Gotische, anmutige Klänge, ein roter Bolide und das charismatisch sich aufbäumende Pferd sind die schwer berührenden ersten Eindrücke von Ferrari Challenge aus dem Hause System 3. Schon unsere Vorschauversion des Racers hinterließ einen guten Eindruck, nun konnten wir uns das Spiel in aller Ausführlichkeit anschauen. Jetzt bleibt nur noch die Frage: Poleposition oder zweite Reihe?
Testarossa, 512 oder auch 430 – Ferraristi kennen diese Namen natürlich und wissen, welche grandiosen Karren dahinterstecken. Umso besser, dass man sich virtuell hinter deren Steuer setzen kann und wahlweise die eigens für Ferrari erstellte Teststrecke oder eine der vielen Pisten aus Europa, den USA oder Italien befährt.
Aller Anfang ist schwer
Wer sich einfach so ins Rennen stürzt ohne vorher auch nur eine Runde im Training erlebt zu haben, wird ins kalte Wasser geworfen und darf sich nicht wundern, wenn die ersten Runden verdammt schlecht enden, denn die Fahrphysik ist realistischer als einem vielleicht lieb sein mag. Die Gegner-KI ist im Langzeittest nicht so gut, wie wir es uns von der Preview versprochen haben, weil die Gegner anscheinend doch einer Ideallinie folgen, die bei den Fahrhilfen auch gut sichtbar dargestellt wird. Sie scheren dafür aber gerne mal zu Überholmanövern aus – so ist das ja dann nicht, ansonsten müsste ich jetzt hämisch behaupten, die Entwickler hätten die Schnarchnasen von Polyphony engagiert, um die Gegner-KI zu entwickeln. Einen guten Eindruck macht auch der Regeneffekt, der zwar kein Aquaplaning hervorruft (Gott sei Dank, sonst wär es ja schon schwerer, den Wagen auf der Piste zu halten!), sich aber dennoch auf die Fahrweise ausübt, weil die Kurven nun eher angebremst werden müssen.
Ziel der Entwickler war ist überdies nicht, eine reine Simulation hinzuklatschen, sondern, ähnlich wie es Codemasters mit Race Driver: GRID versucht, ein Mix aus Arcade und Simulation auf die Beine zu stellen, was sich auch als richtige Entscheidung bewiesen hat. Die Steuerung gibt sich ganz normal – mit X oder R2 gebt ihr Gas und mit Viereck bzw. L2 wird gebremst. Das ist auch gut so, denn das Fahrverhalten der Boliden ist immer anders und wirklich realistisch ist es nicht, Arcade hingegen ebenso wenig – wir bei GRID ein sehr guter Mittelweg, der optimal zwischen Spielbarkeit und Realismus liegt. Darüber hinaus finde ich es sehr praktisch, dass man sich Hilfen zuschalten kann: Eine Lenkhilfe, Bremspunkte komplett oder nur bei Kurven, Bremshilfe, Markierung der Idealline – und so weiter.
Etwas sehr schade ist, dass die Entwickler kein echtes Schadenssystem auf die Beine stellen konnten und die edlen Boliden nur leichten Schaden nehmen – so ein Frontspoiler lockert sich mal und einige schwer erkenntliche Kratzer hinterlassen Spuren am Wagen, die auf ein hartes Rennen schließen lassen. Da ist Race Driver: GRID um einiges konsequenter, vor allem, wenn es auch um die Physik geht, denn da fliegen auch die Reifenstapel durch die Luft, wenn man mit 200km/h reindonnert – in Ferrari Challenge ist so ein Reifenstapel widerstandsfähiger als der Konkurrent.