VN:F [1.9.10_1130]
Eure Wertung:
2 votes
10.0

Gefällt dir das Spiel? Oder war es ein totaler Flop? Teile es uns mit!
Philipp Kleidt: Meine Spiele des Jahres 2011
Du bist hier: Spieletester > Specials > Philipp Kleidt: Meine Spiele des Jahres 2011

Philipp Kleidt: Meine Spiele des Jahres 2011

Geschrieben von: am 20.12.2011
Wow, 2011 war gefühlt DAS Gaming-Jahr überhaupt. Eine solche Release-Flut, gerade ab September, hat man lange nicht mehr gehabt. Top-Namen wie Battlefield 3, Modern Warfare 3, The Elder Scrolls V: Skyrim, Uncharted 3, Saints Row: The Third und und und bevölkerten die Prospekte von Saturn, Media Markt und Konsorten und der passionierte Gamer wusste gar nicht, wo er das Geld und die Zeit hernehmen sollte. So ging es auch mir, denn als Redakteure sind wir noch ein bisschen mehr gebeutelt, was solche Release-Wellen angeht. Denn wenn man schon fünf Testmuster herumliegen hat, die gespielt werden wollen, dann findet man wenig Zeit für weitere Zeitfresser wie Skyrim oder Multiplayer-Könige wie Battlefield 3. Trotzdem hat man natürlich versucht, möglichst viel von den großartigen Spielen 2011 mitzunehmen und hier präsentiere ich euch jetzt meine persönlichen Top 5 Spiele. Eins noch vorweg: Gefühlt müssen auch Uncharted 3 und The Witcher 2 hier drin stehen, aber ich hatte noch keine Chance diese Spiele anzuspielen. Nach den Vorgängern, den gesehenen Infos und Videos im Internet sowie Eindrücken von der gamescom haben die beiden sich aber sicherlich ein Platz in meinen Top 5 verdient.

Platz 5 - Gemini Rue



Gemini Rue ist ein Name, der möglicherweise vielen von euch gar nicht geläufig ist. Denn das recht wenig beworbene Spiel erschien schon vor geraumer Zeit im Ausland und hat es erst 2011 auch nach Deutschland und somit auf meinen Rechner geschafft. Das Besondere an diesem Point’n’Click Adventure war und ist der Retro-Look. Sowohl Soundtrack als auch Grafik und Spielstil orientieren sich in klassischer 8-Bit-Manier an Genre-Legenden aus vergangenen Tagen. Da schmilzt das Gamer-Herz natürlich sofort hin und man kann gar nicht anders als mit der rosa Retro-Brille einzusteigen.

Gemini Rue spielt in der Zukunft und einem ziemlich totalitären System. Dabei wird die recht tragische Geschichte durch verschiedene Personen erzählt, die augenscheinlich erstmal nichts miteinander zu tun haben. Im Laufe des Spieles treten immer mehr Überschneidungen auf, bis am Ende die Fäden zusammen geführt werden. Dabei zieht euch das Spiel mit einer Blade Runner-Atmosphäre in seine Fänge und fesselt euch trotz oder gerade wegen der altbackenen Grafik stundenlang vor den PC. Besonders bei der Steuerung werden heutige Adventure-Fans sich bei diesem Spiel umstellen müssen. So kann man nicht einfach auf Objekte draufklicken und es wird schon das Richtige bei rum kommen. Hier müsst ihr ganz oldschool genau sagen, was ihr mit den Objekten machen wollt, zum Beispiel „gucken“, „reden“ oder „treten“. Dabei entstehen immer wieder witzige Situationen und es hilft enorm dabei, den fairen und fordernden Schwierigkeitsgrad zu halten.

Zwischendurch wird das Point’n’Click-Einerlei immer wieder durch kleine Action-Passagen aufgepeppt. Dort müsst ihr die Tastatur unter die Finger klemmen und in einem simplen Minispiel, bestehend aus Deckung, Schießen und Nachladen, die Gegner zur Strecke bringen. Das macht kurzweilig Spaß und kommt nicht zu oft vor, so dass man sich immer wieder darüber freut.

