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Kolumne – Die Leiden des jungen Spielers

Kolumne – Die Leiden des jungen Spielers

Am 15. Januar

Ich danke dir für die rasche Antwort, O du mein bester Freund. Die dunklen Gewänder umhüllen die Nachrichten um jenes neues Wunder der Technik einer Firma, die sich irgendwo in Redmond aufhalte. Diese Stadt scheint weit entfernt zu sein und doch werden die Nachrichten im heimischen Lande nicht mit Wohlwollen aufgenommen und nur negiert. Doch ein heller, vielleicht sogar greller Schein aus dem fernem Osten kommt auf, er glühet so stark, dass meine Augen sich nicht öffnen lassen. Die Menschen sagen, es sei alles Trug und Schein, es gäbe nichts handfestes dazu und alles seien nur Gerüchte, doch ich habe Nachrichten, die die Welt brauchen könnte, aber scheinbar will sie keiner hören. O du mein geliebter Freund, ich weiß nicht was ich tun soll. Doch ich bin beeindruckt davon, es läßt mich nicht los, die wunderschönen Rundungen, die fabelhaften Freizeitbeschäftigungen, alles sieht so toll aus. Man sage, sie käme erst im neuen Jahr zu uns, ja man sage sogar, dass es ein schlechtes Omen sei, dass nichts dazu käme, doch warum sind alle Menschen so ungeduldig. Ist Geduld nicht eine Tugend, die sich bezahlt mache? Dass die Kinder nicht wissen, warum sie wollen, darin sind alle hochgelehrten Analytiker und Fachleute einig. Im März, so sage man, wird es eine große Veranstaltung geben, dort munkelt man, es würde etwas großartiges, etwas wunderschönes vorgestellet werden. Es dünkt mir, es sei das sagenumwobene Ding aus dem fernen Osten. O bester Freund, warum werde ich immer mit solch bösen Blicke begutachtet, wenn ich keine guten Neuigkeiten zum Technikwunder aus dem fernen Westen berichte ? Ist es ebenfalls ein grelles Licht, ein Licht, dass aber nicht so grell erscheint, wie aus dem fernen Osten und doch die Menschen blendet ? Ist es himmlisch, oder stammt es aus dem tiefsten Abyssum der Welt ? Ich weiß es nicht, vielleicht kannst du mir helfen.

Am 16. Januar

Auch du, der gebildet und bekannt in der Welt bist, fragest mich nach der Veranstaltung im März ? O mein Freund, warum weißt du nicht mehr, wie konntest du vergessen ? War es nicht der ferne Osten, der uns Menschen alle sechs Jahr im Februar / März so begeistern konnte mit seinen neuen Errungenschaften ? Ich vermag es gar nicht zu sagen, aber doch muss ich dir erzählen, was ich heute gehöret habe. Man munkelt, der ferne Osten würde im März auf der großen Messe etwas vorstellen, dass die Welt nur hinter verschlossenen Gläsern unvorstellbarer Schönheit gezeiget habe. Man könne alles probieren, man würde neue Sachen erfahren und sogar erste Fakten erfahren.

Am 17. Januar

Heute erfuhr ich eine weitere Neuigkeit, sie erscheint mir spannend, nein reizend, nahezu entzückend. Gelehrte hüstelten mir hinter vorgehaltener Hand, es würde noch eine weitere Überraschung aus dem fernen Osten geben, aus dem Land der aufgehenden Sonne, so sage man. Sie sei regressiv, aber doch solle sie eine Revolution starten. Mich entzückte der Gedanke, eine Revolution, aber inwiefern fragte ich den guten Gelehrten. Er könn mir nichts sagen, schade fand ich das, natürlich, weil es aufregend ist und meine Aufmerksamkeit gesogen hatte.
Doch warum sprach kein anderer meine Sprache? O du allmächtiger im Himmel, so sage mir alles, was ich wissen müsse, um das Rätsel der Menschheit zu lösen, ich weiß es nicht. Die einen schwören auf den fernen Osten, die anderen sind epicht auf den fernen Westen. Ich wurde Zeuge eines Kampfes in der Stadt heute, es war grausam. So grausam, wie vergangene Jahre des mittleren siebezehnten Jahrhunderts. Es gab keinen Gewinner, konnte es nicht, sie kämpften um etwas immaterielles, etwas, dass unbegreiflich ist, unwichtig eigentlich: Die Herrschaft des Westens gegen die angehende Herrschaft des Ostens. Es erschien mir fremd, seltsam und stimmte mich unglücklich. Zahlreiche Opfer fielen, darunter war eines, welches sich Gleichgültigkeit und Kollegialität nannte. Ich beobachtete das Geschehen noch eine Weile und setzte mich dann wieder unter meinen Baum und schlürfte genüßlich meine Milch, die ich mir vorher bei dem netten Bauer erstanden habe. Vielleicht bringt der morgige Tag mehr, meine Freude steigt und mein Unmut auch, hoffentlich wird die Wolke über der Stadt nicht zu dünkel, wenn der ferne Osten und der revolutionäre Osten aufkreuzen ...

