Dustin Gestenberger: Meine Spiele des Jahres 2011
Geschrieben von: Dustin Gerstenberger-Zange am 22.12.2011
Normaler Weise ist ein Spielejahr ein ständiges Auf und Ab der Gefühle. Mal liegt auf dem Tisch ein absoluter Hochkaräter, den man gar nicht schnell genug auf den Flimmerkasten werfen kann, und mal wünscht man sich doch die ruhigen Tage eines zwanglosen Zockers zurück, der sich nur die reinsten Perlen aus dem Spielehaufen rauspicken kann und nicht dazu verdammt ist, auch die übelsten Games des Jahres spielen zu müssen. Aber 2011 lehrte uns, man solle doch immer in die Zukunft blicken und die Hoffnung niemals ganz aufgeben, schließlich wird es doch alles noch so viel besser werden. Und genau das war der Fall. Die anhaltend steigende Spielegüte, welche wir in der zweiten Hälfte des Jahres und ganz besonders im letzten Drittel miterleben durften, suchte ihresgleichen. Da erschien ein AAA-Titel nach dem nächsten und wie es ein Kollege in seinem Jahresrückblick schon gut beschrieben hat, man kommt einfach nicht dazu, auch nur annähernd alle wirklich guten Games zu spielen. Was sich die Publisher dabei dachten, ihre stärksten Hengste erst ganz zum Schluss aus dem Stall zu scheuchen und gleichzeitig gegen all die anderen Superflitzer der Konkurrenz antreten zu lassen, ist mir immer noch etwas schleierhaft, aber dies sollte ja ganz und gar nicht zum Schaden von uns Spielern sein. Ganz im Gegenteil, die Verkaufszahlen belehren uns doch immer wieder eines Besseren und trotz all des endjährlichen Spielewahnsinns wurde ein Verkaufsrekord nach dem anderen gebrochen und so kam es dann auch nicht von Ungefähr, dass ein so episches Rollenspiel wie Skyrim selbst den Shooter-Superstar aus dem Hause Activision schier unbeeindruckt in seine Schranken verwies. Das Weihnachtsgeschäft boomt und wir Redakteure können endlich mal für kurze Zeit etwas die Finger entspannen, bevor es in wenigen Tagen ins kommende und hoffentlich genauso furiose Jahr 2012 geht. Wenn man bedenkt, dass nächstes Jahr laut vielen Verschwörungstheoretikern die Welt untergehen soll, dann fasse ich das eigentlich nur als Omen dafür auf, dass 2012 uns Redakteuren wohl noch weniger Zeit bleiben wird, etwas durchzuatmen und wir so wie ihr schon gar nicht mehr dazu kommen werden, einen Fuß vor die Tür zu setzen. Bevor aber die Welt im Spielechaos versinkt, möchte ich euch meine persönlichen Top 5 des noch bestehenden Jahres nicht vorenthalten, schließlich muss der ein oder andere bestimmt noch sein wohlverdientes Weihnachtsgeld sicher in Spielnachschub investieren.Platz 5 – El Shaddai
Vielleicht werden viele von euch mit dem Namen El Shaddai gar nicht so viel anfangen können, ist es doch zwischen den ganzen Top-Titeln des Jahres etwas untergegangen. Für mich hingegen verdient es trotz all der großen Konkurrenz einen sicheren Platz in meiner Top 5. Manch einer beschreibt El Shaddai wohl liebenswürdig als: „Das komische Spiel mit Brat Pitt als Hauptcharakter“, ich hingegen bezeichne es als facettenreiches Kunstwerk, welches gepresst auf eine kleine Disk über unsere Konsolen zum Leben erweckt wird. Kaum ein Spiel in diesem Jahr hat es geschafft mich über weite Strecken so zu bannen, dass ich schon gar nicht mehr mitbekommen habe, wie mein Mund nicht länger der Erdanziehungskraft trotzte.