Einzelfall

Gemini Rue hat mir persönlich extrem viel Spaß gemacht, aber ich muss trotzdem klar sagen, dass ich das Spiel kaum jemandem empfohlen habe. Und zwar weil die Zielgruppe einfach sehr klein ist. Point’n’Click Adventures sind schon nicht das populärste Genre und der Oldschool-Stil kommt wohl auch bei dieser Zielgruppe nicht bei allen Zockern an. Man muss sich eben vorher im Klaren darüber sein, dass Gemini Rue kein 2011er-Point’n’Click mit zeitgemäßer Technik, komfortabler Steuerung und einem Hilfe-Button nach dem anderen ist. Hier ist man bewusst zu den Wurzeln des Genres zurückgekehrt und hat eine Menge Stil bewiesen. Aber eben diese „Schwäche“ der Spezialisierung ist eben auch die Stärke des Spieles. Denn in meinen Augen war Gemini Rue trotz vieler anderer guter Point’n’Clicks in diesem Jahr absolut konkurrenzlos. Denn so gut wie The Next Big Thing beispielsweise war, so unvergleichlich episch fühlt sich Gemini Rue im direkten Vergleich an. Ein Spiel für eine geringe Zielgruppe, deren Freude daran umso größer sein wird.

Platz 4 - Saints Row: The Third



Dass Saints Row: The Third in meinen Top 5 landet, ist fast schon Zufall, habe ich das Spiel doch vor ungefähr einer Woche erstmals gespielt. Und auch wenn ich noch lange nicht durch bin, geschweige denn das ganze Potential abschätzen kann, weiß ich: Dieser Titel geht in meine Lieblingsspielliste ein. Und das obwohl mich die Aufmachung mit dem ganzen Lila wirklich abschreckt und ich es vom Design her absolut inakzeptabel finde. Doch Saints Row ist neben GTA einfach existenzfähig, weil es keine Konkurrenz darstellt. Während GTA trotz einiger Freiheiten versucht, eine glaubwürdige und vor allem ernste Story zu erzählen, geht Saints Row in die andere Richtung, gibt Spielern mehr Freiheit und nimmt sich selber und seine Geschichte kaum ernst. Die Story um die Bandenkriege sind eigentlich nur Beiwerk und im Prinzip baut man seine eigene Gang immer weiter auf, kauft immer neue Läden und Häuser, bekommt immer mehr Respekt. Und dieser quasi Rollenspiel-ähnliche Aufbau, zusammen mit kaufbaren Upgrades bei neuen Respektstufen, macht einfach süchtig. Während man in GTA gespannt die Story verfolgt, geht es in Saints Row um Gang(Charakter)-Wachstum und Individualisierung.

Nichts für schwache Nerven

Fest steht aber auch: Saints Row kann man nur genießen, wenn man in der Lage ist, ein Spiel komplett mit Abstand zu betrachten. Denn es steht außer Frage, dass die gezeigte Brutalität und Perversion in Saints Row das meiste bisher Dagewesene übertrifft. Ehrlich gesagt wundert es mich ziemlich, dass ein solches Spiel überhaupt problemlos in Deutschland vertrieben werden darf. Wer hier loslegt, sollte also nicht nur volljährig sein, sondern sich auch darüber bewusst sein, dass er ein Spiel startet, das sich selber nicht ernst nimmt und viele Aspekte unserer modernen Gesellschaft auf sehr krasse Weise in Frage stellt. Wer also ein Problem damit hat, in einer Fernseh-Show anzutreten, in der es um ein realistisches Mörder-Spiel mit dem Ziel von Schmerz und Gewalt, dargestellt als harmloses und witziges Format, geht, der sollte einen Bogen um dieses Spiel machen.


