John-Henry Drabeck: Meine Spiele des Jahres 2011
Geschrieben von: John-Henry Drabeck am 23.12.2011
Meine lieben Kollegen haben es schon mehrfach wiederholt: 2011 war ein großartiges Jahr! Wir durften ein paar neue Redakteure in unserem Team begrüßen, die uns tatkräftig beim Testen und dem Verfassen von News unterstützen, wir haben gemeinsam Köln unsicher gemacht, Presse-Events gab es auch zuhauf und natürlich waren wir auch wieder mit unzähligen Rezensionsexemplaren gesegnet. Seit nunmehr 4 Jahren bin ich für Spieletester.com tätig und verfolge die Spielebranche seitdem etwas genauer als vorher und irgendwie scheint jedes es jedes Jahr zu schaffen, besser als das Vorjahr zu werden. Die Prognose für das neue Jahr – wo wir uns mit der PlayStation Vita und vielleicht auch der Wii U gleich zwei auf neue Plattformen freuen dürfen – steht also außerordentlich gut, doch möchte ich in den folgenden Zeilen das Gaming-Jahr 2011 noch einmal Revue passieren lassen.Platz 5 – The Elder Scrolls V: Skyrim
Ich glaube mittlerweile wundert es niemanden mehr, wenn Bethesda’s aktuelles Meisterwerk The Elder Scrolls V: Skyrim in einer Games of the Year-Liste auftaucht und diese vielleicht sogar anführt, denn die Macher von Morrowind, Oblivion, Fallout 3 und vielen weiteren Hits haben sich hier einfach noch einmal selbst übertroffen und eine so gigantische Welt erschaffen, die schon fast mit einem MMORPG mithalten kann. Genau diese Welt ist es auch, die mich an Skyrim so fasziniert hat. Normalerweise bin ich nicht der Typ für viel Freiheit in Spielen, ich fühle mich dann immer ein wenig verloren und mein Interesse am Titel sinkt wahnsinnig schnell, weil zwar sicherlich viel Freiheit geboten wird, dieser große Spielraum aber häufig nicht ausreichend mit Inhalten gefüllt wird. Skyrim hingegen brilliert in dieser Hinsicht! Hinter jedem Baum, unterm jedem Steinchen und in jeder Höhle verstecken sich nicht nur per Zufalls-Editor eingefügte Gegner, sondern ganze Geschichten! Geschichten von mutigen Abenteurern, die einem großen Schatz auf der Spur waren, aber dann doch kurz vor ihrem Ziel das Zeitliche segnen mussten. Geschichten von Menschen, die den Bürgerkrieg in „Himmelsrand“ missbrauchen, um ihrer kriminellen Ader zu frönen, von verzweifelten Familien, die aus ihrem Anwesen vertrieben wurden und kostbare Erbstücke zurücklassen mussten, von Pärchen, deren Liebe selbst nach ihrem Tod so stark ist, dass ihre Geister rastlos nacheinander suchen.Mit diesen vielen kleinen Geschichten schafft es Skyrim, diese riesige Spielwelt lebendig zu machen. Kein Spiel hat es bisher geschafft, mich so lange nur mit vermeintlich banalen Nebenquests am Bildschirm zu halten, sodass ich die eigentliche Hauptstory fast vollkommen aus den Augen verliere. Dabei ist diese gar nicht mal so uninteressant, gilt es doch herauszufinden, warum seit langer Abwesenheit plötzlich wieder Drachen das Land heimsuchen, was genau wir damit zu tun haben und wie unser Held in dieses vom Bürgerkrieg geplagte Reich passt.
