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Dragon Quest Swords: Die maskierte Königin und der Spiegelturm

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 erschienen
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Kategorie/Genre
 Rollenspiel

Anfang 1 2 » Fazit

Es waren grausame Wochen des Wartens bis auch wir in der Hagener Redaktion endlich das Rezensionsexemplar von Dragon Quest Swords erhielten. Eigentlich hätte es uns sehr stutzig machen müssen, dass wir das Testobjekt erst drei Tage vor Release erhalten haben, da alle anderen Titel meistens mehrere Wochen vorher hier eintrudelten. Egal, englische Reviews habe ich mir gar nicht erst angeschaut, da ich mich überraschen lassen wollte. Hier mal ein Auszug der ersten zehn Spielminuten, bevor wir ins Detail gehen.

Nachdem die Disc in die Redaktions-Wii (thx Nintendo!) eingeschoben worden ist und der schicke Screen aufleuchtet, der mir das fertige Laden des Spiels signalisiert, klicke ich flugs drauf und nach einer weiteren Ladezeit erscheint auch schon das nette Intro des Spiels. Bitter: Schon alleine das Intro verrät – die Story wird nicht prickelnd. Egal. Direkt den Namen eingetippt, erlebe ich die ersten Minuten des Spiels. Klasse, bekannte Charaktere, gute englische Sprachausgabe, gute Übersetzungen, wunderbar. Danach folgte auch schon das Tutorial der Steuerung. WiiMote von oben nach unten ziehen, unten nach oben, rechts nach links, links nach rechts, und so weiter. Cool, funktioniert ja tadellos. Danach das Schildtutorial – auch super. Wow, tolles Spiel! Am Ende folgte dann sogar die Einweisung in den „Meisterstreich“, einer Spezialattacke, die individuell ausgeführt wird – schön anzusehen und spaßig in der Ausführung. Minute 10: Alles im Eimer. Die ersten Gehversuche scheitern, weil das Spiel nur mit der WiiMote gesteuert wird, das Nunchuck kann getrost weggeworfen werden. Weitere Unannehmlichkeiten sollten folgen, das Herz eines Dragon Quest Fans blutet.

Wenn Casual-Mist auf Hardcore-RPG trifft

Es war für mich quasi ein Kulturschock als die ersten Stunden von Dragon Quest Swords vorbei waren und ich total apathisch die „Off“-Taste der WiiMote gedrückt habe. Was hat Square Enix da für einen Mist fabriziert? Ich kann mir das nicht anders vorstellen als so:

Chef: „Männer, wir brauchen ein Spiel für die Wii, das den Casual-Markt trifft und sich einer unserer starken Marken bedient.“

Williger Mitarbeiter 1: „Dragon Quest, Boss, Dragon Quest!“

Chef: „Gute Idee. Wie soll das Spiel aussehen? Irgendwelche Ideen?“

Williger Mitarbeiter 2: „Wie wärs, wenn wir eine Egoperspektive machen, Akira Toriyama um die üblichen Charakterskins bitten und die WiiMote als Schwert nehmen!“

Chef: „Klasse Idee, ich rufe gleich Akira an und sag ihm, er soll sich an die Arbeit machen! Noch andere Ideen?“

Williger Mitarbeiter 3: „Es darf kein Hardcore-RPG sein, die Wii-Spieler haben ein Durchschnittsalter von 40+, die verstehen Wörter wie ‚Skills‘ oder ‚Dungeon‘ nicht. Außerdem muss das Spiel linear sein, sonst kommen Neulinge nicht auf die Möglichkeiten klar. Das ist ja kein GTA!“

Chef: „Super, das sage ich direkt den Level-Programmierern weiter, unsichtbare Wände gibt es in nur wenigen RPGs!“

Williger Mitarbeiter 1: „Das wird ein RPG? Ich dachte eher an ‚Casual RPG meets Lightgun-Style‘!“

