Sesostris
12.04.2007, 16:02
Chatlog
Moderator : Liebe Freunde und Gegner von Ego-Shootern und Ballerspielen, willkommen im tagesschau-Chat . Unser Gast heute ist Dr. Mathias Mertens, Computerspiel-Experte und Medienwissenschaftler an der Uni Hildesheim. Ihre Fragen können Sie wie immer jederzeit stellen, es geht nichts verloren. Mathias Mertens chattet aus Hildesheim, gleich die Frage dorthin, können wir beginnen?
Mathias Mertens : Ja, das können wir
Moderator : Erstmal persönlich:
hanna : Spielen Sie selbst auch Computerspiele? Welche, die auch Gewalt beinhalten?
Mathias Mertens : Ja, ich spiele sehr viele Computerspiele und weil fast jedes Computerspiel Darstellungen von Gewalt beinhaltet spiele ich auch solche. Darstellungen von Gewalt, nicht Gewalt.
Moderator : Ihr persönlicher Lieblings-Ego-Shooter?
Mathias Mertens : Doom2.
fideidefensor : gibt es ein klassisches computer-freak profil?
Mathias Mertens : Vielleicht gab es das mal irgendwann in der Frühzeit Menschen, die sehr technikaffin waren und deshalb einen Computer hatten aber mit der massenhaften Verbreitung von Computern und damit einhergehenden Popularisierung sind Computerspieler heute genauso vielfältig wie jede andere Bevölkerungsgruppe.
Hilli : Ganz einfach: gibt es statistische Belege fuer den Bezug zwischen Ballerspielen und Gewaltbereitschaft?
Mathias Mertens : Ganz einfach: Nein. Es gibt tausende Untersuchungen, die für ein bestimmtes Setting die Möglichkeit eines Zusammenhangs nicht ausschließen können aber das ist jenseits von Beleg.
m0nstersin : Wieso wird dann beides immer wieder in Zusammenhang gebracht und damit publiziert?
Mathias Mertens : Weil es Ausdruck eines Medienwandels ist. In dem Moment, in dem ein neues Medium sich so weit verbreitet hat, dass es als ernstzunehmende Kommunikationsform in Konkurrenz mit anderen, etablierten Kommunikationsformen tritt, entsteht dort ein Verteidigungsimpuls. einfacher gesagt: Dem Fernsehen passt es nicht, dass Leute Computerspiele spielen und nicht Fernsehen, also muss die Kritik, die es selbst früher einstecken musste jetzt an den Konkurrenten ausgeteilt werden.
Keek : Was halten Sie davon das immer wieder neue Wörter direkt mit Beurteilung von den Politikern zu einer Diskusion erfunden werden? Wie in diesem Fall "Killer-Spiele "
Moderator : Zusatzfrage: Muss ich mich jetzt schuldig fühlen, weil ich für den Chat getexte habe: Machen Killerspiele aus Kindern Killer?
Mathias Mertens : Der Begriff "Killerspiele " folgt ganz einfachen polit-journalistischen Mustern etwas muss so griffig benannt werden, dass man ganz viele Anschlussbeiträge zu dem Thema produzieren kann, weil sich alle sofort etwas unter dem Begriff vorstellen können und dann immer denken, sie wüssten Bescheid, wenn darüber berichtet wird. Man - Journalisten - unterschätzt aber oft das Wirkungspotential solcher Begriffe. Killerspiele ist ideologisch, nicht technisch Wenn so etwas in Gesetzesentwürfen auftaucht ist der Entwurf eigentlich schon diskreditiert In Gesetzen zum Nichtraucherschutz werden Zigaretten ja auch nicht als "Sargnägel " oder "Nikotinnuckel " bezeichnet.
Moderator : Die Unterstellung von Mastersin teile ich nicht, ich kenne eine Menge Kollegen, die sich mit dem Thema ernsthaft auseinandersetzen, aber noch mal ein paar Fragen zur Medienproblematik.:
mastersin : Wieso werden Beiträge auf ARD und ZDF nie objektiv gehalten sondern immer fixiert auf einen bestimmten Punkt und dann nur noch subjektiv geschildert wird wie schlecht "Killerspiele " doch sind?
VAZZ : Falls sie die beiden Sendungen von Panorama verfolgt haben - "Spiel ohne Grenzen - wenn Computersucht die Kindheit zerstört " und "Morden und Foltern als Freizeitspaß - Killerspiele im Internet " - könnten sie die beiden Berichte kommentieren? Würden sie sagen, dass das Thema PC - Spiele zu einseitig (negativ) in den Medien behandelt wird?