Warum ich den dritten Teil der Saints Row Serie wirklich lieben musste, wurde mir in dem Moment klar, als ich das erste Mal zu Fuß auf einem Penthouse-Dach stand. Ich fragte mich, ob ich einfach herunterspringen und den Fallschirm ziehen könnte und probierte es einfach aus. Und was macht das Spiel? Es lässt mich nicht sterben, es lässt mich nicht laden, es lässt mich einfach das Haus herunterspringen und mit atemberaubender Schnelle gen Asphalt stürzen. Gerade noch rechtzeitig aktiviere ich den Fallschirm und lande Punktgenau auf einem Bus. Solche Momente oder Missionen, in denen ihr mit der Ragdoll-Engine möglichst krasse Unfälle provozieren müsst, um die Versicherung zur Kasse zu bitten, gibt es einfach so momentan nirgendwo anders.

Ein starker Start

Besonders an Saints Row: The Third ist auch das furiose Intro. Ihr beginnt bei einem Banküberfall der Saints. Diese sind eine national bekannte Gruppe von Kriminellen, die schon so einen Coolness-Status haben, dass sie während ihrer Überfälle Autogramme geben. Ein paar lustige Szenen und viel Geballer später habt ihr die erste Mission gepackt und habt in der Luft (nämlich in einem Flugzeug) ein Meeting mit eurem späteren Erzfeind, dem Syndicate. Diese haben euch nämlich entführt und dort hingebracht, um zu verhandeln. Davon hält man als wahrer Saint aber nichts, also befreit ihr euch, die Ballerei geht los und kaum hat man sich versehen, stürzt der Vogel ab und ihr fliegt durch die Luft. Spätestens jetzt wird man stark an eine der besten Shooter-Level jemals erinnert: Das Flugzeug-Level aus No One Lives Forever. Wie Cate Archer damals fliegt ihr in Saints Row durch die Luft, weicht Gegenständen aus und beharkt Gegner, nur um selber zu überleben, dem Boss des Syndicates noch einmal ordentlich Blei in den Wanst zu jagen und eure Kollegin zu retten. BAM! Das ist mal ein Einstieg, wie er sich gehört. Sofort wird der unverkennbare Stil etabliert, sofort wird klar gemacht, worum es im Spiel geht.

Die Kehrseite der Medaille

Doch bei all meinem Lob hier muss ich fairerweise auch kurz erwähnen, dass Saints Row: The Third keineswegs die eierlegende Wollmilchsau ist. So schwankt der Schwierigkeitsgrad zum Beispiel stark. Seid ihr alleine unterwegs sind die meisten Missionen ein Kinderspiel, doch sobald einer eurer Kollegen mitmischt, wird es sau schwer, da die Begleiter-KI oftmals Aussetzer hat und generell eher in der Baumschule als auf der Straße das Gangster-Dasein gelernt hat. Hinzu kommt, dass der extrem überzeichnete Stil auch nicht jedermanns Geschmack ist. Alles ist lila, alle Klischees sind umgesetzt, Saints Row ist einfach eine kunterbunte glitzernde Packung Glamour, ganz im Gegensatz zu dem bodenständigen, fast dreckigen und ernsten GTA IV. Dafür bietet The Third aber auch eine Menge mehr Coolness. Durch die unglaublich gut gemachten Animationen und eine Vielzahl an Outfits und Designs fegt ihr die Gegner schöner Weg als in jedem anderen Open-World Spiel und jeder Kampf wird zu einem Spektakel für Augen und Ohren.

Alles in Allem ist Saints Row The Third also definitiv ein Spiel, das jeder erwachsene Spieler mit einer hohen Toleranz für schwarzen Humor und wenig Engstirnigkeit gespielt haben sollte. Sofern ihr kein Problem mit der gelegentlichen Überschreitung von moralischen oder ethischen Grenzen habt, spricht eigentlich nichts gegen die Erfahrung als Saint. Doch seid euch darüber im Klaren, dass in diesem Spiel einiges passiert, was ihr nicht euren Großeltern erzählen wollt.

