Europa Universalis III (Tests)
Schon die Vorgänger von Europa Universalis waren ziemlich gut, aber überragten nie auf ganzer Linie. Das soll nun mit dem dritten Teil der Serie passieren, weswegen man uns in die Geschichte unserer Menschheit vom 15. bis zum 18. Jahrhundert versetzt. Wir wünschen euch beim Lesen des Tests zum umfangreichen Titel aus dem Hause Paradox Interactive viel Spaß.
Nichts für Anfänger? Schon die beiden Vorgänger waren kein Zuckerschlecken und richteten sich vornehmlich an die Hardcore-Strategen. Anders wird es euch als Neuling hier nicht ergehen, denn auch Teil 3 richtet sich an Hardcore-Zocker, die mehr als nur 30 Minuten pure Strategiekost geboten bekommen wollen. Zwar wurde das Interface auf rege Klagen der Spieler etwas übersichtlicher gestaltet und einiges wurde im Spiel automatisiert, aber trotzdem muss man extrem viel selbst machen – ohne jegliche Vorgaben. Ein Tutorial gibt euch Aufschluss darüber, wie man das Spiel auf einer sehr oberflächlichen Grundlage spielt, leider. Der Rest funktioniert per „Learing by doing“. Die Besonderheit des Spiels ist, dass es sich zwar auf realen historischen Gegebenheiten stützt, aber die Gegner-KI sich vollkommen unabhängig verhält. Das heißt: Die USA können den Unabhängigkeitskrieg verlieren oder Deutschland gewinnt den 30-jährigen Krieg. Die beiden Ereignisse sind gleichzeitig auch Startpunkte im Spiel. Darüber hinaus ist am Spiel besonders, dass ihr aus satten 300 Nationen frei wählen könnt und dann quasi endlos spielt, denn es gibt keine vorgegebenen Ziele im Spiel. Die Ziele stellt ihr an euch selbst: Will ich Weltmacht werden? Will ich England vernichten? Oder will ich lieber ein bescheidenes Herrscherleben leben und hoffen, dass mich keine Großmacht überrennt? Man kann wirklich alles machen, ähnlich wie in MediEval 2: Total War. Ihr könnt die Nationen gegeneinander ausspielen oder alleine gegen alle Kämpfen. Die Außenpolitik und der Handel liegen ganz in eurer Hand und genau das macht den Titel sehr unterhaltsam, auch wenn man wirklich mehr als eine oder gar zwei Stunden spielen muss, um da Gefallen dran zu finden. Bei Neulingen möchte ich sogar behaupten, dass ein gewisser Frustfaktor besteht, weil man den Titel am Anfang nur schwer verstehen und spielen wird. Sobald man sich allerdings an den Titel gewöhnt, wird man seine helle Freunde am Spielen haben. Extrem komplex, aber unterhaltsam Wenn ihr euch die angehängten Bilder anschaut, mag man auf die Idee kommen, wir würden hier von einem rundenbasierten Strategiespiel reden, aber dem ist nicht so. Alles läuft hier in Echtzeit ab, wobei man das Spieltempo jederzeit über verschiedene Regler verändern und seinen Wünschen gemäß anpassen kann. Es empfiehlt sich zudem, das Spiel für mehrere Aktionen gleichzeitig zu pausieren, denn Truppenbewegungen (ein General vorausgesetzt) gehen nicht sehr schnell und wenn man dann nicht nur 3 oder 4 Truppen bewegen will, sondern auch in den Kolonien neue Soldaten hervorbringen oder Gebäude bauen will, wird man schon einige Zeit dran sitzen. Zum Glück gibt es dafür auch einige globale Optionen, die dieses Mikromanagement auflockern – Strategiefans kosten die Möglichkeit des extremen Mikromanagements trotzdem aus. Generell muss viel getan werden, denn es gilt nicht nur die eigene Nation im Blick zu behalten, sondern auch andere Nationen wollen regelmäßig begutachtet werden. Droht jemand mich anzugreifen? Droht Vertrauensbruch? Allerdings muss man auch sich selbst fragen: „Wie stehts um meine Finanzen? Ist mein Heer groß genug, um schweren Angriffen Widerstand zu leisten?" Und gerade dann, wenn man sich die Fragen stellt, fallen einige Ungereimtheiten auf. Zwar wurde das Interface überarbeitet, aber stellenweise erscheint es weiterhin sehr unübersichtlich. Die Gegner-KI ist stellenweise sehr berechenbar oder verhält sich dümmlich – Beispiel: Ihr