Am 18. Januar

Mir ward ganz mulmelig heute, als ich hörte, die Revolution würde erst im winterlichen Jahresabschnitt zu uns kommen. Warum erst so spät, fragte ich mich. Ich weiß es nicht, es sei auch nicht weiter schlimm, die Menschen in der Stadt berichteten mir, alles, was dieses Jahr käme sei kostenspielig, nicht zu leicht zu erstehen, es würde am nötigen Finanzschuß fehlen. Nun, ich sitze hier unter meinem Baum, lese mein Buch zur Revolution 1848 in Berlin und hoffe nicht, dass dem nicht so sein wird, wenn der Winter bei uns einbricht. Die Redmonder freuen sich scheinbar sehr, man wüsse nicht wieso, so sage man. Doch irgendwas scheint die Herren zu ermuntern und ich wüsste gerne ebenfalls, warum dem so sei. Die anderen, die aus dem fernen Osten kommen, scheinen sich rauszuhalten und sagen nicht viel, seltsam. Ich werde alles aufmerksam verfolgen, denn es scheint sich etwas abzuzeichnen, noch weiß ich es nicht, aber manche, Gerüchten zufolge, schon.

Am 19. Januar

O du mein bester Freund, ich weiß nicht wie mir geschah, als man mir sagte, die Revolution würde günstig sein, es erfreute mich. In anderen Dingen erschrak ich auch gleichermaßen, denn das andere fern östliche Produkt solle nicht so teuer werden, wie bisher angenommen. Ich wüsse gern mehr, mein Glücke würd sich erfreuen. Außerdem solle die weltweite Anbindung noch viel besser sein als das der Redmonder, es erscheinet mir seltsam, wie das ginge, doch wurde mir versichert und das ganz oft, es würde so kommen. Man spräche von Aufzeichnungen von ganzen Ereignissen mit dieser Anbindung. Es gäbe so viel und der Preis solle sogar erschwinglich für einen solch normalen Bürger wie mich werden. O du mein bester Freund, was soll ich tun ? Alles ist so toll, so gut, ach, die Welt ist schön. Ich will mehr wissen, mehr sehen und mehr hören, doch leider muss ich mich bis zum 1. März gedulden und ansonsten auch noch bis zum größten Ereignis des Jahres, welches irgendwann im Maie des jetzigen Jahres stattfinden solle. Es wird toll, ich weiß es.
Die Menschen hier werden immer unruhiger, man könne nur vermuten warum, doch es scheinet mit, als würden manch Menschen mit Angst überlaufen, weil bald die beiden östlichen antreten und ebenfalls stark sein wollen. O wehe der Sturm kommet, alle Nichtigkeiten wäre dahin und kein Hass würde mehr da sein...

Am 20. Januar

Dies sei nun der letzte Tag, an dem ich dir berichten wolle, O du mein bester Freund. Erneut hört ich heute viele Gerüchte, ich wüsse sie nicht besser zu verlauten als der Urheber selber, sie waren toll die Neuigkeiten, umwerfend und so schön wie der Anblick eines sich im Wind wiegendem Kornfeldes. So gülden, so wundervoll. Doch wurde ich leider zum Schweigen verurteilet, weil mich sonst der schwarze Mann holen würde, ich befinde es als schade, denn es würde vieles klären, aber wahrscheinlich wieder viel Unmut, Unruhen und Disparitäten zwischen den Völkern hervorrufen. Worum geht es wüssest du jetzt gerne, nicht wahr ? Nun, es geht um etwas fern östliches, nicht die Revolution, das andere Ding. Man wüsse angeblich alles darüber, Pressemenschen und viele weitere. Ist es ein Gerücht ? Ich weiß es nicht, ich würd‘ es aber gern wissen.
Nun, da ich wieder abreise und nicht weiß, wann ich wieder Zeit finde dir zu schreiben, möcht‘ ich dir noch etwas mitgeben: Egal, welchen Weg du gehen solltest in den nächsten Monaten, es werde der richtige sein, der eine werde teurer, der andere billiger, dafür aber ist weniger dabei. Alles hat Vor- und Nachteile, auch die Redmonder, wenn diese dies wohl nicht zugeben wollen, schade, aber dem ist wohl doch so. Natürlich will ich ihn deren Produkt nicht schlecht reden, denn es ist toll, wunderbar, umfassend und so weiter, aber bei weitem nicht so perfekt, wie manch einige Menschen behaupten wollen. Und weil die beiden fern östlichen Vertreter noch nicht da sind, kann ich sie jetzt nicht verurteilen, dies geht erst in spätestens sechs Monaten.
O du mein Freund, ich wünsche dir viel Spaß und vor allem den Erfolg mit allem, was du tuen solltest.

Die Kolumne ist nach dem Vorbild des literarischen Werkes von Johann Wolfgang Goethe 'Die Leiden des jungen Werther' verfasst worden. Sie bezieht sich nicht auf reale Personen und drückt nur teilweise oder gar nicht die Meinung des verfassenden Redakteurs aus!


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