Biblischer Held, biblisches Abenteuer
Zwar wurde das gesamte Abenteuer des Helden Enoch als recht geradliniges Action-Adventure konzipiert, doch ist es im Kern weit mehr als das. Enoch ist nicht nur ein außergewöhnlich talentierter Schriftgelehrter, sondern noch dazu ein verdammt fähiger Kämpfer. Was also anfangen mit diesen Gaben im immerwährend friedlichen Himmel? Um dem Bücherwurm eine neue Aufgabe zu geben und ihn wieder seine Heimat, die Menschenwelt, sehen zu lassen, bekommt er von Gott höchstpersönlich die Aufgabe, gefallene Engel ihrer gerechten Strafe zuzuführen. Tatkräftig unterstützt wird der blonde Krieger von Gottes Liebling Luzifel und den vier Erzengeln der Elemente. Wer die Geschichte in seinen vollen Ausmaßen verstehen möchte, muss sich schon ein wenig mit der biblischen Menschheitsgeschichte auskennen und weiteren verschiedenen literarischen Schriftstücken wie den apokryphen Büchern Henochs. Immer wieder werden Anspielungen zu einzelnen Abschnitten der Bibel gemacht oder ganze Themenkomplexe neu interpretiert. Doch lasst euch davon keinesfalls abschrecken, denn je mehr man von der verstrickten Handlung mitbekommt, desto interessanter und tiefgründiger wird sie. Oft habe ich mir die Frage gestellt, ob denn die Mission von Enoch wirklich so himmlisch ist und ob denn nicht die gefallenen Engel mit ihrer selbst erschaffenen, einem Traum gleichkommenden Welt den besseren Weg für die Menschheit verfolgen.Welt der Gemälde
Auch wenn die immer wieder gleich ablaufenden Kämpfe mit den äußerst hartnäckigen Gegnern und die spärlich zur Verfügung stehenden Waffen etwas an den Nerven kratzten, so wird alles vergessen, wenn ich mir mal die Zeit genommen habe, die Umgebungen anzuschauen. Den Entwicklern ist es unglaublich gut gelungen, eine Welt zu erschaffen, die mit ihrer Gestaltung und dem eher surreal wirkenden Aufbau versucht, die Illusion zu verdeutlichen, welche die gefallenen Engel für ihre Untertanen aufrechterhalten wollen, um sie an ihr geschaffenes Heiligtum zu binden. Dass es dabei immer wieder gelungen ist, auch mich als Spieler an diese Welt zu binden und meine Augen festkleben zu lassen, ist schon eine Leistung. Als Redakteur sind wir es einfach gewohnt, die unterschiedlichsten Spiele zu zocken und da bricht El Shaddai aus dem Wust der ewig gleichen Fortsetzungen positiv heraus. Manchmal kam ich mir durchaus so vor, auf einem LSD-ähnlichen Trip zu sein, so sehr spielt die Welt mit Farben und Nuancen, die schwer begreiflich zu machen sind und sich noch schwerer mit real existierenden Dingen vergleichen lassen. Da schwebt Enoch förmlich in tiefen Blautönen durch die besinnliche Welt von Armaros und spurtet im nächsten Moment einem turmhohen Nephilim entgegen, während um ihn herum die Welt in gold-orange Trümmer zusammenbricht.Super Enoch
Wenn man als Entwickler schon aus gestalterischen Konventionen versucht herauszubrechen, wieso sollte man dieses Prinzip nicht auch auf das Gameplay anwenden? Nicht anders ist der stetige Wechsel zwischen für Action-Adventures typischen Third-Person-Abschnitten und von der Seite zu bestreitenden Jump-and-Run-Passagen zu erklären. Wer jetzt denkt, dass sich diese beiden Spielweisen miteinander brechen, der irrt. Es sind gerade diese Wechsel, die nicht nur immer wieder für Abwechslung sorgen, sondern auch so harmonisch ineinander übergehen wie die Farbschattierungen der traumhaften Umgebungen. Und wenn ich ehrlich bin, schränken die meisten Entwickler ihre eigenen Spiele selbst zu sehr ein, wenn sie sich auf eine Spielweise festlegen. Nicht selten kommt es vor, dass Spieler ab einem bestimmten Punkt anfangen, gelangweilt von dem zu werden, was sie die letzten Stunden alles noch als neu und innovativ erachtet haben. Dem beugt El Shaddai mit dieser einfachen Methode bestens vor, zumal sich die Jump-and-Run-Abschnitte auch noch hervorragend spielen. Höhepunkte dieses mit dem Pinsel geschwungenen Kunstwerks sind aber immer noch die variantenreichen und überaus fordernden Kämpfe gegen die verschiedenen Bossgegner. Mit purem Buttonmashing bin ich in El Shaddai sowieso nicht weit gekommen, aber die Endgegner haben von mir schon fast zwanghaft verlangt, den Umgang mit den verschiedenen Waffen Gottes zu meistern. Dass die Kämpfe dabei jeweils in verschiedene Phasen unterteilt sind, die oft noch mehr Vorsicht und Reaktionsvermögen von mir verlangt haben, war spätestens dann vergessen, wenn die Gefechte auch in ihrer Inszenierung immer mehr Fahrt aufnahmen.El Shaddai ist durch und durch eine Art Experiment. Nicht nur der Entwickler, sondern vorrangig für die Spieler selbst. Nur sehr selten begegnet man solch ausgefallenen Ideen in einem groß aufgezogenen Spiel. Einen Blick sollte El Shaddai auf jeden Fall wert sein und zumindest bei mir ist das Experiment in allen Belangen geglückt.