Chef: „Jungs, ihr seid die besten. An die Arbeit!“

Dragon Quest Swords: Die maskierte Königin und der Spiegelturm Screenshots

Tut mir echt leid, aber ich war und bin nach den ersten Stunden maßlos enttäuscht. Die Steuerung des Spiels, um mit dem Test anzufangen, ist für den Eimer. Selten habe ich über eine Steuerung geflucht, weil ich schlussendlich doch noch klargekommen bin, aber bei DQ Swords wollte das Gefühl nicht aufhören, das mir sagte: Nimm dein Nunchuck, nimm es! Mit der Steuerkreuz-Oben-Taste bewegt ihr euren Helden auf einem vorgegebenen Pfad, mit B zusätzlich gedrückt läuft der Junge Held des Spiels. Schade, das greift sich extrem ungünstig. Kommt es zum Kampf, rutscht ein Schwert über den unteren Bildschirmbereich und fügt das sehr spärliche Kampfmenü hinzu. Bild des Helden, Lebensanzeige und Meisterstreich-Balken. Den Meisterstreich führt ihr übrigens mit Druck auf 2 aus – Klasse zu greifen, liebes SQEX-Team, so richtig besch…eiden. Es geht aber noch weiter, denn mit A müsst ihr gezwungenermaßen immer einen bestimmten Punkt auf dem Bildschirm markieren, ansonsten gehen eure Schwerthiebe sonstwohin, aber nicht gegen den Gegner. Bitter wird dieses Feature erst, wenn euch mehrere Gegner gleichzeitig angreifen, ihr kontern wollt, aber nicht könnt, weil der Schild zunächst alles abhalten muss. Ständig gilt es hier die Markierung zu ändern und wie so ein irrer zu fuchteln. Für alle Neulinge sicherlich okay, für alle Dragon Quest-Fans eine herbe Enttäuschung: Bei Levelaufstieg passiert rein gar nichts. Mehr HP, mehr Angriff, mehr von allem, aber eine Individualisierung findet leider nie statt. In Zeiten von FF 12, WoW und Co. ist solch ein „Kampfsystem“ – wenn man es so nennen darf – absolut rückschrittlich, aber der Casual-Markt wird damit durchaus bedient.

Dass dieses System durchaus Spaß machen kann, will ich nicht bestreiten, aber der Sinn und Zweck dieses Prinzips wird extrem schnell nervig und vor allem demotivierend, weil man sich nach einer bestimmten Zeit denkt: Ist nicht mehr dahinter?

Und sonst?

Ja, und sonst kann man sich darauf „freuen“ in einem Team zu spielen, in dem man selbst so ziemlich gar nichts machen kann, weil die anderen Charaktere gelegentlich mal mit Zaubern zu Hilfe eilen. Darüber hinaus können sich Spieler auf altbekannte Monster wie den blauen Slime freuen, bekannte Charaktere wiedersehen und den humorvollen Stil des Spiels für ca. sieben bis acht Stunden erleben, weil der Titel danach auch schon vorbei ist – leider und damit wird Dragon Quest Swords nicht nur dem „Casual“-Mist gerecht, sondern kastriert sich überdies selbst zu einem halben WiiMote-„Shooter“ mit RPG-Attitüde. Während das Monster- und Charakterdesign des Spiels wirklich zu gefallen weiß, enttäuscht der Rest des Spiels doch auf ganzer Länge. Die Grafik wirkt häufig extrem matschig, die Objekte wirken dahingeklatscht und die Areale sind so lebendig wie die Sahara.

Dragon Quest Swords: Die maskierte Königin und der Spiegelturm

Dasselbe könnte man übrigens auch vom Sound behaupten, denn wer will anno 2008 schon 16-Bit-Sounds beim Erklimmen einer Treppe hören? Lächerlich! Ebenso lächerlich hören sich manche Stimmen der englischen Sprachausgabe an, die nun wirklich nicht ins Spieldesign passen – sorry, Square Enix, aber bis auf die DQ-familiären Songs ist das ein übler Griff ins Klo.

Ein einziges Feature hat wirklich Spaß gemacht und das war der Ersatz für die Schmiede, weil man sich hier mit den passenden Materialien seine Waffe verbessern kann. So wird aus einem normalen Schwert ein mächtiges Stahlschwert, das gleich mehr als doppelt so viel an Schaden austeilen kann. Dass die Materialien nicht ohne weiteres geholt werden können, wird hier einiges an Ausdauer und vor allem aber Geduld von Nöten sein.

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