Arno : Mit welchen Gefühlen sehen Sie Berichte in den Medien, in denen z.B. (wie jüngst geschehen) Final Fantasy 7 als "Killerspiel " bezeichnet wird? Wo ist die Grenze?
Mathias Mertens : Man könnte viel gegen die Sendungen von Panorama und Frontal21 sagen und das tut die Community ja auch sehr ausgiebig und mit sehr vielen, langbewährten Argumenten. Ich würde mal umgekehrt den Vorwurf machen dass die Community nur auf diese Beiträge reagiert und sich selbst das Gefühl gibt es gäbe nur solche Berichte. Das erzeugt auch ein öffentliches Bewusstsein davon dass Computerspiele vielleicht doch so sind, wie sie in diesen Aufregerbeiträgen dargestellt sind Es gibt aber keinen Jubel über gelungene, originelle, andere Berichte und Texte. Da sollte man eher eine Öffentlichkeit für schaffen. Stattdessen verschanzt man sich hinter dem beschränkten Urteil, dass ein gelungener Bericht einer ist der der Stiftung Warentest-Ästhetik der Gamesmagazine folgt. Das finde ich, schlicht gesagt, sehr beschränkt.
Moderator : Aber in Summe: Sie halten die Darstellung in den Medien für problematisch?
Mathias Mertens : Ich halte viele Darstellungen in den Medien für problematisch und zur selben Zeit auch nicht. Man muss sich auch auf die Produktionslogiken einlassen und etwas auch danach bewerten. Wenn man in die Geschichte geht dann wird man feststellen, dass es identische öffentliche Diskussionen über Video in den siebziger Jahren gegeben hat. In den fünfziger Jahren über das Fernsehen. In den zehner Jahren über den Film. Und so weiter, und so fort. Irgendwann, wenn sich alle meinungsführenden Produzenten in Deutschland mit Computerspielen aufgewachsen sind, wird auch diese Diskussion vergessen sein. Und die Computerspielverteidiger von heute werden die schärfsten Kritiker des dann neuen Mediums sein. Das ist, glaube ich, fast ein Naturgesetz, mit dem wir leben müssen.
Moderator : Definitionsfrage:
Running-Duck : Was ist in der landläufigen Meinung überhaupt ein "Killerspiel "? So wie Frau Leyen es in ihrem Entwurf beschrieben aht würden selbst Spiele wie World of Warcraft drunter fallen die eine USK von 12 Jahren bekommen haben.
marwin2901 : Ab wann beeichnet man ein Spiel als "Killerspiel "
Cholostase : Was sind denn eigentlich Killerspiele? Die Definition ist nicht klar.. Oder werden mit "Killerspielen " alle Spiele mit gewalttätigen Inhalt bezeichnet? Dann müssten aber auch Spiele die ein USK von 12 bekommen verboten werden oder?
Mathias Mertens : An diesem Punkt offenbart sich der ideologische Gehalt des Begriffs. Denn man könnte niemals trennscharf definieren, was ein Killerspiel eigentlich ist. Letzten Endes ist ein Killerspiel immer das, was in diesem Moment für bestimmte Leute moralisch nicht einwandfrei ist. Das ist in fünf Jahren aber anders. Und das war vor fünf Jahren auch anders. Die Gefährlichkeit einer solchen Gesetzesinitiative wäre, das hier eine Lizenz für permanente Einzelfallentscheidungen aus moralischen Gründen geschaffen würde. Und das wäre Zensur in ganz klassischer Form: Was den Mächtigen nicht passt, das wird verboten. So lange, bis es ihnen wieder passt. Oder auch nicht.
Moderator : Die ganze Diskussion hat ja einen Hintergrund, daher die Schlagzeilen-Frage:
LyR : Würde ein Verbot helfen Amokläufe zuverhindern?
Mathias Mertens : Ich bin ja fast versucht, zu sagen: Lasst es uns ausprobieren! Nur um dann beim nächsten Amoklauf trotz Killerspiel-Verbot schadenfroh sagen zu können: Hab ichs nicht gesagt! Wenn es nur nicht so schrecklich wäre. Amokläufe könnten dadurch verhindert werden, indem man Menschen verbietet. Denn es die menschliche Natur, die sich in solchen Taten offenbart.
Moderator : Vielleicht kann man es mal von verschiedenen Seiten eingrenzen:
Ezechielpitau : Sicherlich sollten 5jährige nicht Doom spielen. Wie würden Sie sinnvolle Altersgrenzen setzen?