Apropos Drachen… Wow! Die riesigen Leviathane aus Skyrim sind in diesem Jahr die mit Abstand coolsten Gegner überhaupt! Nichts ist atemberaubender, als gemütlich und nichtsahnend durch die Landschaft zu schreiten, nur um dann einen großen Schatten am Boden zu erkennen und wenige Sekunden später den markdurchdringenden Schrei der fliegenden Bestie zu vernehmen. Mit Pfeil und Bogen versuchen wir vergeblich, das Vieh mit ein paar Treffern in die Flügel zum Landen zu zwingen, bis die Bestie dann direkt vor uns landet, tief einatmet und uns in einen Feuersturm hüllt. Schützend halten wir das Schild vor uns und machen uns bereit für unseren eigenen Angriff. Stahl stößt auf knochenharte Schuppen, doch irgendwie schaffen wir es tatsächlich, das furchteinflößende und doch anmutige Wesen mit einem ordentlichen Hieb in den Hals zur Strecke zu bringen. Das Adrenalin pumpt noch durch unseren Körper und wir wollen eigentlich nur eines: Jagd auf den nächsten Drachen machen, denn jetzt haben wir Blut geleckt!Für mich persönlich sind diese Begegnungen das Highlight von Skyrim, doch es gibt noch so viele andere, zum Teil nur kleine und banale Dinge, die das Spiel so besonders machen. Das wahnsinnig individuelle Level-System zum Beispiel, bei dem ihr eure Fähigkeiten nicht primär über Punkteverteilung verbessert, sondern über die Benutzung selbiger. Oder aber die unglaublich vielen Orte, die es zu entdecken und erforschen gilt, das wunderschöne Polarlicht, das man nachts perfekt von Weißlauf beobachten kann, und, und, und… The Elder Scrolls V: Skyrim ist ein wahres Mammut-Spiel, das euch mit Sicherheit hunderte von Stunden an den Bildschirm fesseln wird. Wer Rollenspiele mag und nach dem besinnlichen Zusammensein mit der Familie über die Feiertage in eine unglaublich umfangreiche und mit viel Liebe zum Detail gestaltete Fantasywelt abtauchen will, dem kann man Skyrim nur wärmstens empfehlen, besonders wenn ihr all die linearen und schlauchartigen Spiele langsam satt habt und eigentlich nur eines wollt: Freiheit!
Platz 4 – Dead Island
Wer mich kennt, den wird es nicht verwundern, dass das Open World-Spiel Dead Island seinen Weg in meine Top 5 gefunden hat, denn ich bin nicht nur ein großer Fan von Survival Horror-Spielen, nein, ich liebe auch Zombies! 28 Days/Weeks Later, Land of the Dead, Shawn of the Dead, Dawn of the Dead, Day of the Dead, Outpost, Planet Terror, [REC], Resident Evil, Zombieland, you name it, I’ve seen it! Außerdem habe ich einige Monate vor dem Release von Dead Island eigentlich eher zufällig damit angefangen, die “The Walking Dead”-Comics zu lesen und die dazugehörigen TV-Episoden von AMC zu gucken, doch spulen wir ein wenig zurück.Schon im Juni 2006 kündigten das polnische Entwicklerstudio Techland und Publisher Deep Silver den Zombie-Shooter Dead Island an, der nach Planung schon 2008 erscheinen sollte. Zwei Jahre vergingen und irgendwie hörte man nicht mehr viel von dem Spiel, bei mir persönlich tauchte der Titel ohnehin noch nicht auf dem Radar auf. Und dann kam der 16. Februar 2011 – der Tag, an dem Dead Island quasi neu angekündigt wurde… und der Tag, an dem einer der grandiosesten Spiel-Trailer veröffentlicht wurde, den die Welt je gesehen hat. Ihr erinnert euch sicherlich alle an das kleine Mädchen, das mit starrem Blick auf dem Rasen vor einem Hotel liegt, untermalt von ein paar Geigenstrichen und einem Piano. Wir sehen ein paar kurze Flashbacks, in denen das Kind offenbar panisch durch dunkle Flure läuft und… ach, lassen wir das… gucken wir es uns lieber noch einmal an!
Traumhaft! Mit diesem Trailer allein schaffte es das Spiel, plötzlich ungemein viel Aufmerksamkeit zu erregen – Dead Island war ein Spiel mit der Chance, das Genre durch den emotionalen Charakter zu revolutionieren. Noch vor dem Release des Spiels – das hierzulande übrigens gar nicht erst veröffentlicht und später indiziert wurde – gewann der Trailer dann auch noch den Gold-Award beim prestigeträchtigen Filmfestival in Cannes, die Zeichen standen also mehr als gut!