Platz 4 – Gears of War 3
Zugegeben, Gears of War ist für mich spätestens nach dem zweiten Teil zwar zum Vorzeigespiel für die perfekte Umsetzung der Duck-and-Cover-Spielmechanik geworden, konnte mich aber in Sachen Storytelling nie so wirklich mitreißen. Irgendwie wirken die Mimik-armen Muskelberge rund um Seargant Fenix immer etwas zu unterkühlt, auch wenn um sie herum jegliche Existenz des langwährenden menschlichen Lebens Stück für Stück aus der Welt getilgt wird. Dass es in Gears of War 3 diesbezüglich noch ein ganzes Stück bergab geht, hat mich dann schon kaum noch verwundert. Zwar war die brachiale Action wieder unglaublich stimmig inszeniert und an allen Ecken und Enden zischen den Gears die Salven um die Ohren und Explosionen zerkleinern ganze Häuserfronten, doch ging mir das irgendwie nicht mehr so nahe. Wo mich Teil zwei noch ordentlich mitnahm, als Dom das erste Mal seit so vielen Jahren seine Frau wiedersieht, konnte mich der dritte Ausflug selbst in seiner tragischsten Szene nicht mehr wirklich packen. Warum also Gears of War 3 in meine Top 5 mit aufnehmen? Aus einem ganz einfachen Grund: Diese Reihe steht für mich natürlich für beinharte Action, noch härtere Protagonisten und viele testosterongeladene Machosprüche, doch ist und bleibt GoW mein persönliches Koop-Highlight.Us two against the world!
Gears of War bedeutet für mich Splitscreen-Spaß in Reinform. Schon fast ritualisiert wird der Spieleabend von einem Freund und mir vorbereitet. Zuerst natürlich die Verpflegung. Es geht doch schließlich nichts über kulinarischen Hochgenuss während eines herzhaften Macho-Helden-Gears-Tag. Dafür werden selbstredend Pizzen und zwei Träger Bier besorgt. Genauso wenig darf eine große Flasche Energy und Süßes nicht fehlen, schließlich ist das Hingeben zur menschlichen Ruhe- und Schlafphase ein Zeichen der absoluten Schwäche. Sieht man denn die Gears ein Auge zu machen? Ganz sicher nicht! Und da wir mindestens genauso harte Brocken sind, wird natürlich alles daran gesetzt, den Abend ohne mit der Wimper zu zucken durchzuziehen. Schließlich will das Spiel ja an genau diesem von vorn bis hinten durchgespielt werden. Da kommt es uns nur zu Gute, dass auch Gears of War 3 nicht länger als 10 Stunden benötigt, um den Abspann mit dem letzten Bier zu genießen. Dass ich dabei schon vom härtesten Schwierigkeitsgrad spreche, ist zwar eine traurige aber verzeihbare Tatsache, schließlich haben wir leider auch nicht den gesamten Tag Zeit. Also wird es sich auf der großen Couch bequem gemacht, dem Xbox Pad noch die neuste Batterieladung verpasst - denn Aufstehen während das Intro über den Bildschirm flimmert, ist ein absolutes Tabu - und ab ins Vergnügen!