Mathias Mertens : Ich würde alle Eltern ermutigen, sich mit ihren Kindern und dem, was diese interessiert, zu beschäftigen, und dann aus ihrer Erfahrung heraus persönliche Altersgrenzen zu setzen. Und diese Grenzen dann auch mit ihren Kindern zu diskutieren und zu erklären. Denn nur solche direkten Moralsysteme, in die man selbst eingebunden ist und die man nachvollziehen kann, sind auch sinnvoll. Ich finde das System mit der Selbstkontrolle der Wirtschaft und den Altersempfehlungen aber sehr sinnvoll, das sind sehr gute Orientierungen für individuelle Entscheidungen.
Johanna : Aber ist es nicht so, dass sich Jugendliche durch die sogenannten "Killerspiele " isolieren und in eine sehr gewaltätige Welt flüchten können, in der sie mal Herrscher sind, was im Leben normal nicht vorkommt?
Mathias Mertens : Na, gottseidank können sie dann mal Herrscher sein. Das ist doch das Grundprinzip allen Spielens: die Regeln zu meistern und Herr über das Geschehen zu sein. Und dieses Isolationsargument hat für mich auch einen zweitausendfünfhundert Jahre alten Bart. Wie oft haben Leute denn schon gemeinsam ein Buch gelesen? Die sehe ich auch immer nur völlig paralysiert herumsitzen und keinen Kontakt haben. Und im Kino sitzen sie auch alle völlig gleichgeschaltet und starren auf eine Leinwand. Das ist eben so: Man richtet seine Aufmerksamkeit auf etwas. Und je interessanter das ist, desto mehr Aufmerksamkeit erhält es.
Moderator : kommentare von:
Dingsbums : Erst wenn das letzte Killerspiel verboten ist, werden wir erkennen das man seine Kinder immer noch erziehen muss...
andiebar : Ich finde ihre Schreibe einseitig. Kann es sein, dass Sie selbst Comuterspielsüchtig sind und versuchen ihre Leidenschaft zu rechtfertigen?
Gerky : Ist ihnen bekannt, ob die "Killerspiel "-Debatte auch in andern Ländern geführt wird? Wenn nein: wieso geht Deutschland einen "moralischen Alleingang "?
Moderator : Liebe Freunde und Gegner von Ego-Shootern und Ballerspielen, willkommen im tagesschau-Chat . Unser Gast heute ist Dr. Mathias Mertens, Computerspiel-Experte und Medienwissenschaftler an der Uni Hildesheim. Ihre Fragen können Sie wie immer jederzeit stellen, es geht nichts verloren. Mathias Mertens chattet aus Hildesheim, gleich die Frage dorthin, können wir beginnen?
Mathias Mertens : Ja, das können wir
Moderator : Erstmal persönlich:
hanna : Spielen Sie selbst auch Computerspiele? Welche, die auch Gewalt beinhalten?
Mathias Mertens : Ja, ich spiele sehr viele Computerspiele und weil fast jedes Computerspiel Darstellungen von Gewalt beinhaltet spiele ich auch solche. Darstellungen von Gewalt, nicht Gewalt.
Moderator : Ihr persönlicher Lieblings-Ego-Shooter?
Mathias Mertens : Doom2.
fideidefensor : gibt es ein klassisches computer-freak profil?
Mathias Mertens : Vielleicht gab es das mal irgendwann in der Frühzeit Menschen, die sehr technikaffin waren und deshalb einen Computer hatten aber mit der massenhaften Verbreitung von Computern und damit einhergehenden Popularisierung sind Computerspieler heute genauso vielfältig wie jede andere Bevölkerungsgruppe.
Hilli : Ganz einfach: gibt es statistische Belege fuer den Bezug zwischen Ballerspielen und Gewaltbereitschaft?
Mathias Mertens : Ganz einfach: Nein. Es gibt tausende Untersuchungen, die für ein bestimmtes Setting die Möglichkeit eines Zusammenhangs nicht ausschließen können aber das ist jenseits von Beleg.
m0nstersin : Wieso wird dann beides immer wieder in Zusammenhang gebracht und damit publiziert?
Mathias Mertens : Weil es Ausdruck eines Medienwandels ist. In dem Moment, in dem ein neues Medium sich so weit verbreitet hat, dass es als ernstzunehmende Kommunikationsform in Konkurrenz mit anderen, etablierten Kommunikationsformen tritt, entsteht dort ein Verteidigungsimpuls. einfacher gesagt: Dem Fernsehen passt es nicht, dass Leute Computerspiele spielen und nicht Fernsehen, also muss die Kritik, die es selbst früher einstecken musste jetzt an den Konkurrenten ausgeteilt werden.
