Assassin's Creed (Tests)
Das Unwort des Assassinen: Wiederholung! Wie bei einer schlechten Soap muss man sich auch leider Assassin’s Creed vorstellen, denn das Spiel lebt quasi vom Stilmittel der Wiederholung, was allerdings nur auf den Missionsablauf, die Kämpfe, Menschen und Sprachausgabe zutrifft. Fangen wir doch mal mit den Missionen an, denn die laufen immer gleich ab, was ziemlich bitter ist. Ich habe es in meiner Preview eigentlich auch schon befürchtet, nun ist es wahr. Alle Missionen sind gleich. Ihr sammelt bzw. prügelt Informationen heraus über die Person, die es zu töten gilt. Habt ihr zwei Beweisstücke gesammelt, könnt ihr ins Büro der Assassinen – in allen drei Städten gibt es eins – und euch dort die Erlaubnis zum Mord holen. Dann seht ihr erst das Zielobjekt auf eurer Karte. Wer will, der kann natürlich auch alle neun Informationen besorgen – mehr schadet ja nicht. Wie ihr dann letztlich euren Feind über den Jordan schickt, ist eure Sache und wenigsten da wird man seiner Fantasie freien Lauf lassen können. Die Kämpfe schienen in der gespielten Preview-Version dynamisch und sehr gut. Diesen Fakt muss ich jetzt aber leider etwas abändern, denn nach 20 Spielstunden hätte ich jeden Kampf auch im Schlaf geschafft, was einzig und allein an den viel zu starken Kontern und der Berechenbarkeit der Gegner liegt. Wenn ihr zu defensiv seid, werden sie euch nicht mehr angreifen. Zwar lernt die KI schnell, wie der Hase läuft, im Grunde aber ist das ein immer wiederkehrender Rhythmus, der, wenn man ihn erkannt hat, ziemlich schwach ist. Timing ist alles und wenn man mal 12 Gegner um sich herum hat, dann sind die spätestens zwei Minuten später alle tot, weil man sie ausgekontert hat. Das heißt allerdings nicht, dass die Kämpfe nicht spannend wären, denn die Animationen und die cineastischen Elemente sind grandios genug, um immer wieder eine Auseinandersetzung anzuzetteln. Was in den Städten wirklich sehr auffällig ist, sind die Menschen. Zwar tummeln sich über 20 oder 30 Leute gleichzeitig auf dem Bildschirm und gehen ihrem Leben nach, aber wenn man mal einen genauen Blick auf deren Gesichter und Kleidung wirft, wird man bemerken, dass sie doch alle recht gleich aussehen. Manchmal sieht man sogar zwei identische Menschen direkt nebeneinander – und dabei dachte ich, dass man anno 1191 nicht klonen konnte. Vielleicht macht es auch der Animus (der Computer, mit dem Miles seine Erinnerungen durchlebt), man weiß es nicht. Das schmälert das an sich grandiose Gefühl des Stadtlebens zwar nicht sonderlich stark, aber etwas Enttäuschung macht sich dann doch breit. Viel schlimmer ist eigentlich, dass sich die prinzipiell geniale Sprachausgabe durch immer wiederkehrende Samples leider selbst abwertet. Wenn ich das tausendste Mal hören muss „Sterbt, Räuber“, dann fange ich an, rot zu sehen und töte diese Person sofort aufgrund von Frust oder schalte die Konsole aus . So schlecht ist es dann auch wiederum nicht Auch wenn man im vorherigen Abschnitt den Eindruck bekommen haben könnte, ich wäre ein frustrierter Spieler, der sich einfach zu viel erhofft hatte, so muss ich sagen, dass das im Prinzip Peanuts sind, denn Assassin’s Creed hat verdammt viel zu bieten. Es gibt sechs riesige Gebiete, die man erkunden kann, wozu unter anderem der Stützpunkt der Assassine mitsamt Dorf, die Stadt Jerusalem, Akkon sowie Damaskus zählen. Außerdem gibt es noch das „Königreich“, welches als Verbindung zwischen den drei Städten angesehen werden kann. Das Schöne an den drei Metropolen ist, dass sie in jeweils drei Viertel geteilt sind, in denen ihr zahlreiche Nebenmissionen (gleichen sich allerdings auch allesamt) vollführen könnt, damit ihr die Bürger und Geistlichen auf eure Seite zieht. Helft ihr zum Beispiel den Armen, werden euch Partisanen unterstützen. Rettet ihr jemanden aus dem Adel, könnt ihr euch zwischen Mönchen einreihen und so unerkannt entkommen oder an verbotene Orte gelangen. Beides geht natürlich auch ohne Mithilfe, aber warum sollte man die Möglichkeiten des Gameplays nicht auch ausnutzen? Viel beeindruckender ist, was Ubisoft aus den Städten gemacht hat, denn gerade die Architektur wirkt absolut authentisch und echt. Wer auf einen der hohen Aussichtstürme klettert, der wird die ganze Pracht der Stadt sehen können – und die Weitsicht ist ebenfalls riesig. Noch viel schöner ist der Gedanke, dass alle Orte, die ihr seht auch begangen werden können in der Stadt und ihr dabei nicht eine Sekunde von Ladezeiten bemerkt, was unter anderem modernster Streaming-Technologien zu verdanken ist. Es ist nur sehr schade, dass Ubisoft außer einigen Flaggen, zwei optionalen Nebenmissionen sowie den Aussichtstürmen (Synchronisation mit DNA zur Erweiterung der Karte) nichts weiter im Königreich gemacht hat. Und weil die Wege auch noch so elend lang sind, muss man auf das Pferd umsteigen, aber immerhin hat man sich hier keine Fehler geleistet. Geschrieben von: Adam Smieja am 17.11.2007
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