Die Welt hat sich auch im dritten Teil nicht wirklich zum Besseren für die Menschen gewendet. Die letzte Hochburg Jacinto von der eigenen Hand zerstört und alles, was übrig bleibt, sind ein paar rostige Kriegsschiffe und eine Hand voll Zelte und Wohnwagen für die restlichen Überlebenden. Hoffnung ist ein Begriff, dessen Bedeutung wohl nach dem E-Day - dem Tag als die Locust an die Erdoberfläche kamen - keinen Grund mehr bekam, weitervermittelt zu werden. Nicht nur haben die Locust wieder einmal überlebt, noch dazu machen durch Imulsion verseuchte Locust, die sogenannten Lambent, das Weiterleben zur Mammutaufgabe. Nur eine plötzlich wie aus dem Nichts auftauchende Nachricht von Markus Fenix' Vater, der eine Lösung des Problems verspricht und somit die Vernichtung aller Locust und Lambent mit einem Schlag herbeiführen kann, lässt Team Delta nochmal alle Kraft zusammennehmen und sich auf ihre letzte Reise hin zum Aufenthaltsort des todgeglaubten Vaters begeben. Auf der Reise bekommen wir wieder jede Menge Grund, wie die gesengten Säue um uns zu ballern, denn die endlos erscheinenden Scharen an gelblich leuchtenden Lambent wollen kein Ende nehmen. Von allen Seiten werden wir eingekesselt, beschossen und gestürmt. Dass aber genau in solchen Momenten Gears of War 3 all seine Trümpfe auf einmal ausspielt, macht die Schlachten nur umso intensiver. Wildes Umhergeballer bringt keine Punkte und nur unnötig leere Magazine mit zu viel verbliebenen Gegnern. Also heißt es: Absprechen, Deckung geben, gezielt voranstürmen und wichtige Punkte gemeinsam verteidigen. Nichts macht mehr Spaß als sich auf der Couch Befehle zuzurufen, um Hilfe zu bitten oder eine vermeintliche Kamikaze-Attacke zu planen, vor der man sich ehrfürchtig voneinander verabschiedet und ein letztes Mal auf die gemeinsam vollbrachten Taten zurückblickt.Story or being the beast?!
Wer alle Teile der Reihe gespielt hat, aber noch nie eines der Comics oder Bücher in der Hand hielt, wird spätestens im dritten Teil oft vor vollendete Tatsachen gestellt, dessen Hintergründe er nicht kennt. Ich empfehle jedem, der auch von der Geschichte rund um den Delta-Squad etwas mitgenommen möchte und sich nicht immer über vermeintlich emotionale Szenen, die aber vollkommen durch die schwerfällig und kalt wirkenden Charaktere in den Spielen verhunzt werden, ärgern will, wenigstens die Bücher zu lesen. Nicht nur versteht man somit endlich all die Hintergründe und vor allen Dingen die Motivation der einzelnen Hauptcharaktere, sondern baut dadurch eine deutlich stärkere Bindung zu den unterkühlten Kolossen auf, die in keiner Weise nur knallharte Kriegsmaschinen sind. Sie haben ganz normale menschliche Sorgen und quälen sich so wie all die anderen mit Ängsten, deren Folgen sie nur durch die starken freundschaftlichen Bande zueinander überstehen. Und so gelingt es auch, den Figuren in den Spielen deutlich mehr Leben einzuhauchen und auch die Szenen, die eigentlich als emotionale Cliffhanger geplant waren, wirken auch so wie sie es sollen, nämlich dass das Schicksal der Gears einem doch verdammt nahe geht.

Wer aber von dem ganzen Story-Geschwafel sowieso nichts hält, der kann sich so wie wir, über etliche Stunden hinweg im neuen Beast-Mode bzw. im aus Teil 2 bekannten Horde-Mode austoben, in welchen entweder immer schwerer werdende Wellen von Locust auf einen einstürmen oder man selbst endlich die Chance bekommt, als Locust menschliche Stellungen zu pulverisieren. Der Multiplayer setzt der Reihe auf jeden Fall wieder die Krone auf und macht sie zu dem, was sie auch verdient hat, nämlich einem der besten Koop-Multiplayer-Shooter des Jahres!
Platz 3 – The Elder Scrolls V: Skrim
Sonderlich überraschend ist es ja nicht, dass auch bei mir Skyrim ein Platz auf dem Treppchen der diesjährigen Top-Spiele bekommt. Und viel mehr als mein Kollege schon geschrieben hat, möchte ich eigentlich auch nicht anbringen, da ich ihm wohl oder übel das Meiste nacherzählen müsste. Wer meine ausführliche Beschreibung und Lobpreisung dieses Rollenspiel-Meilensteins lesen möchte, der darf gern meinen umfangreichen Test von vor ein paar Wochen lesen. Doch möchte und kann ich mir ein paar Worte zu einem meiner absoluten Lieblingsspiele aus 2011 nicht verkneifen.