Keek : Was halten Sie davon das immer wieder neue Wörter direkt mit Beurteilung von den Politikern zu einer Diskusion erfunden werden? Wie in diesem Fall "Killer-Spiele "
Moderator : Zusatzfrage: Muss ich mich jetzt schuldig fühlen, weil ich für den Chat getexte habe: Machen Killerspiele aus Kindern Killer?
Mathias Mertens : Der Begriff "Killerspiele " folgt ganz einfachen polit-journalistischen Mustern etwas muss so griffig benannt werden, dass man ganz viele Anschlussbeiträge zu dem Thema produzieren kann, weil sich alle sofort etwas unter dem Begriff vorstellen können und dann immer denken, sie wüssten Bescheid, wenn darüber berichtet wird. Man - Journalisten - unterschätzt aber oft das Wirkungspotential solcher Begriffe. Killerspiele ist ideologisch, nicht technisch Wenn so etwas in Gesetzesentwürfen auftaucht ist der Entwurf eigentlich schon diskreditiert In Gesetzen zum Nichtraucherschutz werden Zigaretten ja auch nicht als "Sargnägel " oder "Nikotinnuckel " bezeichnet.
Moderator : Die Unterstellung von Mastersin teile ich nicht, ich kenne eine Menge Kollegen, die sich mit dem Thema ernsthaft auseinandersetzen, aber noch mal ein paar Fragen zur Medienproblematik.:
mastersin : Wieso werden Beiträge auf ARD und ZDF nie objektiv gehalten sondern immer fixiert auf einen bestimmten Punkt und dann nur noch subjektiv geschildert wird wie schlecht "Killerspiele " doch sind?
VAZZ : Falls sie die beiden Sendungen von Panorama verfolgt haben - "Spiel ohne Grenzen - wenn Computersucht die Kindheit zerstört " und "Morden und Foltern als Freizeitspaß - Killerspiele im Internet " - könnten sie die beiden Berichte kommentieren? Würden sie sagen, dass das Thema PC - Spiele zu einseitig (negativ) in den Medien behandelt wird?
Arno : Mit welchen Gefühlen sehen Sie Berichte in den Medien, in denen z.B. (wie jüngst geschehen) Final Fantasy 7 als "Killerspiel " bezeichnet wird? Wo ist die Grenze?
Mathias Mertens : Man könnte viel gegen die Sendungen von Panorama und Frontal21 sagen und das tut die Community ja auch sehr ausgiebig und mit sehr vielen, langbewährten Argumenten. Ich würde mal umgekehrt den Vorwurf machen dass die Community nur auf diese Beiträge reagiert und sich selbst das Gefühl gibt es gäbe nur solche Berichte. Das erzeugt auch ein öffentliches Bewusstsein davon dass Computerspiele vielleicht doch so sind, wie sie in diesen Aufregerbeiträgen dargestellt sind Es gibt aber keinen Jubel über gelungene, originelle, andere Berichte und Texte. Da sollte man eher eine Öffentlichkeit für schaffen. Stattdessen verschanzt man sich hinter dem beschränkten Urteil, dass ein gelungener Bericht einer ist der der Stiftung Warentest-Ästhetik der Gamesmagazine folgt. Das finde ich, schlicht gesagt, sehr beschränkt.
Moderator : Aber in Summe: Sie halten die Darstellung in den Medien für problematisch?
Mathias Mertens : Ich halte viele Darstellungen in den Medien für problematisch und zur selben Zeit auch nicht. Man muss sich auch auf die Produktionslogiken einlassen und etwas auch danach bewerten. Wenn man in die Geschichte geht dann wird man feststellen, dass es identische öffentliche Diskussionen über Video in den siebziger Jahren gegeben hat. In den fünfziger Jahren über das Fernsehen. In den zehner Jahren über den Film. Und so weiter, und so fort. Irgendwann, wenn sich alle meinungsführenden Produzenten in Deutschland mit Computerspielen aufgewachsen sind, wird auch diese Diskussion vergessen sein. Und die Computerspielverteidiger von heute werden die schärfsten Kritiker des dann neuen Mediums sein. Das ist, glaube ich, fast ein Naturgesetz, mit dem wir leben müssen.
