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Kolumne - Die deutsche ‚Blutphobie‘ (Special)


Kolumne - Die deutsche ‚Blutphobie‘

Kolumne - Die deutsche ‚Blutphobie‘

In letzter Zeit war es recht still geworden um das Thema, da nicht viele Spiele das Prädikat „ab 18“ bekommen haben und somit alles bislang recht ungeschnitten war. Doch mittlerweile kommt es immer härter und Spieler sollten sich langsam fragen, was das Ganze soll. Ich fühle mich persönlich auch schon langsam verarscht, wenn ich lese, dass ganze Spiele so schlimm geschnitten werden, damit es „für den deutschen Markt geeignet ist“ ( Zitat von einem der zuständigen der BPJS, als ich ihn auf dieses Thema angesprochen habe ). Aber wozu ? Der werte Herr – dessen Namen ich nicht nennen will – sprach weiter : „ Wir wollen nicht, dass sich die Ereignisse von Erfurt wiederholen“ . Bitte was hatte das Ereignis von Erfurt mit Spielen zu tun ? Klar, der Junge hat Counter Strike gespielt und flog vorher von der Schule, aber das waren nicht die Gründe für die Tat! Ohnehin ist es absolut Hirn- und Sinnlos zu sagen, dass der ‚Sündenbock‘ Spiele für jede böse Tat verantwortlich ist. Wann immer was irgendwo auf der Welt passiert, wird ein neuer Sündenbock gesucht. In den USA gab es einen Vorfall, der sich recht gut mit dem von Erfurt vergleichen läßt, aber da war der Sündenbock die Musikindustrie und Platten von Slipknot und Marilyn Manson wurden verboten und das nur, weil der Junge diese Bands gehört hat. Dickes Lob an die Verantwortlichen ! Denkt denn kein Schwein mehr an das soziale Umfeld, die Erziehung und die Psyche der Kinder ? Denn die Gründe liegen tiefer, als es manchen lieb ist. Spiele und Musik sind keineswegs der Auslöser, sondern dienen immer zur Verdrängung, nur lassen sich zu viele zu sehr in die ‚Welt‘ der Spiele hineinziehen und verlieren den Bezug zur Wirklichkeit und erst dann wird’s für das Umfeld gefährlich ( wenn überhaupt ). Aber wir wollen jetzt nicht auf die psychologischen Tiefen abkommen, sondern uns auf das eigentliche Thema konzentrieren. Der Auslöser meiner Wut bezieht sich auf die Spiele F.E.A.R. und Quake 4 , die beide unter starken und teils verheerenden Kürzungen leiden. Die Kürzungen von F.E.A.R. lest ihr in unserem Test zum Spiel und die Kürzungen der deutschen Version zu Quake 4 lest ihr hier: Quake 4-Kürzungen

Vor allem ‚klasse‘ finde ich es, dass Szenen fehlen, die für die Story relevant sind. Jeder deutsche Spieler wird sich fragen, was das alles soll und greift dann doch lieber zur ungeschnittenen UK oder sonstiger EU-Version, die vollkommen ungeschnitten ist und dann setzt die ach so tolle USK, BPJS und wie sie alle heißen aus und können nichts mehr gegen diese Spieler tun. Um allem noch die Krone aufzusetzen hat Activision sich dazu entschlossen uns deutsche Spieler vom Rest der Welt zu isolieren, damit wir bloß nicht mit der ‚bösen‘ ( und blutigen ) Version anderer Spieler Europas und der Welt spielen. Dazu fällt mir nur noch ein „Ihr habt einen Knall“ ! Ich bin weiß Gott nicht so pervers, dass ich sage 'ich will, dass das Blut durch die Gegend spritzt und Gliedmaßen überall rumfliegen, nur damit ich nochmals auf die Gegner schießen kann, um die Bluteffekte zu verbessern‘ , aber wenn die Entwickler schon auf Realismus ( wie in F.E.A.R. ) setzen, dann sollen sie dies auch in diesem Land dürfen ! Spieler aus den USA und anderen Ländern lachen uns aus und denken sich „gut, dass ich nicht einer der ‚braven‘ deutschen bin" . Kommt es bald noch soweit, dass wir bei Fußballspielen keine Fouls mehr sehen, weil die Spieler verletzt werden ( können ) ? Sind wir alle bald Besitzer von ‚Kindersoftware‘, die auch anders genannt F.E.A.R., Doom oder sonstige heißen ? Da dürfen wir nur noch auf kleine Bären mit Wattebällchen werfen, bis sie bluten... nein, falsch, wir haben die Blutphobie und das darf ja nicht kommen. Ok, dann bis sie anfangen zu weinen, richtig. Dann bekommen die Spiele auch ihr lang ersehntes „ab 16“ und Spiele „ab 18“ wird es in sofern nicht geben, weil diese sofort vom Markt genommen werden oder sie komplett geschnitten sind und wir uns nur noch mit dem Cover vergnügen und diese als Boomerang benutzen ‚dürfen‘ , da sie zu sonst nichts taugen. Ich kann nur schwer hoffen, dass die Entwickler und die Prüfstellen mal endlich lernen, was sie da für Ungerechtigkeiten tun, denn je mehr Leute importieren, desto weniger wird die Konjunktur angekurbelt und um so mehr heulen uns die Politiker zu, dass der Staat kein Geld hat. Aber das will ja die BPJS nicht kapieren und so bleibt leider doch alles beim Alten.

Und die Moral von der Geschicht‘ : Böse Spiele mögen wir nicht ...

( Die Meinung, die der Autor in dieser Kolumne darstellt, muss nicht zwangsläufig die Meinung der gesamten Redaktion wiedergeben. )

 

Geschrieben von: Adam Smieja am 19.03.2006




 
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