Mein Leben, meine Geschichte
Im Gegensatz zu meinem Kollegen war ich kein sonderlicher Fan der Elder Scrolls-Reihe. Natürlich habe ich sie alle gespielt, schließlich möchte man als bekennender Fan von RPGs nichts verpasst haben, doch neige ich eher dazu, einer komplexen Handlung ohne großes Abschweifen folgen zu wollen. Aber schon allein diese Tatsache hat sich für mich in Morrowind und Oblivion als äußerst schwierig herausgestellt. Nicht nur, dass ich wie bereits erwähnt, gern nur einem Storystrang meine volle Aufmerksamkeit widmen möchte, nein, ich kann einfach keiner hilfsbedürftigen Person meine volle Unterstützung verwehren. Da es aber gerade in der riesigen Welt Tamriel nun mal so verdammt viele Menschen gibt, die in irgendeiner Form meine Hilfe benötigen, habe ich mich immer wieder in die vielfachsten Verschwörungen verstrickt, die aber so rein gar nichts mit der Haupthandlung zu tun hatten. So habe ich mehr oder weniger nach vielen Stunden der Nebenquests schon nicht mehr gewusst, was eigentlich die Haupthandlung war, wo es weiterging oder was ich bis dahin alles in diesem Kontext erlebt hatte. Doch genau das ist es, was Skyrim so viel besser macht. Nicht etwa durch eine noch vielschichtigere Haupthandlung, sondern durch das eindeutige Ausbauen der Nebenaufgaben. Auf Grund der Tiefe vieler Aufträge, welche einfach am Wegesrand auf mich gewartet haben, hat es mir schon fast nichts mehr ausgemacht, mich über Stunden oder gar ganze Tage nur mit ihnen zu beschäftigen. Wenn ich es zurückblickend betrachte, habe ich dadurch meine ganz eigene Geschichte im verschneiten Himmelsrand geschrieben, fernab von jeglichen Zwängen und Vorgaben. Ich wurde zum ehrwürdigen Anführer der uralten Gefährten, habe auf meinen Reisen mysteriöse Mordfälle aufgeklärt und einen Gefangenenaufstand angeführt, der zur Erschaffung eines neuen Königreichs dienen sollte. Auch hatte ich meine Finger bei der Übernahme der bekannten Akademie der magischen Künste im Spiel, während man mich immer weiter in die zwielichtigen Machenschaften der Talmor hineinzog.
Skyrim löst einen unglaublichen Sog aus, dem sich jeder Spieler mit nur ein wenig Affinität zu westlichen Rollenspielen kaum entziehen können wird. Das verdankt Teil fünf der Reihe auch seinen aufwändig gestalteten, frei begehbaren Umgebungen. Eine solch bombastische Kulisse kennt man sonst nur aus den Der Herr der Ringe-Filmen, und genau in diese Welt habe ich mich sehr oft hineinversetzt gefühlt. Weite Täler, schneeverhangene Berglandschaften und neblige Sümpfe, an alles wurde gedacht. Dass einem an fast jeder Ecke verstecke Minen, alte Ruinen oder sogar ganze Tempelkomplexe erwarten, die uns mit ihrer Komplexität schon manchmal an unsere Grenzen bringen können, ist nur das Sahnehäubchen einer unvergleichlichen Reise. Eine Reise in die wohl schönste, größte und vielseitigste Fantasywelt des Jahres mit einem der besten Soundtracks, den es bis dato in Spielen solch epischen Ausmaßes zu hören gab. Nicht nur für mich ein absolutes Must-Have, sondern eine Bereicherung für jeden ordentlich geführten Spieleschrank!Platz 2 – The Legend of Zelda: Skyward Sword