Platz 3 - Driver: San Francisco



Driver. Sagt euch der Nae etwas? Hmm, ich helfe auf die Sprünge: Tiefgarage, enges Zeitlimit, unschaffbar, frustrierend. Ahhh, klingelt da was? Richtig, Driver 1 war seinerzeit das gefühlt schwierigste Rennspiel, was nicht daran lag, dass kein Schwein das Spiel beenden konnte, sondern vielmehr daran, dass man es gar nicht erst aus dem Tutorial heraus geschafft hat. Dieses Spiel ist noch heute das Game mit dem schwierigsten Tutorial, das mir bekannt ist. In einem höllisch knappen Zeitlimit musstet ihr damals euren 80er-Jahre Wagen, der offenbar Schwämme statt Stoßdämpfer verbaut hatte, um die engen Kurven einer Tiefgarage zirkeln und dabei seid ihr mindestens hundert Mal gescheitert. Dieser Name hat sich bei mir extrem eingeprägt, kein Wunder also, dass ich sehr auf Driver: San Francisco gespannt war. Als ich mir das Spiel vor einigen Monaten bei Ubisoft in Düsseldorf angesehen und es auch angespielt habe, wuchs die Vorfreude um ein Vielfaches, weil vor allem der erfreulich frische und abwechslungsreiche Multiplayer zu überzeugen wusste. Warum Driver: San Francisco es in meine Top 5 2011 geschafft hat, lest ihr in den folgenden Zeilen.

Auch im neusten Teil der Serie geht es wieder um den Cop Tanner und seinen Erzfeind Jericho. Letzter soll zu Beginn des Spiels endlich seinem Urteil entgegen sehen und für alle ist der Fall abgeschlossen. Alle bis auf Tanner. Als Jericho also abtransportiert werden soll, ist er mit seinem Partner der Einzige, der direkt bereit steht, als natürlich alles schief geht. Die beiden verfolgen den Verbrecher und bauen einen dicken Unfall, woraufhin Tanner im Krankenhaus landet. Aber nur eigentlich. Ab hier geht das Spiel nämlich erst wirklich lost, im kompletten neuen Teil der Serie spielt ihr nämlich in Tanners Kopf. So könnt ihr durch die Stadt heizen und von Auto zu Auto shiften. Am Anfang der Story muss er erstmal selber verstehen, dass er das kann und dann seinen Partner davon überzeugen, um schließlich sinnvoll Gebrauch davon zu machen und Jericho ein für alle Mal das Handwerk zu legen. Zwischendurch wird die Story durch Sequenzen und eine Mind-Map weitergeführt, was nicht nur eine gute Idee war, sondern auch noch atemberaubend gut aussieht.

Für jeden was dabei

Spielerisch ist Driver: San Francisco ein typisches Action-Rennspiel alá Need for Speed. Der Gasfuß wird durchgedrückt, die Bremse verstaubt und man möchte immer mehr Nitro haben. Gut, dass die KI ordentlich ist und euch in den vielen verschiedenen Rennmodi wie Checkpoint-Race oder Sprint wirklich fordert. Immer wieder sind die Story-Missionen auch abwechslungsreich gestaltet und wechseln von Beschattung über unauffällige Flucht bis hin zu Zerstörungsaufgaben. Dabei schaltet ihr immer neue Wagen frei, die ihr dann in käuflichen Garagen erstehen könnt. Die Wagen an sich sind nicht individualisierbar, selbst der Lack wird bei jedem Garagenbesuch zufällig neu generiert. Das Sinnvolle hier ist, dass gekaufte Autos euch ein Einkommen bescheren, so dass das Investment sich wirklich lohnt. Mit der Zeit löst ihr immer mehr Missionen, Nebenmissionen und Challenges und schaltet immer weitere Teile vom hügeligen San Francisco frei. Dabei sammelt ihr auch kleine Collectives und spielt so neue Herausforderungen oder versteckte Autos frei. Im ganzen Spiel, welches euch ca. 20 Stunden beschäftigen sollte, wenn ihr nicht durch die Hauptmissionen hetzt, gibt es 140 Autos, die sich erstaunlich angenehm und nachvollziehbar fahren.

