 2005 bietet, aber ich bin sehr skeptisch, ob man auch wirklich alle Features braucht.

Wer braucht zum Beispiel persönliche Blogs? Ist das gute, alte Tagebuch schon etwa ausgestorben? Wen zum Teufel interessieren die ganzen Google AdSense-Werbeeinblendungen? Mal ehrlich, mich nicht. Ich habe da noch nie in meinem Leben draufgeklickt und werde es auch nie machen. Ich finde die Idee hinter MySpace toll, aber an der Umsetzung scheitert es. Manche Usersites sind grafisch so schlecht, dass ich echt Augenkrebs bekomme, wenn ich mehr als eine Nanosekunde darauf blicke. Die anderen benutzen unpassende Grafiken, die zusammen einfach unschön wirken – jaja, Schönheit liegt im Auge des Betrachters. Aber was bringt das? Was bringt es mir, meine Interessen, Hobbies, Fotos und hastdunichtgesehen im Internet für alle zugänglich zu veröffentlichen und nebenbei ein Gästebuch zu führen, wenn ich einen Klick entfernt mit meinen Freunden über ein Messenger-Programm chatten kann? Noch besser: Statt stundenlang mit dem Bearbeiten dieser Sites den Tag zu verbringen, treffe ich mich lieber mit Freunden, mache Party, habe Spaß. Diesen kann mir das Web 2.0 nicht bieten – jedenfalls noch nicht.

Und der Schrecken geht noch weiter, denn noch bevor das Web 2.0 überhaupt in Deutschland bemerkbar wird – in den USA ist es schon Standard – kommt schon die dritte Generation des World Wide Web. Und langsam frage ich mich: Müssen wir uns jetzt alle vier Jahre mit einer „Weiterentwicklung“ des Web befassen? Und schon jetzt geht die Angst vom „Zwei-Klassen-Web“ (Zitat von Spiegel-Online.de) um. In einem Artikel auf Spiegel.de heißt es: „Die Telekommunikations-Konzerne haben eine finstere Vision: Ihr Traum ist ein Kommerznetz, bei dem nur noch zahlungskräftige Web-Unternehmen breitbandig beim Verbraucher ankommen. Im Web 3.0 hätten Startups, Blogger und junge Kreative keine Chance.“ Weiter heißt es: „Statt weiterhin die Daten aller Webseiten gleichberechtigt über die Netze zu leiten (dafür steht "Net Neutrality"), wollen führende Telekommunikationsunternehmen (im folgenden "Telkos") die Netz-Infrastruktur ändern: Während das freie Internet als Daten-Feldweg langsam und holprig jedem zur Verfügung stehen soll, möchten sie finanzkräftige Internetunternehmen für die Nutzung eines zu schaffenden Datenhighways zur Kasse bitten. Im Klartext: Aufwendig und schnell, multimedial und doch empfangbar soll künftig nur der sein können, der tief genug in die Brieftasche greift - oder überhaupt greifen kann. Man muss kein Google-Aktionär sein, um zu sehen, dass dies das Ende des Internet wäre, wie wir es bisher kennen.“  Noch viel schlimmer ist die Vorstellung: „Was die Telkos offenbar weltweit planen, wäre dagegen Survival of the Richest.“

Man könnte dieses Thema auf weiteren zig Seiten ausufern lassen, aber schon diese Zitate zeigen – und ich empfehle jedem den Artikel auf Spiegel.de zu lesen –, dass etwas im Argen ist. Ich hoffe, dass es nicht dazu kommt, wie Spiegel es schreibt, ich habe keine Lust auf ein „Survival of the Richest“, denn dazu zähle ich mich nicht und Milliarden andere Nutzer sicherlich ebenso nicht.
  
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