2011 war wohl eines der schlimmsten Jahre für den Spieleriesen aus Japan. Nicht nur musste Nintendo einen ihrer schlechtesten Launches eines Handhelds hinnehmen, sondern hatte auch auf Grund der rückläufigen Verkäufe von Wii und Nintendo DS einen Rekordverlust in den jährlichen Bilanzen zu verzeichnen. Zu allem Übel kam dann auch noch die frisch auf der diesjährigen E3 angekündigte Wii U nicht annähernd so gut an, wie erhofft. Es herrscht noch immer viel Skepsis und Verwirrung um Nintendos Next-Generation-Konsole, was wohl gerade bei den Aktionären keinesfalls auf viel Gegenliebe stoßen wird. Wer eben ganz oben ist, kann auch verdammt tief fallen, und genau das scheint das Spielurgestein aus dem Land des Lächelns gerade hautnah miterleben zu müssen. Da ist es dann umso erfreulicher, wenn trotz all der Krise, dem Spieler nicht vermittelt wird, wie schlecht es doch um einen selbst steht, und man unbeirrt weiter Stoff für etwaige Hypes produziert. Dass sich ein Vorzeige-Franchise wie Zelda auch am Ende des Jahres gegen all die namenhafte Konkurrenz behaupten kann, tut nicht nur Nintendo gut, sondern zeugt auch davon, dass sich eines der wohl bekanntesten und ältesten Action-Adventures aus dem Osten auch nach so vielen Jahren mit frischen Ideen und viel nostalgischem Charme durchsetzen kann.Neue Welt mit altem Charme
Skyward Sword ist im Endeffekt genau das, was man von einem großen Konsolen-Zelda erwarten darf und was viele Fans über die Jahre hinweg lieb gewonnen haben: Ein traditionelles Action-Adventure mit einer fantastischen Welt, vielen niedlichen und extrem liebenswürdigen Charakteren, einem Haufen Dungeons und noch mehr Rätseln. Dass es auch dieses Mal wieder allein an Spitzohr Link liegt, die hilflose Zelda zu retten, steht genauso fest, wie die ewig grüne Abenteuer-Kluft des sympathischen Protagonisten. Doch durfte ich mich nicht wie gewohnt in den Weiten von Hyrule verirren, sondern habe über etliche Stunden hinweg mitverfolgen dürfen, wie es eigentlich überhaupt zu der im ganzen Land bekannten Sage um den Helden mit dem Master-Schwert gekommen ist, was das Tri-Force eigentlich so besonders macht und wo der immerwährende Konflikt um die Teile des mächtigen Symbols seinen historischen Anfang nahm. Skyward Sword ist nun mal keine einfache Fortsetzung der sehr verzweigten Handlung, sondern erzählt die ganze Geschichte vom eigentlichen Anfang der Saga. Und diesmal ist unser Link kein Mitglied des Elfenstammes aus dem Kokiri-Wald, sondern ein waschechter Bewohner der Wolken.

Auch wenn die Aussicht über dem weißen Meer wahrlich beschaulich daherkommt, dient die Himmelsstadt „Wolkenhort“ zwar als Heimat und Ankerpunkt in der auf gut 20 Stunden ausgelegten Handlung, doch die meiste Zeit habe ich damit verbracht, die Wälder und Wüsten auf der Erdoberfläche zu durchstöbern. Ich habe Verliese und ihre tückischen Rätsel überstanden, wie schon vor 10 Jahren Schlüssel gesammelt, um später feststellen zu müssen, dass es weitaus mehr bedarf, um die Welt zu retten. Ich habe großen Bossgegner mit der passenden Taktik gezeigt, was so kleiner Zipfelmützenträger alles mit seinem Schwert anstellen kann, und nebenher immer wieder Herzteile und viele andere kleinere Gimmicks gesucht. Schon allein diese altbewehrten Zutaten im Zusammenspiel mit den musikalischen Ever-Greens der Zelda-Reihe konnten mich wieder voll und ganz gefangen nehmen. All die Dinge, die ich seit meiner Kindheit und den ersten Teilen auf NES zu schätzen weiß, finde ich hier in neuem Gewand wieder und schon allein deswegen verdient sich Zelda massig Nostalgiepunkte. Doch das allein ist es eigentlich gar nicht, warum Skyward Sword für mich das zweitbeste Spiel des Jahres geworden ist.