Geteilte Freude ist doppelte Freude

Zum sehr gelungenen Singleplayer kommt bei Driver: San Francisco auch noch ein verdammt spaßiger Multiplayer hinzu. In unzähligen verschiedenen Modi tretet ihr gegen eure Freunde an und durch das Shiften entbrennt jedes Renne zu einem wahren Emotions-Feuerwerk. Hier werden Freunde schnell zu Feinden, Mario Party lässt grüßen. Driver: San Francisco macht als simples Action-Rennspiel alles richtig. Großer Fuhrpark, starke Technik, nett erzählte Story, guter Multiplayer, motivierende und abwechslungsreiche Aufgaben und natürlich das geniale Shift-Feature. Hier wurde nicht nach Rezept gekocht, hier hat man wirklich ein definierendes Spiel geschaffen. Definitiv ein Pflicht-Spiel für jeden, der keine Rennspiel-Phobie hat, und mein persönlicher Platz #3 in diesem Jahr.

Platz 2 - L.A. Noire



Als Rockstar das erste Mal Infos zu L.A. Noire auf das Internet losließ, war ich hin und weg. Ein so mutiges Spiel-Konzept von einem Entwickler-Studio, in das ich so großes Vertrauen habe, das musste doch gut werden! In dem Detektiv-Spiel startet ihr als LAPD-Polizist Cole Phelps so richtig durch. Ihr arbeitet euch Fall für Fall hoch auf der Karriere-Leiter, wobei immer mehr Teile einer riesigen Intrige aufgedeckt werden und das Spiel ein unerwartetes Ende in Petto hat. Dabei geht es wirklich um klassische Detektiv-Arbeit, denn anderes als in anderen Action-Spielen kommt es hier nicht nur auf Blei an. L.A. Noire hat es sich zum Ziel gesetzt, das Suchen von Indizien, Kombinieren von Tipps und Verhören von Personen zu elementaren Spielinhalten zu machen. Nicht, dass in diesem Rockstar-Spiel kein Blei gepustet wird, das wäre gelogen, aber trotzdem geht es auch öfters mal etwas ruhiger zu und man muss sich Zeit nehmen, um hier voran zu kommen. Generell ist das Spieltempo bei diesem 40er-Jahre-Spiel relativ gering, was aber gerade aufgrund des brillanten Stils dieser Zeit perfekt passt. Im historisch ziemlich akkurat nachgebauten Los Angeles dürft ihr nicht nur zeitgemäße Klamotten tragen und Autos fahren, ihr dürft vor allem die Stadt in Originalgröße genießen. Dadurch entsteht ein Gefühl der Freiheit, auch wenn die Fälle an sich sehr linear und vorgegeben ablaufen.

Das Experiment

Das Verhören von NPCs als elementares Spielelement zu etablieren, ist natürlich sehr gewagt und benötigt einiges an Kreativität und Können. So bietet L.A. Noire zu diesem Zweck die wohl besten Gesichts-Animationen, die man je in einem Videospiel gesehen hat, damit ihr auch beurteilen könnt, ob die Suspekte denn nun Lügen oder die Wahrheit sagen. Beim Sammeln von Hinweisen und Verbinden von Ideen ist euer Notizblock ein ständiger Begleiter. In ihm sammelt ihr Infos, habt Telefonnummern und Adressen aufgeschrieben und erfahrt meist, was es gerade zu tun gibt. Wenn ihr mal nicht in Verhören steckt oder durch die Stadt brettert, inspiziert ihr oft Tatorte. Diese beinhalten meist als zentralen Punkt eine oft brutal zugerichtete Leiche und eine unterschiedlich große Anzahl an Hinweisen. Nähert ihr euch einem solchen Hinweise, ertönt ein Ping und der Controller beginnt zu vibrieren, so dass man quasi digitales Topfschlagen spielt. Damit ihr nicht zu lange an einem Tatort herumhängt, ändert sich die Spielmusik, sobald ihr alles abgegrast habt. Geht es mal doch gar nicht weiter, könnt ihr Intuitionspunkte einsetzten, um zum Beispiel Hinweise angezeigt zu bekommen oder Lügen zu entlarven. Doch eigentlich ist der Schwierigkeitsgrad von L.A. Noire so durchschnittlich, dass diese Punkte selten zum Einsatz kommen.

