Es gibt ja noch nicht viele Rollenspiele für die PSP, doch nun hat Publisher THQ ein recht klassisches RPG mit modernen Elementen veröffentlicht. Wir haben uns Dragoneer’s Aria angeschaut und scheiterten. Warum, wieso und weshalb erfahrt ihr paar Zeilen weiter unten.
Der Spieler schlüpft in die Rolle des Valen, einem Studenten, der kurz davor steht, ein Dragoneer zu werden. Ein Dragoneer ist ein Krieger, der die Fähigkeit sowie Erlaubnis besitzt, mit Drachen zu kommunizieren und diese für das Gute einzusetzen. Doch bei der Zeremonie, der er beiwohnt, bricht Unheil herein, da der legendäre „Black Dragon“ erscheint und alles in Schutt und Asche legt. Zunächst ist man auf Schadensbegrenzung aus, hernach auf Vernichtung des Drachen.
Die Story ist lasch, vorhersehbar und verdammt billig erzählt – für jedes Rollenspiel ist das schon ein kleines Todesurteil. Auf seiner Reise jedenfalls begegnet Valen der recht hübschen Euphe oder auch Ruslan, einer recht schrägen Type.
Klischees wo das Auge hinschaut
Einfach alles am Spiel wirkt wie ein Klischee. Seien es die rundenbasierten Kämpfe, die Unterscheidung in Magie und Summons sowie die Dungeons und alles andere, was das Spiel bietet. Die Zauber, um damit mal anzufangen, sind nicht nur schwach, sondern hören sich auch ziemlich dämlich an. Wer kann sich schon mit Namen wie „Cutting Tornado“ oder „Song of Confusion“ anfreunden? Da ist man mit Feuga, Cure oder anderen Zaubern aus Final Fantasy doch glatt besser bedient. Darüber hinaus ist das Design der Charaktere sowie der Monster einfach nur Augenkrebs-erregend. Hässliche grau-braune Monster und farblose Menschen treiben sich in den Städten sowie Dungeons herum, die den Sehnerv des Spielers leider nicht positiv reizen.
Die Kämpfe laufen unheimlich langsam ab, was nicht nur an den kränkelnden Animationen liegt, sondern auch daran, dass die Menüführung schlichtweg grauenhaft ist. Oben rechts befindet sich eine Manaleiste, die sich nach jedem erfolgreichen Angriff füllt – um 50 Einheiten. Jeder Magiespruch, jede Dragoneer-Technik und weitere nicht-Standard-Angriffe verbrauchen eben diese Punkte. Magiesprüche könnt ihr übrigens nur benutzen, wenn ihr zuvor einige „Lusce“ im Inventar auf eure Waffen bzw. Ausrüstungsgegenständegebunden habt, weil das magische Objekte sind. Okay. Kommen wir nun zum unerfreulichen Teil des Spiels: Es ist viel zu schwer. Während so ein Kampf mit nur einem Monster doch recht schnell beendet ist, dauern andere Kämpfe bis zu 20 Minuten und dann könnt ihr mit Sicherheit sagen, dass der nächste Kampf euer Untergang sein wird, weil keine Items zum Heilen verfügbar sind.
Doch woran liegt dieser perverse Schwierigkeitsgrad? Es liegt an der miserablen Balance des Spiels, denn normale Angriffe sind gut, helfen aber nicht wirklich weiter. Zauber sind immer nutzlos, nur Heilsprüche sind okay. Dragoneer-Techniken sind die stärksten, kosten aber eben diese dummen Manapunkte. Ein Fallbeispiel: Ein normaler Angriff kann 1000 HP Schaden verursachen, ein Magiespruch (sehr effektiv) bewirkt jedoch nur 400 HP Abzug, wo hingegen eine vielleicht kostengünstigere Dragoneer-Technik weit über 3000 HP abzieht. Jetzt verrate man mir doch bitte den Sinn der Angriffszauber. Und wer sich jetzt denkt: „Dann fliehe ich halt aus jedem Kampf“, dem sei gesagt: Die Gegner verfolgen euch und dann kommt es schon wieder zum Kampf – na super…
Um in den unfairen Dungeons überhaupt eine minimale Chance zu haben, gibt es „Avatars“. Das sind mächtige Wesen, für die allerdings eine ganz schöne Menge an Arbeit nötig ist. Es müssen hierfür 10 Seelen von feindlichen Avataren gesammelt werden, damit man selbst eins einsetzen kann. Dumm nur, dass so ein Mistvieh sehr selten erscheint
Nach dem Kampf gibt es wie gewohnt Erfahrungspunkte, die hernach in einem Level münden, doch das ist dann auch schon wieder alles, was man so an der Charakterentwicklung machen kann, weil das Spiel alles selbst macht. Moderne Titel überlassen euch die Wahl, welchen Skill ihr verbessern wollt. Dragoneer’s Aria bleibt da konservativ und lässt Zocker im Stich. Lediglich die Lusces sind recht kreativ. Wer sich mit dem Materia-System aus Final Fantasy VII auskennt, der wird sich auch hiermit recht schnell zurechtfinden, weil es fast identisch ist. Je häufiger ihr einen Zauber benutzt, desto eher steigt er im Level an. Aber: Wie gerade gesagt, die Zauber sind lächerlich schwach und sollten stark vernachlässigt werden.
Sound hui, Grafik pfui
Der Sound von Dragoneer’s Aria kann sich teilweise schon doch wirklich hören lassen, allerdings wirken so manche Stimmen in der englischen Sprachausgabe sehr lächerlich. Für Fans japanischer Originale gibt es ein kleines Schmankerl, da der Entwickler (Nippon Ichi Software) die japanische Sprachausgabe mit ins Spiel gepackt hat. Das ist zwar schön und gut, dann muss man aber auch des Englischen bzw. Japanischen mächtig sein, weil Dragoneer’s Aria keine deutschen Untertitel hat. Zur Grafik sage ich nur ein Wort, damit ich nicht in Hasstriaden ausschweife: Hässlich.