Gut, von Emotionalität war im fertigen Spiel nicht mehr viel zu sehen. Atmosphärisch hinkt Dead Island dem grandiosen Debut-Trailer in vielerlei Hinsicht hinterher. Nach diesem Meisterwerk waren die Erwartungen einfach zu hoch und wurden unter diesem Gesichtspunkt leider enttäuscht. Doch das macht gar nichts, zumindest mir nicht, denn Dead Island ist genau das Spiel, das ich mir seit Jahren gewünscht hatte: Die virtuelle Zombie-Apokalypse, wie man sie aus obengenannten Filmen/Serien wie Dawn of the Dead, Zombieland oder The Walking Dead kennt.
„Pack die Badehose ein, nimm dein kleines Äxtelein, und dann nichts wie los nach Banoi!“ – geht mir beim Schreiben dieser Zeilen durch den Kopf, und diese kleine Abwandlung des berühmten Liedes von Connie Foboess trifft Dead Island eigentlich wie die Faust auf’s Auge, denn das Spiel bietet in erster Linie eines: Kompromisslose Zombie-Action in einer paradiesischen Inselwelt. Ja, dieser Kontrast aus Hölle und Paradies auf Erden ist gut gelungen, doch darum geht es eigentlich gar nicht. Die Axt in die Hand nehmen, aus der sicheren Strandhütte rausrennen und Zombie-Köpfe abtrennen – DAS, das ist Dead Island. Diesem grundsätzlich recht schlichten Gameplay werden natürlich weitere Zutaten beigegeben, darunter vier verschiedene Charaktere mit unterschiedlichen Stärken und Schwächen sowie die Möglichkeit, nicht nur nahezu alles als Waffe zu benutzen, sondern ähnlich wie in Dead Rising diese Tötungswerkzeuge auch noch zu modifizieren. So entsteht dann schonmal schnell ein Baseballschläger mit Nägeln oder aber ein hochwertiges Katana, das Dank Batterie und einigen Drähten nicht nur Schwertliebhaber elektrisieren wird.Dadurch entsteht eine fast schon süchtig-machende Itemspirale, wie wir sie etwa aus Klassikern wie Diablo 2 kennen. Stets will man ein noch besseres Schwert, ein noch besseres Beil oder einen noch besseren Hammer finden, um sich gegen die Zombie-Scharen zur Wehr zu setzen. Dabei hat es Techland wunderbar geschafft, den Survival-Charakter hervorzuheben, denn nicht nur, dass die Waffen regelmäßig zu Bruch gehen, es gibt einfach auch viel zu viele Zombies auf dieser Insel! Kaum eine Minute vergeht, in der ihr mal keine Körperteile abtrennt oder von schreienden Zombie-Horden verfolgt werdet. Abgerundet wird das Ganze noch von einem recht einfachen Koop-Modus, in dem ihr mit bis zu drei weiteren Mitstreitern auf Zombie-Jagd gehen dürft.