Neuer Stil mit mehr Tiefe
Dieses Jahr stand bei mir anscheinend ganz im Zeichen der farbenfrohen und ausgefeilten Gestaltung von Spielen. Schon El Shaddai hat gezeigt, zu welchen gestalterischen Höchstleistungen Entwickler in der Lage sind, wenn ihnen die Zeit dazu gegeben wird. Zelda schlägt mit seinem neusten Tel in genau die gleiche Kerbe. Auch wenn im Vornherein viel Wirbel um das neue Design der Teils gemacht wurde, ist es doch gerade der künstlerische Aquarellstil und das farblich vielseitige Design, die Skyward Sword für mich so anziehend werden lassen. Den Entwicklern ist es nicht nur gelungen, die technischen Unzulänglichkeiten der Wii durch besagten nett eingesetzte Filter auszugleichen, sondern sie haben es auch im neusten Teil vollbracht, sich ein weiteres Mal von all den Vorgängern abzusetzen und trotzdem nie das Gefühl aufkommen zu lassen, als bewege ich mich in einem mir vollkommen unbekannten Universum. Eigentlich kamen mir schon die ersten Stunden in Wolkenhort wie ein Willkommen-Daheim-Gruß vor und nur die neue, dank Wii-Motion-Plus gut integrierte Steuerung, hat mir vor Augen geführt, dass neuste Machwerk der Marke Zelda im Laufwerk liegen zu haben. Für manche Spieler ist das aber genau der größte Kritikpunkt, ist doch alles irgendwie schon bekannt. Für mich ist es aber das schönste Gefühl, wenn mir ein Spiel zeigt, dass auch die guten alten Zeiten immer wieder in neuer Form ihren Weg in die Gegenwart finden können. Da ist es nur umso schöner, wenn sogar die Geschichte, welche den Grundstein für die gesamten Zelda-Titel legt, auch noch mit einer angenehmen Tiefe und spannenden Wendungen über die gesamte Haupthandlung hinweg fesseln kann. Eigentlich ja etwas ungewöhnlich für das Franchise, aber gerade da merkt man, dass es Titel trotz ihrer alten Wurzeln schaffen können, sich genau an den richtigen Stellen weiter zu entwickeln. Für mich ist The Legend of Zeld: Skyward Sword auf jeden Fall das mit Abstand beste Action-Adventure des Jahres und einen Kauf allemal wert.Platz 1 – Dark Souls
Wieso ein Spiel auf Platz eins der diesjährigen Top-Spiele des Jahres heben, wenn es eigentlich doch fast ausschließlich darum geht, als Spieler zu leiden. In keinem Spiel spielt der eigene Tod eine wohl wichtigere Rolle und ist Lehrmeister und tiefgreifende Angst zugleich. Ein Spiel, das einem lehrt: Jeder Schritt könnte dein letzter sein, wenn du nicht kleinlich darauf achtest, was in den kommenden zehn Schritten alles Unvorhersehbares geschehen kann. In kaum einem anderen Spiel wurde ich öfter dazu verdammt, mein gesamten Vorgehen voraus zu planen, jede Entscheidung genau abzuwägen und aus jedem Fehler zu lernen, da ich ansonsten rigoros bestraft werde. So manches Mal habe ich auch innehalten müssen, da die Grenze zur Unfairness immer schmaler zu werden schien, doch den Mut habe ich nie verloren. Nein, eigentlich habe ich ihn gar nicht verlieren können, denn Dark Souls löst ein unbeschreibliches Verlangen aus, sich selbst zu testen, zu schauen wie weit man noch gehen kann und welche weiteren Strapazen ich als Spieler noch über mich ergehen lassen werde, bis mein Geist endlich nachgibt. Dark Souls ist ein spielgewordener Test des Durchhaltevermögens, der Widerstandskraft gegenüber geistigen Schmerzen und der Überwindung jeglicher Ängste, sogar der vor dem eigenen Tod!Dunkel ist die Welt, dunkel ihre Seele