Nicht neumodisch

Wie ich schon erwähnt habe, spielt sich L.A. Noire recht langsam, nicht nur der optische Look und der Soundtrack sind also auf alt getrimmt. Man bekommt hier kein kurzweiliges Action-Spiel mit schnellen Schnitten und rasender Musik. Vielmehr überzeugt dieses Werk durch einen passenden und dynamischen Soundtrack, eine stark erzählte Story sowie ordentliche Charaktere. Man muss sich also Zeit nehmen, um die Handlung zu verfolgen und in Ruhe ein gutes Spiel genießen zu können. L.A. Noire ist nicht der Shot Absinth, L.A. Noire ist der gute Whiskey, den man in Ruhe und am besten mit Freunden genießt. Das mit den Freunden meine ich ernst! Es handelt sich hier zwar um ein Singleplayer-Spiel, aber mit ein paar Kumpels macht das Rätseln nochmal mehr Spaß. Sich mit Freunden die Frage zu stellen, ob das Opfer unserer eisernen Befragung nun lügt oder doch die Wahrheit preisgibt, ist unbezahlbar und vor allem so in keinem anderen Spiel zu finden.


Hält, was es verspricht

Ich hatte hohe Erwartungen an L.A. Noire und sie wurden nicht enttäuscht. Eine interessante Story mit Höhen und Tiefen, noch nie gesehen Spielelemente, die gut umgesetzt wurden, ein super umgesetztes Setting, sowohl grafisch als auch akustisch, und eine wirklich gute Spielbarkeit. L.A. Noire ist wie ein gutes Buch: Nehmt euch die Zeit dafür und ihr werdet belohnt. Wer lieber Magazine oder Comics liest, ist hier falsch bedient, jeder andere muss definitiv mal reingespielt haben. Ganz klar meine Nummer #2 der Top Spiele 2011!

Platz 1 - The Elder Scrolls V: Skyrim



Fus-Ro-Dah! Da ist es endlich. Am 11.11.11 erschien der Nachfolger zu einem meiner Lieblings-Rollenspiele aller Zeiten. Wenn ich daran zurückdenke, wie viele Stunden ich schon in Morrowind verbracht habe, kann ich es kaum fassen, dass ich so lange ohne ein neues Spiel der Serie ausgehalten habe. Skyrim hat ja an Medienrummel die meisten anderen Rollenspiele hinter sich gelassen und kam fast schon an Giganten wie Battlefield 3 heran. Mittlerweile hat es an verkauften Exemplaren sogar Modern Warfare 3 getoppt und diese Zahlen kommen nicht von ungefähr. Top-Scores weltweit, eine riesige Modding- und Fan-Gemeinde, die schon jetzt Unmenschliches verbringt und die Erschaffung eines Memes, das wohl durch mehr demografische Gruppen gegangen ist, als alles andere. Oder wollt ihr mit erzählen ihr habt noch von keinem Youtube- oder Facebook-User gelesen, der ein Pfeil ins Knie bekommen hat und daher nicht mehr so genial sein kann wie vorher? Eben, ich auch nicht.