werdet angegriffen, obwohl der Gegner wissen müsste, dass euer Heer um das doppelte größer ist. Wer echte Neuerungen sucht, wird eigentlich über eine stolpern: Die „nationalen Ideen“. Man könnte sie auch fast „Ideologien“ nennen, denn dahinter verstecken sich eigentlich Forschungen, die allerdings auf echten Dingen basieren wie zum Beispiel der Annahme von Grundgesetzen oder anderen Dingen, die dann wirklich auf das Stichwort „Ideologie“ zutreffen. Ansonsten erfreuen sich Kenner der Serie an Spionen, die man den Feinden regelmäßig aufhetzen sollte, denn dadurch könnt ihr euch einen noch besseren Überblick über eure Kontrahenten verschaffen, wodurch ihr geschickter agieren könnt – die Berater, die ihr jederzeit einberufen könnt, helfen euch an sich auch so weiter. Die Kämpfe sind an sich ziemlich dröge gestaltet und bieten nicht viel fürs Auge. Hier wird – unverständlicherweise – die gesamte Komplexität des Spiels um den Haufen geworfen und bleibt weit hinter seinen Möglichkeiten. Ihr kommandiert lediglich eure Truppen auf die feindlichen zu und das wars auch eigentlich schon. Ein wenig mehr Taktik wäre hier sicherlich nicht falsch gewesen. Für das Gerne allerdings muss man sagen, dass man die Form der Kämpfe gerade noch so in Ordnung gehen lassen kann, wobei Genre-Ableger wie MediEval 2 in diesem Aspekt deutlich mehr auf dem Kasten haben. Für einen eventuellen vierten Teil wäre es deshalb ratsam, sich da was von der Konkurrenz abzuschauen, schaden würde es ja nicht, sofern es gut implementiert würde. Technisch befriedigend An sich geht auch die Grafik über weite Teile in Ordnung, sticht aber nicht aus der Masse hervor, leider. Dennoch muss man die Unterschiede zum Vorgänger nennen, denn nun haben wir es mit einer komplett in 3D berechneten Karte zu tun, in die man problemlos zoomen kann. Die Kämpfe sind leider aber nicht nur spielerisch recht langweilig gestaltet, sondern auch grafisch ein wenig lieblos aufgemacht. Zu viel Matsch, zu kantig und generell nicht allzu prickelnd. Beim Sound hat man zum Glück nicht auf eine komplett deutsche Synchronisation verzichtet – derartiges möchte ich auch nicht missen. Die Synchronisation ist durchaus gelungen und liefert ein durchweg stimmiges Bild ab. Die Hintergrundmusik ist still, leise und verhält sich generell doch recht zurückhaltend, wodurch es den an sich sehr guten Spielfluss nicht unterbricht. In der uns vorliegenden Version (Stand Dez. 06) gab es noch kleine Bugs, die aber hoffentlich bis zum Release (26. Januar) ausgemerzt werden. Gelegentlich schmierte das Spiel willkürlich ab oder wollte einfach nicht den Spielstand laden. Wirklich störend war das aber nicht, da es – wie gesagt – nicht allzu oft vorgekommen ist. Deswegen gibt es auch keinen entsprechenden Negativpunkt, aber man sollte es wissen.
Kommentar (AS) :
Ich bin sehr zufrieden mit dem Titel, zumal ich hier Freiheiten bekomme, die mir kein anderer Echtzeit-Strategietitel derzeit bieten kann. Die Möglichkeiten sind schier grenzenlos, die Berater leisten eine gute Arbeit, das Mikromanagement ist zwar anfangs – vor allem für Neulinge – ein Graus, aber sobald man es versteht und verinnerlicht, kann man den Titel durchaus genießen.. sobald man mehr als zwei Stunden spielt. Allerdings darf man die Kontras nicht vergessen: Einsteiger haben es immer noch viel zu schwer in das Spiel zu finden, manchmal stellt sich die KI leicht dümmlich an, die Übersicht ist nicht immer gewährleistet und die Kämpfe sind doch etwas sehr lasch. Dass der Titel jetzt grafisch nicht der Bringer ist, war zu erwarten, ist aber nicht weiter schlimm. Als Fazit kann man festhalten: Fans von Echtzeit-Strategie können bedenkenlos zugreifen, Neulinge sollten vielleicht doch besser MediEval 2 spielen, da fällt der Einstieg leichter.
Geschrieben von: Adam Smieja am 14.01.2007 |
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