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Kolumne – Ich will doch nur gucken

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Wenn ich so die letzten vier Jahre als Journalist im Bereich der Videospiele Revue passieren lasse, dann werde ich immer ein wenig wehmütig. Wo sind doch bloß die guten, alten Zeiten geblieben, in denen man sich als Videospieler bei längeren Sequenzen einfach nur zurück gelehnt hat, sich in seinen Sessel oder alternativ die Couch kuschelte und den Worten von Yuna und Co. sorglos lauschte?

Diese Zeiten sind nur noch Adventures und den richtigen „Hardcore“-RPGs vorenthalten, zumindest den meisten davon. Seitdem Resident Evil 4 anno 2004 in Japan und wenig später, Anfang 2005, auch in Europa erschien und die besten Wertungen des Jahres abstauben konnte, haben sich zahlreiche Entwickler ein Feature abgeschaut wie kein anderes zuvor. Stellt euch mal folgende Situation vor: Ihr sitzt ganz gespannt im Sessel/auf der Couch, spielt ganz locker eine Partie Uncharted: Drakes Schicksal und dann bricht eine Brücke urplötzlich ein, ihr seid total fasziniert vom grafischen Schauspiel und unten links erscheint es dann: XXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXX

Nein, nein. Meine X-Taste klemmt nicht. Aber ehe man sich versieht, drückt man total apathisch auf diese X-Taste am Controller der PlayStation 3 (oder einer anderen x-beliebigen Konsole) und denkt sich: „Was soll das?“. Gerade eben senkte sich der Puls noch auf 80 runter und schon im nächsten Moment ist er wieder auf 160, weil man total geschockt dieses verdammt Quicktime-Event bestehen musste. Noch viel schlimmer trifft es Spieler des Spiels „Jericho“ von Clieve Barker, denn in diesem Spiel kommen eben jene Events so richtig urplötzlich und sind verdammt anstrengend. Ein weiteres, aktuelles Beispiel ist Bee Movie Game von Dreamworks/Activision (Blizzard), denn auch hier muss man in den zahlreichen Zwischensequenzen ständig solche „Quicktime-Events“ durchmachen. Mensch, ich will mich amüsieren, ich will Zuschauer sein!

Nahe am Herzkasper brauchte ich dann erstmal einen kräftigen Schluck Kaffee – normalerweise trinke ich das nicht! - und versuchte den Gedanken zu verdrängen, dass Videospiele leider zunehmend zu interaktiven Filmen werden. Assassin's Creed macht es eindrucksvoll vor, wie der Spieler selbst zum Regisseur werden kann. Blitzt der Bildschirm auf, drückt man eine Taste und freut sich über eine neue Kameraansicht, aus der der Bösewicht seine Story erzählt. Im Büro der Assassinen kann man dann auch noch durch Drücken auf den A-Button vom 360-Controller den Blickwinkel bestimmen – schön, schön. „Wie werde ich Regisseur? Die Step-by-Step Anleitung von Ubisoft und Konsorten“, alternativ auch genannt „Wie viele Doppelherz brauche ich, um nicht an Herzversagen zu sterben?“.

Wohin soll uns das alles führen? Werde ich demnächst schon die Kamera selbst in den Zwischensequenzen drehen können? Im Grunde eine faszinierende Idee, aber für jemanden, der sich einfach nur über eine Sequenz freuen und sie genießen will, ist das eine schreckliche Vorstellung. Oder wie wäre es mit Quicktime-Events während einer FMV-Sequenz in Final Fantasy? Argh! Da würde ich wirklich eine Briefbombe an den Entwickler schicken, denn dadurch wird man doch so dermaßen aus dem Spiel gerissen; das ist schon nicht mehr feierlich.

Auf der anderen Seite kann ich die Entwickler natürlich verstehen, warum sie das machen. Manche Spieler wollen eben in Zwischensequenzen aktiv involviert werden, sie wollen die Zwischensequenzen bestimmen. Solche Quicktime-Events sind ein gutes Mittel, um das zu erreichen. Lasse ich meinen Helden nun den Abgrund herunterfallen oder rette ich sein (damit auch das Eigene) Leben? Nun, die Antwort liegt nahe und das ist eben das Problem dieser kleinen Aufgaben: Es gibt nur eine Möglichkeit, eine Lösung und die wird nach dem hundertsten Gelingen einfach nur noch langweilig. Entwickler bezeichnen das jedoch als „Next Gen“. Na, dann…

Next Generation ist aber etwas ganz anderes – und das zeigt „The Darkness“ von Starbreeze sehr eindrucksvoll, denn hier kann man beispielsweise TV-Sender im Spiel beliebig switchen und sich beispielsweise mehrere Folgen von Poppey oder einige Musiksender anschauen. Das ist cool, das macht Spaß! Wer genug Zeit hat, kann sich in Jenny Romanos Zimmer einquartieren und einen ganzen Spielfilm in voller Länge von 94 Minuten gucken. Da hole ich doch direkt das Popcorn und eine leckere Coke raus und genieße den Film im Spiel. Ich kann es aber auch nur so lange genießen, bis dann wieder ein großes X auf meinem Bildschirm erscheint und ich wieder aus dem Halbschlaf gerissen werde.

Adam Smieja
Chefredakteur

(Diese Kolumne ist absolut subjektiv und spiegelt nicht die allgemeine Auffassung zum Thema aller anderen Redakteure wider.)

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