Im Land der unbegrenzten Möglichkeiten

Skyrim geht etwas anders an die Philosophie von Singleplayer-Rollenspielen heran. Während man normalerweise bemüht ist, eine epische Story möglichst intensiv zu erzählen und dem Spieler so ein starkes Erlebnis zu liefern, gibt Skyrim einfach volle Freiheit und sorgt für unzählige Möglichkeiten. Schon bei der Charakter-Wahl wird klar: Hier wird nicht gespart. Serientypisch habt ihr einige Rassen zur Auswahl, beispielsweise die menschlichen Nord, Orcs oder die katzenähnlichen Khajiits. Jede Rasse hat dabei kleine Vorteile, so können die Nord zum Beispiel einiges an Kälte aushalten während die reptilienartigen Argonier unter Wasser atmen können. Darüber hinaus gilt: Become who you want to become. Zu Beginn des Spieles habt ihr nämlich mit allen Rassen die gleichen Startwerte für eure Skills. Durch Benutzung stärkt ihr diese und sammelt so Erfahrung für neue Level. Ihr spielt immer mit einem Einhandschwert? Dann werdet ihr damit auch immer besser. Ihr schmiedet gerne Rüstungen? Dann werdet Meisterschmied. Dabei ist vor allem positiv hervorzuheben, dass eine Spielweise die andere nicht ausschließt. Ihr könnt (genug Zeit und Geduld vorausgesetzt) in allen Bereichen meisterhaft werden. Auch angenehm ist, dass das gute Balancing jede erdenkliche Spielweise zulässt. Denn auch wenn klassische Nahkämpfer es gefühlt ein wenig leichter haben, könnt ihr problemlos auch als Magier, schleichender Meuchelmörder, ehrenhafte Bogenschütze oder wortgewandter Dieb das Spiel bestreiten. Man hat wirklich das Gefühl, dass man in Skyrim alles machen kann und zwar wann immer man möchte.

Die unendliche Geschichte

Durch den enormen Umfang und die Vielfalt der Aufgaben in Skyrim werdet ihr eine Menge Zeit mitbringen müssten. Ich hatte nach mehr als 20 Stunden Spielzeit gerade mal 3 Hauptquests hinter mir und hatte zu keiner Zeit das Gefühl etwas zu verpassen oder zu wenig zu tun zu haben. Etliche Dungeons wollen erkundet, Geschichten belauscht, Gegner erledigt, Rüstungen geschmiedet, Tränke gebraut, Zauber gewirkt und Leute bestohlen werden. Immer gibt es neue Gebiete, die ihr erkunden, neue Talente, die ihr freispielen, neue Waffen, die ihr haben wollt. Es nimmt einfach gefühlt kein Ende und Skyrim ist so voll von Aufgaben und Möglichkeiten, wie ich es in keinem Singleplayer-Spiel seit Morrowind erlebt habe.


Hinzu kommt der starke Support, den Bethesda den Spielern gegenüber bietet. Eine solch starke Modding-Freundlichkeit ist selten. Schon jetzt gibt es unzählige Verbesserungen, die dieses epische Spiel noch besser machen. Das ist auch gut so, denn so genial Skyrim auch ist, natürlich haben sich bei der Spielgröße auch einige Bugs und Unzulänglichkeiten eingeschlichen. Doch eine sympathische und vor allem riesige Community fixt an allen Ecken und Enden und für jeden Geschmack ist etwas dabei. Schon eine Woche nach Release gab es beispielsweise eine Mod, die Spinnen im Spiel durch schicke Bären ausgetauscht hat, damit man sich nicht fürchten muss. Auch das recht schlechte Inventar der Original-Version ist mittlerweile unglaublich gut geworden, alles kostenlos und alles durch eine gesunde Community entstanden. Große Modding-Projekte arbeiten bereits an umfangreichen Grafik-Verbesserungen (Ja, es geht NOCH besser) sowie einem Online-Modus. Ich könnte noch seitenweise über Skyrim schwärmen, aber das ist nur Zeit, die euch nachher fehlt, um euren Charakter zu verbessern: Wenn ihr nicht absoluter Genre-Feind seid, MÜSST ihr Skyrim spielen. Unbestritten ist Bethesdas neues Meisterwerk mein absolutes Lieblingsspiel in diesem Jahr und ich werde wohl noch einige Stunden in Skyrim verbringen. Hoffentlich geht mein Computer vor der Klausurenphase kaputt, damit ich keine andere Wahl habe, als zu Abwechslung auch mal zu lernen!

Spiel der Woche

Werbehinweis


Spam Protection by WP-SpamFree