Platz 3 – Batman: Arkham City
Anno 2009 schaffte das bis dato noch recht kleine und unbekannte Entwicklerteam der Rocksteady Studios etwas, das viele mittlerweile für utopisch hielten: Ein sehr gutes Superhelden-Videospiel! Vorherige Ableger dieses Genres waren in der Regel begleitend zu den entsprechenden Filmen erschienen und waren dementsprechend – nennen wir es beim Namen – Rotz. Und dann erschien mit Batman: Arkham Asylum die Überraschung des Jahres. So gut hatte es bisher niemand geschafft, ein Spiel um einen Superhelden – in diesem Fall der Dunkle Ritter – zu spinnen, das nicht nur eine eigenständige Story besaß, sondern auch noch Gameplay-technisch brillierte. Außerdem war es natürlich ganz praktisch, dass Regisseur-Legende Christoper Nolan nur ein Jahr zuvor mit The Dark Knight einen unglaublich erfolgreichen Kinohit landete, der zugleich den letzten grandiosen Leinwand-Auftritt von Heath Ledger darstellte.Kein Wunder also, dass Rocksteady nur wenige Monate nach Release des Spiels auf den Spike TV Video Game Awards den Nachfolger namens Batman: Arkham City ankündigte, der dann im Oktober diesen Jahres erschien und die ohnehin schon hohen Erwartungen nicht nur erfüllte, sondern sie regelrecht sprengte. Die berüchtigte Arkham-Irrenanstalt wird nach dem Fiasko aus Teil 1 geschlossen, stattdessen wird im Herzen Gothams eine gigantische Sperrzone errichtet, in der die Schwerkriminellen künftig in einer Art Freiluft-Sicherheitsgefängnis ihr Dasein fristen dürften – und zwar fast ungestört von Wärtern und anderen Autoritäten. Es kommt, wie es kommen muss: Das Chaos im sogenannten „Arkham City“ bricht aus und selbst Bruce Wayne a.ka. Batman wird durch seine politischen Aktivitäten gegen das Projekt inhaftiert und in die Höhle des Löwen gesperrt. Nicht nur, dass hier so ziemlich jeder Insasse noch ein Hühnchen mit dem Dunklen Ritter zu rupfen hat, nein, der Leiter des Gefängnis führt auch irgendetwas Böses im Schilde und bereitet die Durchführung von „Protokoll 10“ vor. Worum es sich dabei handelt, müsst ihr natürlich schon selber herausfinden, aber glaubt mir, der Kauf lohnt sich allemal, denn Batman: Arkham Asylum macht alles genauso wie sein Vorgänger, nur größer und besser.
Da wäre zum einen das wahnsinnig flüssige Kampfsystem, das meiner Meinung nach in diesem Genre noch immer ungeschlagen ist und einfach mit seiner Dynamik und den weichen Animationen sowie den Übergängen überzeugen kann. Es macht einfach immer wieder Spaß, einer Gruppe von Gangstern die Leviten zu lesen und parallel 5, 10, 15, ja sogar 20 Gegner gleichzeitig zu bekämpfen. In Kombination mit Batman’s Gadgets wird das Ganze natürlich nochmal actionreicher. So kann der Dunkle Ritter natürlich auf seinen treuen Baterang inkl. einigen Variationen zurückgreifen, doch auch neue Spielsachen aus dem Hause Wayne Industries haben es in das Inventar unseres Helden geschafft. Per Zipline-Kanone spannen wir uns beispielsweise an beliebigen Orten in der Welt ein Seil zwischen zwei Punkten und können darauf balancieren und auf Gegner lauern. Die Silent Takedowns sind dabei genauso cool, wie schon im ersten Teil. Ganz egal, ob wir unsere Feinde von hinten K.O. schlagen, sie von unserem höherliegenden Versteck aus nach oben ziehen und dort ausschalten oder sie über Brüstungen zerren, nichts ist befriedigender, als einen ganzen Raum voller Krimineller erfolgreich und ungesehen zu säubern, während die noch übriggebliebenen Widersacher panisch nach uns suchen und blind in dunkle Ecken feuern.Hinzu kommt die große Spielwelt, die mit seinen verschiedenen „Sehenswürdigkeiten“ nicht nur zum Entdecken einlädt, sondern natürlich auch regelrecht mit Rätseln vom hinterhältigen Riddler gepflastert sind. Hinter jeder Ecke wartet ein neues Rätsel oder eine neue Riddler-Trophy und wirklich alle finden will, muss schon eine ganze Menge Zeit investieren, denn nicht immer ist des Rätsel’s Lösung offensichtlich und häufig können wir Trophäen auch erst später freischalten, wenn uns die entsprechenden Gadgets zur Verfügung stehen.
