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Child of Eden Vorschau
Release: 16.06.2011
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Child of Eden Vorschau

Geschrieben von: am 19.4.2011
Wenn der kreative Kopf hinter Rez und Lumines ein neues Spiel präsentiert, will jeder unbedingt mit zusehen. Q Entertainments Chief Creative Officer Tetsuya Mizuguchi (oder auch einfach nur kurz „Miz“) zeigte in Hamburg den Titel „Child of Eden“ und da konnte ich es mir nicht nehmen lassen, einen Blick zu wagen. Was hat das Mastermind denn dieses Mal vorzuweisen?

Tetsuya Mizuguchi ist meiner Meinung nach ein echter Revolutionär – ich meine: Wer sonst hat ein Genre erschaffen, dessen Name erst einige Jahre später überhaupt entworfen wurde? Richtig, niemand. Die Idee, musikalische Aspekte und eine kaleidoskopische Matrix miteinander zu verbinden, sucht auch anno 2011 ihresgleichen. Doch was bedeutet eigentlich „kaleidoskopische Matrix“, fragt ihr euch sicherlich. Nun, hierbei versteht man einfach „schöne Formen“, wenn das Wort vom griechischen ins Deutsche übersetzt wird. Der Zusatz Matrix wird dafür verwendet, um die unendliche Tragweite der menschlichen Vorstellung zu offenbaren.

Es geht in Child of Eden nämlich darum, dass das sogenannte „Project Lumi“ – eine menschliche Persönlichkeit innerhalb von Eden, dem künstlichen Kollektivgedächtnis der Menschheit – reproduziert werden soll. Noch bevor die Aufgabe abgeschlossen wird, schleicht sich ein unbekannter Virus in das System ein und verdirbt alles, woraufhin es nun die Aufgabe des Spielers ist, Eden zu retten und die Harmonie der Welt zu bewahren.

Die innere Ruhe

Child of Eden ist kein reines Kinect-Spiel – ihr könnt es auch wahlweise einfach nur mit dem Standard-Controller zocken, der dann bei entsprechenden Treffern vibriert – Mizuguchi meinte scherzhaft, sie würden im Entwicklerteam die Controller um die Hüften schließen und mit Kinect spielen, dabei aber die Vibration des Controllers aktivieren, um ein zusätzlich „elektrisierendes“ Erlebnis zu erhalten. Nette Idee und sorgte für Geschmunzel in der Runde. Das Spielgefühl mit dem Standard-Controller ist jedoch ein ganz anderes als über Kinect. Der Titel fühlt sich weniger natürlich an und einfach zu mechanisch – das stört den eigentlich sehr angenehmen Spielfluss und daher sei es jedem geraten, sich für die Kinect-Steuerung zu entscheiden. Im Übrigen sehr komfortabel: Ihr könnt während des laufenden Spiels problemlos zwischen Kinect und Controller wechseln.

Entscheidet ihr also den Körper zu benutzen, um den Titel zu steuern, fließt ihr quasi mit im Strom der kreativ gestalteten Areale. Mit der linken Hand steuert ihr die automatische Schussvorrichtung, die jedoch nicht weiter effektiv ist gegen weiter auseinanderstehende Objekte. Dazu zieht ihr die linke Hand zurück und streckt die rechte nur ein wenig vor, um damit das sogenannte „Locking“-System zu aktivieren, mit dem ihr mehrere Ziele gleichzeitig anvisiert und durch eine kurze Handbewegung löst ihr einen Mehrfachschuss aus, der alle zuvor markierten Objekte zerstört. Je schneller ihr das tut, desto mehr Punkte und eventuell Belohnungen gibt es. Die Anzeige unten rechts auf dem Bildschirm zeigt übrigens eure Lebensenergie, die natürlich nicht unendlich ist. Streckt ihr beide Arme in die Luft, entfacht ihr ein Feuerwerk sondergleichen, da ihr eine massive Bombe hochgehen lasst – diese jedoch steht euch nicht immer zur Verfügung und sollte für die etwaigen Bosse am Ende einer Stage oder echte Notsituationen aufbewahrt werden.

Während des Spielens wird euch vor allem auffallen, welch unglaubliche Ruhe es in euch schafft. Es geht nicht immer total hektisch zu und vor allen der Verlauf einer Stage weiß besonders gut zu gefallen. Am Anfang hält sich die Musik des Spiels noch stark zurück, gibt nur sehr leise Töne von sich – es handelt sich immerhin um den Gesang von Lumi, eine Schönheit, die euch im Hauptmenü des Spiels begegnen wird – und je weiter Lumi euch trägt, desto deutlicher wird ihre Melodie, ihr gelangt an das Ziel, die Musik wird elektrisierender, jedoch nie nervig. Sie treibt voran und sorgt für ein sehr beruhigendes Gefühl, das sich in einem Boss-Kampf zur Klimax des Songs entwickelt und man als Spieler selbst bemerkt, wie fröhlich man selbst wird, sobald jener Feind besiegt und Lumi einen weiteren Teil ihrer selbst gefunden hat – und somit einen Teil mehr zur Rettung von Eden.

Natürlich ist das Erlebnis eher für Gelegenheitsspieler, die sich nach einem langen Arbeitstag nicht allzu sehr stressen wollen. Auf der anderen Seite zeigt der Titel aber ganz klar, wie viel Kunst in Videospielen steckt, denn die Verbindung mit derart ästhetischen Objekten und Gegebenheiten sowie der wundervoll abgestimmten Musik und ihrem Einsatz ist schlichtweg meisterlich. Child of Eden unterhält auf einer ganz anderen Ebene, vor allem mentalen, als übliche Videospiele und entspannt zugleich ungemein.


Fazit:

Vom ersten Moment an hat mich Child of Eden begeistert. Ich mochte ja ohnehin schon Rez und Lumines für ihre einzigartige Art, wie beide Titel mit Musik umgegangen sind und es als Teil des Gameplays und der Spielerfahrung genutzt haben. Doch was Child of Eden angeht, so ist das mitunter durch die sehr angenehm ausfallende Steuerung mit Kinect eine ganz neue Erfahrung, die auf einer derart stimulierenden und entspannenden Ebene stattfindet, in der ich gerne wieder eintauchen würde – und zwar zu jeder Zeit. Child of Eden ist nicht komplex, es ist nicht großartig umfangreich; das braucht der auch Titel nicht, denn Mizuguchi gelingt hier wieder einmal das Meisterwerk, das Genre voranzutreiben und neue Möglichkeiten aufzuweisen, weshalb Videospiele mehr als nur Zeitfüller sind. Es ist definitiv eine Form der Kunst, Child of Eden beweist dies mit Bravur. Für mich der kreativste Titel seit der Veröffentlichung von Rez.

Ersteindruck: Sehr Gut

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