Moderator : Definitionsfrage:
Running-Duck : Was ist in der landläufigen Meinung überhaupt ein "Killerspiel "? So wie Frau Leyen es in ihrem Entwurf beschrieben aht würden selbst Spiele wie World of Warcraft drunter fallen die eine USK von 12 Jahren bekommen haben.
marwin2901 : Ab wann beeichnet man ein Spiel als "Killerspiel "
Cholostase : Was sind denn eigentlich Killerspiele? Die Definition ist nicht klar.. Oder werden mit "Killerspielen " alle Spiele mit gewalttätigen Inhalt bezeichnet? Dann müssten aber auch Spiele die ein USK von 12 bekommen verboten werden oder?
Mathias Mertens : An diesem Punkt offenbart sich der ideologische Gehalt des Begriffs. Denn man könnte niemals trennscharf definieren, was ein Killerspiel eigentlich ist. Letzten Endes ist ein Killerspiel immer das, was in diesem Moment für bestimmte Leute moralisch nicht einwandfrei ist. Das ist in fünf Jahren aber anders. Und das war vor fünf Jahren auch anders. Die Gefährlichkeit einer solchen Gesetzesinitiative wäre, das hier eine Lizenz für permanente Einzelfallentscheidungen aus moralischen Gründen geschaffen würde. Und das wäre Zensur in ganz klassischer Form: Was den Mächtigen nicht passt, das wird verboten. So lange, bis es ihnen wieder passt. Oder auch nicht.
Moderator : Die ganze Diskussion hat ja einen Hintergrund, daher die Schlagzeilen-Frage:
LyR : Würde ein Verbot helfen Amokläufe zuverhindern?
Mathias Mertens : Ich bin ja fast versucht, zu sagen: Lasst es uns ausprobieren! Nur um dann beim nächsten Amoklauf trotz Killerspiel-Verbot schadenfroh sagen zu können: Hab ichs nicht gesagt! Wenn es nur nicht so schrecklich wäre. Amokläufe könnten dadurch verhindert werden, indem man Menschen verbietet. Denn es die menschliche Natur, die sich in solchen Taten offenbart.
Moderator : Vielleicht kann man es mal von verschiedenen Seiten eingrenzen:
Ezechielpitau : Sicherlich sollten 5jährige nicht Doom spielen. Wie würden Sie sinnvolle Altersgrenzen setzen?
Mathias Mertens : Ich würde alle Eltern ermutigen, sich mit ihren Kindern und dem, was diese interessiert, zu beschäftigen, und dann aus ihrer Erfahrung heraus persönliche Altersgrenzen zu setzen. Und diese Grenzen dann auch mit ihren Kindern zu diskutieren und zu erklären. Denn nur solche direkten Moralsysteme, in die man selbst eingebunden ist und die man nachvollziehen kann, sind auch sinnvoll. Ich finde das System mit der Selbstkontrolle der Wirtschaft und den Altersempfehlungen aber sehr sinnvoll, das sind sehr gute Orientierungen für individuelle Entscheidungen.
Johanna : Aber ist es nicht so, dass sich Jugendliche durch die sogenannten "Killerspiele " isolieren und in eine sehr gewaltätige Welt flüchten können, in der sie mal Herrscher sind, was im Leben normal nicht vorkommt?
Mathias Mertens : Na, gottseidank können sie dann mal Herrscher sein. Das ist doch das Grundprinzip allen Spielens: die Regeln zu meistern und Herr über das Geschehen zu sein. Und dieses Isolationsargument hat für mich auch einen zweitausendfünfhundert Jahre alten Bart. Wie oft haben Leute denn schon gemeinsam ein Buch gelesen? Die sehe ich auch immer nur völlig paralysiert herumsitzen und keinen Kontakt haben. Und im Kino sitzen sie auch alle völlig gleichgeschaltet und starren auf eine Leinwand. Das ist eben so: Man richtet seine Aufmerksamkeit auf etwas. Und je interessanter das ist, desto mehr Aufmerksamkeit erhält es.
Moderator : kommentare von:
Dingsbums : Erst wenn das letzte Killerspiel verboten ist, werden wir erkennen das man seine Kinder immer noch erziehen muss...
andiebar : Ich finde ihre Schreibe einseitig. Kann es sein, dass Sie selbst Comuterspielsüchtig sind und versuchen ihre Leidenschaft zu rechtfertigen?
Gerky : Ist ihnen bekannt, ob die "Killerspiel "-Debatte auch in andern Ländern geführt wird? Wenn nein: wieso geht Deutschland einen "moralischen Alleingang "?