Letztendlich ist Batman: Arkham City aber vor allem eines: Fan-Service par excellence! Jeder große Batman-Fan wird hier vermutlich alle paar Minuten aufgeregt vor sich hin zappeln, weil schon wieder irgendein mehr oder weniger bekannter Charakter aus dem Batman-Universum von DC Comics vorgestellt oder nur nebenbei erwähnt wird. Haupt-Antagonist ist natürlich der kränkelnde Joker, doch im Laufe des Spiels trifft Batman noch auf zahlreiche andere Schurken, etwa Harley Quinn, Bane, Two-Face, besagten Riddler, Poion Ivy, Victor Zsasz, Mr. Freeze, den Calender Man, Penguin und viele weitere. Doch auch ein paar Verbündete sind mit von der Partie und so stößt Batman beispielsweise kurz auf Robin, arbeitet mit seiner alten Flamme Talia al Ghul zusammen oder rettet das eine oder andere der 9 Leben von Catwoman. Letztere darf dank DLC übrigens selbst gespielt werden und ist dann in einigen storybegleitenden Nebenmissionen aktiv.Platz 2 – L.A. Noire
L.A. Noire vom mittlerweile leider geschlossenen Team Bondi war im Mai 2011 leider an mir vorbeigegangen. Nicht, weil es mich nicht interessiert hatte, sondern einfach, weil es so viele andere Spiele gab, die getestet werden wollten. So kam ich dann leider erst einige Monate später dazu, das Los Angeles der 40er Jahre (un-)sicher zu machen und in den Schuhen von Detective Cole Phelps zahlreiche Fälle zu lösen. Schon vor dem Release von L.A. Noire waren die Erwartungen an das Spiel groß, schließlich war auch GTA-Macher Rockstar Games in den Arbeiten involviert und gezeigte Trailer und Präsentationen machten schon im Vorfeld Lust auf mehr.Im Grunde genommen handelt es sich hierbei um ein Rätsel-Spiel, das mit vernünftiger Grafik und ein wenig Action aufgewertet wurde, was überhaupt erst ein Grund war, weshalb ich mir das Spiel angesehen habe. Eigentlich kann ich Rätselspiele nämlich überhaupt nicht ausstehen, weil ich beim Spielen eher abschalten möchte, als meine grauen Zellen zu strapazieren. Doch L.A. Noire war und ist anders und hat bei mir nicht nur die Liebe für Krimis geweckt, sondern – neben anderen Einflussfaktoren – auch dazu beigetragen, dass ich selber angefangen habe, solche Geschichten zu schreiben. Dieser enorme Einfluss auf mich ist der Grund, weshalb L.A. Noire bei mir einfach in der Top 5-Liste stehen muss!
Doch worum genau geht es eigentlich? Wie schon gesagt, steuert ihr den jungen Polizisten Cole Phelps, der im L.A. der 40er Jahre die Karriereleiter nach oben steigen möchte. Nach einigen kleineren Fällen werden wir schnell befördert und lösen in verschiedenen Dezernaten bzw. Abteilungen komplexe Mordfälle, Betrugsversuche oder Brandstiftungen. Hin und wieder gibt es zwar eine Schießerei, der Alltag in L.A. Noire gleicht aber dem typischen Prozess in der Kriminalistik: Spuren suchen, Zeugen befragen, Verdächtige eingrenzen und genug Beweise sammeln, um den Täter dingfest zu machen. Jeder dieser Schritte ist im Spiel gleich wichtig und von Team Bondi gleichwertig gelungen umgesetzt. An Tatorten suchen wir beispielsweise in Mülleimern oder aber natürlich an der Leiche nach ersten Spuren, können diese in unserer Hand (mit dem Analog-Stick) drehen und wenden und genauer betrachten und sie letztendlich dann in unser Notizbuch übernehmen. Meist finden wir dann hier schon einen Hinweis auf Personen, die