Eigentlich ist es ja doch ganz einfach zu sagen, warum all die Dinge, die auf den ersten Blick eher anstrengend und fast schon qualvoll erscheinen, Dark Souls zu meinem absoluten Highlight des Jahres 2011 gemacht haben. Denn so schwer eine Stelle im Spiel auch sein mag, so viele Anläufe sie benötigt und so sehr sie einem das spielerische Können abverlangt, so ungemein befriedigend kann es sein, endlich nach all den Strapazen von sich behaupten zu können, an der Herausforderung gewachsen zu sein. In Zeiten, in welchen das ungehemmte Vorankommen in der Haupthandlung schon fast zum guten Ton gehört, in welchen Spieler am besten ja nicht überfordert werden sollen, schließlich dürfen sie unter keinen Umständen allzu schnell die Lust am Spielen verlieren, glänzt ein so gnadenlos schweres Werk wie Dark Souls umso mehr. Die dunkle Welt, in die Spieler abtauchen werden und in die ich über unzählige Stunden hinweg abgetaucht bin, birgt aber nicht nur die pure Herausforderung, sondern will direkt erobert werden. Ungeduldige und schnell demotivierte Spieler werden nicht ein Stück der tiefgreifenden Geschichte dieser pechschwarzen Welt verstehen, denn jede Info möchte diesem Ungetüm entrissen werden. Um jeden Fetzen wird beinhart gekämpft und auch wenn die Entlohnung nach dem Sieg über einen der vielen bockschweren Bosskämpfe nicht immer sonderlich umfangreich ausfällt, reichen die Dinge, welche man aufschnappt oder selbst ergründet, vollkommen aus, um uns Spieler freudestrahlend auf die nächsten unzähligen Stunden des Spießrutenlaufens zu schicken. Schließlich warten neue Abenteuer auf den immer stärker werdenden Helden. Damit meine ich aber nicht ausschließlich das Ausbauen der Charakterattribute, sondern die Fähigkeit, seinen Helden immer besser zu spielen. All die Dinge, die mir anfangs noch schwierig erschienen, für die ich äußerste Einarbeitungszeit investieren musste, waren nachher ein Klacks. Durch die vielen Opfer, die ich mit meinem Helden bringen musste, habe ich gelernt, meinen Charakter perfekt zu beherrschen. Eine Welt die nicht den kleinsten Fehler erlaubt, verlangt es nun mal, sein Können zu perfektionieren. Das wirklich gute an der Sache ist aber, dass es euch nicht nur genauso ergehen wird, wie mir, sondern dass der Prozess des Beherrschens seines Alter Ego fast von ganz allein geschieht. Wenn ihr euch auch nur ein wenig Mühe gebt, werdet ihr selbst überrascht sein, wie steil die Lernkurve bei Dark Souls ausfällt. Und glaubt mir, kein noch so starkes Item wird euch dieses Gefühl der absoluten Genugtuung vermitteln, wenn ihr es allein durch euer antrainiertes Können geschafft habt, den bis dato schwierigsten Abschnitt im Spiel zu meister oder den härtesten Boss in seine Schranken zu verweisen.Größer und schwerer
Um sich aber von seinem Vorgänger noch etwas absetzen zu können, hat man doch fast eins zu eins den klasse indirekten Multiplayer und das sehr ähnliche Gameplay übernommen, wobei sich auch grafisch nicht allzu viel getan hat, wurde die Welt doch nur um ein Vielfaches vergrößert. Schon Demons Souls konnte mich seiner Zeit etliche Stunden in der düsteren Welt gefangen halten, doch im Vergleich zu Dark Souls wirkt alles schon fast schäbig klein. Dark Souls kann man eigentlich nur mit dem Wort "riesig" beschreiben. Das bezieht sich aber nicht allein auf die vielen sehr stimmig gestalteten Umgebungen, welche mir gerade mit ihrer monumentalen Architektur des Öfteren den Atem raubten, sondern auch auf die endlos erscheinende Vielfalt an Ausrüstungsgegenständen und den damit einhergehenden unterschiedlichen Spielweisen. Jede Rüstung und Waffe wirkt sich merklich auf das Bewegungsrepertoire des Charakters aus. Während ich mit einer schweren Rüstung wie ein nasser Sack durch die Gegend gerollt bin, konnte ich indes mit den richtigen Aufwertungen eine riesige Zweihandaxt wie ein Plastikschwert schwingen. Hätte ich doch Wert darauf gelegt, andere Statuswerte wie die Magie zu erhöhen, hätte sich mein Charakter vergeblich damit abgemüht, die Axt überhaupt mal anzuheben. Solch ein direktes Feedback wünsche ich mir persönlich viel häufiger in Spielen, bekommen habe ich es in dieser Art und Weise nur bei den wenigstens Spielen, wie Dark Souls bzw. seinem Vorgänger.

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