dem Opfer nahestanden, also statten wir diesen auch gleich einen Besuch ab.In unverfänglichen Gesprächen sammeln wir erste Informationen und achten dabei nicht nur darauf, was uns die verschiedenen Charaktere sagen, sondern auch wie sie es sagen! Mimik und Tonalität spielen in L.A. Noire nämlich eine verdammt wichtige Rolle, denn bei jeder Aussage müssen wir entscheiden, ob wir der Person glauben, das Gesagte anzweifeln oder es sogar mit Beweisen widerlegen – sofern wir diese überhaupt schon haben. Dank unglaublich guten Gesichtsanimationen lässt sich das glücklicherweise relativ gut umsetzen und so achten wir bei Gesprächen und Verhören auf jedes kleine Detail, denn alles, was wir verpassen, fehlt uns nachher eventuell, um den Täter ohne Zweifel zu verhaften. Versagen wir komplett, können wir vielleicht sogar eine unschuldige Person in den Knast schicken, die einfach nur zur falschen Zeit am falschen Ort war. Solche sogenannte „roten Heringe“ gibt es auch in L.A. Noire und stellen den Spieler häufig vor wichtige Entscheidungen. Es ist dieses wahnsinnig authentische und realistische Gameplay, das L.A. Noire so besonders macht und für mich einen spielerischen Meilenstein der letzten Jahre darstellt. Noch nie habe ich so sehr auf Dialoge geachtet, wie in diesem Spiel und noch nie haben mir Entscheidungen mehr Spaß gemacht, als hier. Hinzu kommt, dass Team Bondi die fröhliche Atmosphäre der 40er Jahre perfekt eingefangen und L.A. schön nachgebaut hat. Zudem ist jeder Fall für sich ein spannendes Abenteuer voller Intrigen, Trugschlüsse und krimineller Energien – einfach toll! Wer Krimis mag, jede Ausstrahlung vom Tatort guckt oder einfach nur eine spielerische Rarität erleben will, ist mit L.A. Noire bestens bedient!
Platz 1 – Portal 2
Der große Gewinner: Portal 2 von Valve! Schon Anfang Mai schrieb ich in meinem Test: „Selbstverständlich freue ich mich auf die großen Blockbuster, die im Herbst und zum Weihnachtsgeschäft dieses Jahres erscheinen – etwa Uncharted 3, Batman: Arkham City, Deus Ex: Human Revolution und Co. – aber ich bin mir schon jetzt ziemlich sicher: Portal 2 ist zur Zeit mein Spiel des Jahres und wird es auch bis zum Ende bleiben!“ Und wie ihr seht, hat sich meine persönliche Voraussage auch bewahrheitet, denn Portal 2 hat es nicht nur wie L.A. Noire geschafft, mir etwas, das ich eigentlich nicht mag – nämlich Puzzle und Rätsel – schmackhaft zu machen, es hat vor allem das für mich wichtigste Ziel eines Videospiels in nahezu perfekter Form erreicht: Unterhaltung!Kein Spiel in den letzten Jahren hat mir so viel Spaß bereitet, wie Portal 2, denn wie ich schon in meinem Test geschrieben habe, macht dieser Titel einfach alles richtig. Die zahlreichen Testkammern sind mit kniffligen aber gleichzeitig spaßigen Rätseln bestückt, GLaDOS ist wieder zurück und beleidigt, ärgert und verteufelt den Spieler immer wieder, gleichzeitig haben wir Wheatley, der uns über einen Großteil des Abenteuers als mechanischer Freund zur Seite steht, und am Ende haben wir den sagenhaften Humor, der dem Spieler alle paar Minuten ein Lächeln auf die Lippen zaubern wird. Mir fiel es damals wirklich sehr schwer, Kritikpunkte auszumachen, denn Portal 2 war und ist noch immer eines der wenigen Spiele, die der Perfektion in meinen Augen schon verdammt nahekommen.
Was 2007 nur als nette Beilage von Half-Life 2 erschien, erhielt in diesem Jahr einen richtigen Nachfolger, der das geniale Spielkonzept zurückgebracht und um neue Physik-Spielereien erweitert hat. Kern des Ganzen ist die Portalgun, mit der ihr zwei Portale in der Spielwelt platzieren könnt, die dann quasi als Wurmloch fungieren und euch als Ein- und Ausgang dienen. Dieses simple Spielprinzip wird auf viele Rätsel angewendet, die häufig mehrere Lösungsmöglichkeiten bieten, aber besonders später muss man auf diese erstmal kommen. Im Spielverlauf kommen zu den beiden Portal nämlich noch Laser sowie durch Laser aktivierte Schalter, Katapult-Plattformen, Druckknöpfe, Brücken aus „hartem Licht“, Traktorstrahlen und viele andere Dinge hinzu, die die Rätsel komplizieren. Die wirklich größte Neuerung unter diesen Spielereien sind die verschiedenen Gele, die ihr – teilweise mit Hilfe der Portale – auf Oberflächen anbringen könnt und die euch entweder auf eine hohe Geschwindigkeit beschleunigen, höher springen lassen oder die Möglichkeit bieten, Portale an Stellen zu platzieren, an denen dies vorher nicht möglich war. All diese Dinge sorgen dann häufig für wirklich rasante Sequenzen, in denen ihr mit Hilfe eurer Portale quer durch den Raum fliegt, mitunter in der Luft noch Gegenstände fangen und noch vor dem Aufprall auf dem Boden ein weiteres Portal erstellen müsst. Dabei habt ihr immer gewisse physikalische Grundregeln im Kopf: Einfallswinkel=Ausfallswinkel, Eingangsgeschwindigkeit=Ausgangsgeschwindigkeit und so weiter.Vieles davon hat auch schon im ersten Teil so funktioniert, nur gab es damals noch nicht eine so coole Story, wie es in Portal 2 der Fall ist. Begleitet von unserem Roboter-Freund Wheatley versuchen wir in den Schuhen von Testsubjekt Chell aus dem gewaltigen unterirdischen Komplex von Aperture Science zu flüchten, wecken dabei aber versehentlich die Antagonistin aus dem ersten Teil – die Super-KI GLaDOS – aus ihrem Standby-Modus. Diese ist natürlich ziemlich erzürnt darüber, dass wir sie im ersten Teil zerstört haben und jagt und folglich von einer Testkammer in die nächste – alles natürlich im Namen der Wissenschaft! Das Besondere an der Sache ist dabei GLaDOS selbst, die in jeder Testkammer irgendeinen Spruch vom Stapel lässt und teilweise den Spieler verspottet. Ich hätte es nicht gedacht, aber es hat noch nie so viel Spaß gemacht, beleidigt zu werden – und glaubt mir, GLaDOS kann das auf eine wirklich sehr gute, indirekte und sarkastische Art und Weise.
Doch das Beste kommt eigentlich zum Schluss: Portal 2 hat auch einen Koop-Modus! All die coolen Dinge, die das Spiel in der Solo-Kampagne zu einem echten Highlight machen, entfalten bei zwei Spielern erst so richtig ihr Potenzial. Zwar müssen wir hier auf den charmanten Wheatley verzichten, dafür sind die beiden Spielercharaktere Atlas und P-Body aber mindestens genauso sympathisch, auch wenn sie sich nur über Handzeichen miteinander verständigen. Nichts ist cooler, als zu zweit an den kniffligen Rätseln von GLaDOS zu werkeln, während sie sich über jeden Fehlschlag lustig macht und ihre beiden neuen Testsubjekte kontinuierlich auf den Arm nimmt. Das kann – je nachdem, wie häufig man scheitert oder wie lange man braucht, um auf die Lösung zu kommen – schonmal an den Nerven zerren, aber es ist einfach ein unglaublich tolles Gefühl, wenn man dem blöden Miststück gemeinsam zeigt, was man drauf hat – for Science!Fünf Spiele, fünf Meisterwerke, fünf Dinge für die einsame Insel (eine Konsole + Fernseher wäre noch nicht schlecht… und natürlich Strom… welch ein Dilemma!). Jeder dieser Titel stellt in meinen Augen ein wahres Highlight in diesem Jahr dar, das jeder mal zumindest angespielt haben muss, denn sonst verpasst ihr wirklich etwas, bevor es im neuen Jahr dann mit brandneuen Blockbustern weitergeht. Ich freue mich schon sehr darauf und bin gespannt, was dann Ende 2012 auf meiner Liste stehen wird – bis dahin wünsche ich euch allen aber erst einmal schöne Feiertage mit euren Lieben und einen guten Rutsch ins neue Gaming-Jahr!
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